Streit um Erweiterung des "Hirsch" wird zur Posse

Ein steiniger Weg

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Das Hotel „Hirsch“ soll erweitert werden. Grundsätzlich ist dieses Vorhaben auch genehmigt. Wegen eines Streits um Parkplätze und Formalitäten geht aber nichts voran.

Füssen – Stillstand herrscht zur Zeit bei den Erweiterungsplänen des Hotel Hirsch. Während Planer und Hotel-Geschäftsführung die Stadtverwaltung am Zug sehen, wartet man im Bauamt noch auf Pläne des Hotels. Der Knackpunkt: Der nicht gesicherte Kanal, der in das Hotelgrundstück hineinragt, und der genaue Stellplatzbedarf.

Eigentlich wollte das Hotel mit den ersten Außenarbeiten nach Silvester anfangen, erklärt Geschäftsführer Harald Schwecke. Doch daraus wurde nichts. Der Bauausschuss hatte zwar Anfang Dezember sein grundsätzliches Einverständnis zu der Erweiterung erteilt. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Frage nach den Stellplätzen und dem Kanal geklärt werden sollte (der Kreisbote berichtete).

Doch dieses Gespräch kam bislang nie zu Stande. Den geplanten Termin am 20. Januar habe Bauamtsleiter Armin Angeringer einen Tag vorher abgesagt, beschwerte sich Planer und Architekt Magnus Peresson. Die Begründung: „Eine ganze Reihe Unterlagen fehlen“, so Angeringer. Zudem habe die Stadtverwaltung nachgereichte Pläne nicht mehr rechtzeitig prüfen können. Diese Schwierigkeiten hätte man jedoch bei diesem Gespräch klären können, ist sich Peresson sicher. Die notwendigen Unterlagen „wären vorbereitet gewesen.“

Knackpunkt des Projekts ist der über 100 Jahre alte städtische Kanal, der in das Hotelgrundstück hineinragt. Denn das Hotel kann die zusätzlichen Stellplätze, die die Erweiterung mit sich bringt, nur in einer Tiefgarage nachweisen. Doch diese würde den Kanal berühren und der ist „rein technisch nicht dafür konzipiert ein mehrstöckiges Gebäude zu tragen“, erklärte Angeringer. Doch: Der städtische Kanal ist „dinglich nicht gesichert“. Das bedeutet, dass er nicht im Grundbuch des privaten Grundstücks eingetragen ist – rein rechtlich dürfe er dort also gar nicht sein. Daraus ergibt sich eine Pattsituation zwischen Stadt und Hotel.

Monatelange Sperrung?

 Denn müsste der Kanal heraus, würde das der Stadt mehr als 500.000 Euro kosten, schätzt Angeringer. „Die Leitung muss an den Rand der Bundesstraße verlegt werden“, so der Bauamtsleiter. Eine monatelange Komplettsperrung der Bundesstraße wäre die Folge, was das städtische Verkehrsproblem wohl noch verstärken würde.

Eine Großbaustelle direkt vor der Haustüre wünscht sich allerdings auch Schwecke nicht. „Wir haben kein Interesse daran, dass der Kanal raus kommt“, so der Geschäftsführer. Schließlich wäre das für sein Haus geschäftsschädigend. „Wir möchten eine einvernehmliche Lösung.“

 Doch wie Peresson zweifelt er an der Gesprächsbereitschaft des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung. „Die Stadtverwaltung ist nicht wirklich lösung-, sondern problemorientiert“, meint er. Bei eingereichten Plänen fände sie „immer irgendwelche Formfehler oder mäkelt an Kleinigkeiten herum.“ Während man früher mit dem Stadtbaumeister die vorläufigen Pläne besprochen habe, müsse man jetzt die fertigen Unterlagen einreichen, damit die Stadtverwaltung sie prüfen könne, sagt Peresson. „Das schiebt sich ewig hinaus.“ Zumal er notwendige Unterlagen erst nach Ablauf der Frist von der Stadtverwaltung erhalten habe. „Das kann nicht sein. Sie stellen Ultimaten und halten sich selber nicht daran“, beschwerte sich der Architekt.

In der Stadtverwaltung sieht man diese Sache anders: Man habe kein Interesse daran, die Sache mit dem Kanal in der Schwebe zu lassen, so Bauamtsleiter Angeringer. „Wir wollen zur Klärung und Lösung beitragen.“ Die Unterstellung, „dass die Stadt nicht willens ist, ist nicht richtig“, meint auch Bürgermeister Iacob. „Wir behandeln jeden Bauwerber gleich neutral. Sie werden alle gleich fair behandelt.“

Es gebe jedoch bestimmte Vorgaben und die müssten eingehalten werden. „Die grundlegenden Informationen müssen beigebracht werden“, so Angeringer. Und diese Pläne brauche man ein paar Tage vorher. „Das funktioniert bei komplexen Bauprojekten nicht anders.“

Was ist mit den Bussen?

 Ein entscheidender Punkt sei hierbei der genaue Stellplatzbedarf, der derzeit fehlt. Und zwar unabhängig davon, wie und wo die Parkplätze genau auf dem Grundstück untergebracht werden können. In den Berechnungen seien auch noch nicht die Busgäste berücksichtigt, wie von der Stadtverwaltung gefordert. Busparkplätze nehmen schließlich Autoparkplätze weg, so der Bauamtsleiter.

Neueste Vermessungen haben nun ergeben, dass der Kanal nur rund zehn Meter in das Hotelgrundstück hineinragt und nicht durch das gesamte Areal verläuft, wie ursprünglich angenommen. Seit drei bis vier Wochen liegen diese Unterlagen der Stadtverwaltung vor, sagt Iacob. Die werden momentan intern ausgewertet. „Wenn wir die erforderlichen Angaben vom Bauwerber haben, können wir uns zusammensetzen.“

Lösung in Sicht?

 In diesem Punkt haben Schwecke und Peresson aber schon eine Lösung ins Auge gefasst: Das Hotel stimme einer Sicherung des Kanals zu, wenn die Stadtverwaltung im Gegenzug eine kleinere Tiefgarage genehmige und dem Hotel für weitere Stellplätze Fläche an der Schulhausstraße verkaufe. Dieser Deal habe das Hotel einst im Zuge der Planung des Theresienhofs ausgehandelt. Wegen Unstimmigkeiten in der Theresienstraße sei er am Ende allerdings geplatzt, so Schwecke. „Das ginge relativ einfach, wenn man nur willens ist das zu lösen.“

„Man darf das Eine nicht mit dem Anderen verknüpfen“, meint jedoch Iacob. „Wir fangen bei den Verhandlungen ganz unten an.“ Unterdessen hofft Schwecke, dass er zunächst zumindest den ersten Abschnitt der Erweiterung, einen Anbau nach Osten, umsetzen darf. Dafür seien noch keine zusätzlichen Stellplätze notwendig, so der Geschäftsführer. Einen entsprechenden Freiflächenplan und den Stellplatznachweis habe man eingereicht. „Ich hoffe, sie sagen ,ja´ dazu“, so Schwecke. Dadurch bekäme das Hotel „etwas Luft und Spielraum“. Durch die Verzögerung verstreiche Zeit, „die in der Saison fehlt.“

Katharina Knoll

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