Zweckverband Allgäuer Land will weitere Gewerbeflächen kaufen

"Wir müssen jetzt Ideen sammeln"

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Der erste Bauabschnitt des Gewerbeparks Allgäuer Land ist komplett vermarktet. Nun soll ein zweiter Abschnitt im Eck zwischen Kemptener Straße und B310 (links im Bild) gekauft und erschlossen werden.

Füssen/Landkreis – Als sich der Zweckverband Allgäuer Land (ZVAL) im Jahr 2005 gründete, waren die Zweifel groß.

Immerhin betraten die zehn beteiligten Kommunen mit ihrem Zusammenschluss seinerzeit Neuland. Zwölf Jahre und die Vermarktung sämtlicher Grundstücke im ersten Bauabschnitt des Gewerbeparks „Allgäuer Land“ später fällt die Zwischenbilanz der Verantwortlichen positiv aus. 

Um einen interkommunalen Gewerbepark ins Leben zu rufen, schlossen sich am 14. Januar 2005 in einer Feierstunde die Stadt Füssen und neun Nachbargemeinden zum Zweckverband Allgäuer Land zusammen. Die Absicht dahinter: Statt mehrerer kleinerer Gewerbegebiete in den einzelnen Gemeinden sollte ein großes in guter Lage entstehen. Das spart Flächen und Geld. Die Konversionsflächen der BIMA zwischen Kemptener Straße und B310 schienen dafür prädestiniert. „Wir haben damals ein Pilotprojekt gestartet“, erinnert sich Paul Iacob (SPD), der als Füssener Bürgermeister automatisch auch Vorsitzender des ZVAL ist. 

Der Pioniergeist sollte sich auszahlen. 12 Jahre später sind alle Grundstücke im etwa zehn Hektar großen ersten Bauabschnitt des Gewerbeparks „Allgäuer Land“ verkauft, zehn Firmen haben sich angesiedelt, 300 Arbeitsplätze sind nach Angaben von Geschäftsleiter Andreas Rist entstanden. Das sind etwa 30 Arbeitsplätze pro Hektar. Die Einnahmen aus den Grundstücksverkäufen betragen demnach ca. 6,6 Millionen Euro. Die jährlichen Einkünfte durch Grund- und Gewerbesteuer liegen bei 100- bis 150.000 Euro. Der Schuldenstand konnte von rund 5,1 Millionen Euro Ende 2012 auf nunmehr etwa 776.000 Euro abgebaut werden. „Wir haben Stufe A erfolgreich abgeschlossen“, so Iacob.

 Mittlerweile ist der ZVAL Vorbild für andere Gemeinden im Kreis Ostallgäu. „Speziell mit den Anrainer-Gemeinden der B12 führt deshalb der Landkreis auf Initiative von Landrätin Maria Rita Zinnecker Gespräche zum Thema interkommunale Gewerbeflächenentwicklung“, teilt Rainer Kunzmann, Sprecher des Landratsamtes Ostallgäu, mit. „Interkommunale Gewerbegebiete in guter Lage sparen im Gegensatz zu vielen kleineren Gebieten nicht nur Fläche sondern auch finanzielle Ressourcen.“

Darüber hinaus sei es gelungen, mit Hilfe des interkommunalen Gewerbegebiets namhafte Firmen wie Heuberger oder Besel & Schwäller im Landkreis zu halten. Neue wie Huras Stanzautomation oder Wirthensohn konnten angesiedelt werden. „Dabei wurden zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen, die das gesamte Qualifikationsspektrum, vom angelernten Mitarbeiter bis zur hochspezialisierten Fachkraft, abdecken“, meint Kunzmann. 

Sogar die Regierung von Schwaben fordere mittlerweile die Kommunen dazu auf, interkommunale Gewerbeparks nach dem Vorbild Füssens zu gründen, ergänzt Verbandschef Iacob. 

Also alles eitel Sonnenschein zwischen Kemptener Straße und B310? 

Nicht ganz. Denn zum einen konnte nicht immer das eigentlich gewünschte produzierende Gewerbe in den Füssener Westen gelockt werden. Und zum anderen steht bei den Grundstücksgeschäften unterm strich ein Minus. Ein Grund dafür sind laut Iacob auf der einen Seite die Erschließungskosten für das Areal in Höhe von knapp 2,7 Millionen Euro. Auf der anderen Seite habe man die Flächen auch nicht allzu teuer verkaufen können, da der ZVAL ab einem gewissen Quadratmeter-Preis einen Teil an die BIMA – von der er die Flächen gekauft hatte – überweisen musste. 

Für Iacob dank der Steuereinnahmen aber kein Problem: „Im Endeffekt bleiben da keine Verbindlichkeiten.“

Wie geht es weiter?

Doch mit dem kompletten Verkauf des ersten Bauabschnitts – die Firma Besel & Schwäller hat das letzte freie Grundstück gekauft und feiert am 19. Oktober Spatenstich – steht der Verband auch vor einer Zäsur. Die Frage, die sich nun stellt, lautet: Wie soll es weiter gehen? Darüber diskutierten die Bürgermeister der Mitgliedskommunen unlängst in nichtöffentlicher Sitzung.

Das Ergebnis war laut Vorsitzenden Iacob eindeutig: Der Verband macht weiter und will einen zweiten, rund 4,5 Hektar großen Bauabschnitt (B) südlich der B310 erwerben und erschließen. Die entsprechenden Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern sollen demnach aufgenommen werden bzw. werden bereits geführt. „Diese Flächen sind wir dabei, für den Zweckverband zu erwerben“, sagt Verbandschef Paul Iacob. „Wir sind in Gesprächen.“ 

Der Füssener Stadtrat hat jetzt seinen Beitrag dazu geleistet: Mehrheitlich stimmte das Gremium einem planungsrechtlichen Tausch im Gewerbegebiet mit dem ZVAL zu, um diesem eine künftige Erschließung der Flächen zu ermöglichen. Ein ursprünglich geplanter dritter Bauabschnitt (C) zwischen Kemptener Straße und A7 wird dagegen wegen der schlechten Bodenverhältnisse wohl nicht verwirklicht. „Ich bin da skeptisch, ob man das überhaupt umsetzen kann“, so der Verbandsvorsitzende.

Mehr als nur Gewerbe 

Allerdings, betont der Vorsitzende, gehe es beim ZVAL nicht nur um die Ausweisung neuer Gewerbegebiete. „Wir haben viele weitere Aufgaben!“ Dazu gehörten unter anderem der Tourismus, die Schaffung von Wohnraum, der Naturschutz oder auch der Ausbau des ÖPNV – also Themen, die alle Kommunen im südlichen Ostallgäu gleichermaßen betreffen. „Es gibt viele Themen, die wir noch anpacken müssen!“, betont Iacob. „Wir müssen jetzt Ideen sammeln.“ 

Tatsächlich hat der Verband sich auch in der Vergangenheit nicht nur mit der Ausweisung eines Gewerbegebiets beschäftigt. Das Trendsportzentrum in Nesselwang sowie ein Mobilfunkkonzept für die Mitgliedskommunen sind ebenfalls Verbandsprokjekte. Aufgelöst werden kann der ZVAL laut Iacob ohnehin nur durch einen einstimmigen Beschluss sämtlicher Mitglieder. Und danach sieht es derzeit nicht aus.

Matthias Matz

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