"Man muss der Maßnahme Zeit geben"

Verkehrsausschuss: Mariahilfer Straße bleibt weiterhin eine Fahrradstraße

+
Solche Tempo-30-Piktogramme sollen Autofahrer verdeutlichen, dass sie in Fahrradstraßen nicht schneller als 30 km/h fahren dürfen.

Füssen – Die Fahrradstraße in der Mariahilfer Straße bleibt bestehen. Allerdings sollen zusätzliche Piktogramme für Klarheit sorgen, wie Autofahrer sich hier zu verhalten haben.

Das beschlossen die Mitglieder des Verkehrsausschusses einstimmig in ihrer Sitzung am Dienstag vergangener Woche. Auf diese Weise soll der Radverkehr in Füssen gestärkt werden. 

Als sie im September 2016 ausgewiesen wurde, dürfte sie kaum jemand in Füssen gekannt haben: die Fahrradstraße. Der Arbeitskreis (AK) Radverkehr sah darin eine Möglichkeit, eine Lücke im Radwegenetz in Richtung Westen zu schließen, um so einen sicheren Weg für Radler zu schaffen. Doch die Einführung war nicht unumstritten. Denn für solch eine Straße müssen dort hauptsächlich Radler unterwegs sein, erklärte das städtische Verkehrsamt. 

Zählungen der Stadtverwaltung und der Polizei kamen jedoch zu einem anderen Ergebnis: Ein Drittel der Verkehrsteilnehmer waren Radler, zwei Drittel jedoch motorisierter Verkehr. Zu einem anderen Ergebnis kamen aber die Mitglieder des AK Radverkehrs, da sie zu der Zeit zählten, als die Schüler zur Schule geradelt sind, erklärte Dr. Martin Metzger (BfF). „Wir haben die Notwendigkeit, die wir dort brauchen (für eine Fahrradstraße - Anmerk. d. Red.).“ 

Eine Notwendigkeit, die da sein sollte und nicht muss, kritisierte Metzger die Formulierung der Stadtverwaltung. „Radfahren sollte irgendwann mal die vorherrschende Verkehrsart sein oder zu bestimmten Zeiten.“ Gleicher Meinung war sein AK-Kollege Heinz Hipp. Dieser hatte nach München geblickt, wo es derzeit 60 Fahrradstraßen gebe.

Eine Untersuchung habe gezeigt, dass die wesentlichen Erwartungen, die an eine Fahrradstraße gestellt werden, erreicht werden. Mit der Zeit erhöhte sich die Zahl der Radler deutlich, während der Kfz-Verkehr sank oder stagnierte. Auch die Sicherheit wurde positiv bewertet, so Hipp. 

Das Fazit: „Fahrradstraßen haben sich auch nach den Ergebnissen dieser Untersuchung als sehr gut geeignete Maßnahme für die Förderung des Radverkehrs erwiesen. Sie sind vor und bei ihrer Einführung nur in Einzelfällen stark umstritten. 

Im Dauerbetrieb sind nur sehr wenige Fahrradstraßen in Deutschland Gegenstand öffentlicher Diskussionen.“ Auch in Füssen tue man sich mit Neuem schwer, so Hipp. 

Viele Fragen

Das hat auch die städtische Verkehrsbehörde beobachtet, wie Manfred Schweinberg von der Stadtverwaltung erklärte. 

Nach eineinhalbjähriger Erfahrung zeige sich, dass die Bedeutung des Verkehrszeichens „Fahrradstraße“ bei den Verkehrsteilnehmern weitgehend unbekannt sei (der Kreisbote berichtete). Da mittlerweile mehrere Straßen in Füssen-West als Tempo-30-Straßen ausgewiesen wurden, die Mariahilfer Straße aber nach wie vor eine Fahrstraße ist, fragen sich viele, wie schnell sie dort nun fahren dürfen. Manche Anlieger wären deshalb für eine einheitliche Tempo-30-Zone, in die die Mariahilfer Straße integriert werde, so Schweinberg. 

Zusätze, die die Regeln in einer Fahrradstraße erklären, seien nämlich nicht erlaubt. Wohl aber Tempo-30-Piktogramme auf der Fahrbahn, die dem Verkehr das erlaubte Tempo deutlich machen. 

Mehr Unfälle

 Diesen Vorschlag begrüßte Metzger. Man müsse deutlich machen, dass Autofahrer dort nur 30 km/h fahren dürfen und auf Radler achten müssen. „Dann sollte das wunderbar funktionieren“, meinte Metzger. „Ich kann das Piktogramm 30 nur befürworten“, meinte auch Wolfgang Bader (SPD). 

Sein Fraktionskollege Georg Waldmann sprach sich als Anwohner ebenfalls für die Fahrradstraße aus. „Es gab Desinformation, aber sie nimmt ab.“ Durch die Fahrradstraße ergebe sich ein kleiner Effekt. „Man muss der Maßnahme Zeit geben.“ Das sah auch Schweinberg so. Grundsätzlich sehe das Verkehrsamt die Weiterführung des Projekts positiv für die Förderung des Radverkehrs und Stärkung der Achse Innenstadt-Füssen West-Hopfensee. Zumal auch Großstädte wie München und Wien derzeit dabei seien, ihren Radverkehr zu fördern.

 "Total irrelevant"

 Etwas anders bewertet Polizist Thomas Meiler die Situation. Ohne einen kausalen Zusammenhang herstellen zu wollen, wie er ausdrücklich erklärte, präsentierte er die Unfallzahlen in der Mariahilfer Straße von 2012 bis 2017. Während es in der Zeit bis 2016 nur zwei bzw. drei Unfälle pro Jahr gab, stiegen sie im Jahr 2016 auf zehn an. Auch 2017 verzeichnete die Polizei dort acht Unfälle. „Für mich hat die Fahrradstraße keine Verbesserung gebracht. Mir wäre es lieber, wenn der ganze Bereich Tempo 30 wäre“, sagte Meiler. „Bestimmte Dinge sind außerhalb einer Statistik“, meinte jedoch Dr. Metzger. Meilers Zahlen seien sicher richtig. „Aber statistisch sind sie total irrelevant.“

Auch interessant

Meistgelesen

200 Rinder ziehen beim Viehscheid durch Schwangau
200 Rinder ziehen beim Viehscheid durch Schwangau
Der einzige Viehmarkt im Allgäu
Der einzige Viehmarkt im Allgäu
Innovatives Trailer Spray System sorgt für Sicherheit
Innovatives Trailer Spray System sorgt für Sicherheit
Heimspiel für Markus Söder in Wertach
Heimspiel für Markus Söder in Wertach

Kommentare