Planungswettbewerb Busbahnhof: Stadt stellt Gewinner vor – Baubeginn 2021 wahrscheinlich

Die Gewinner beim Planungswettbewerb für Busbahnhof und Park stehen fest

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Der Sieger-Entwurf für den neuen ZOB sieht Dächer über den Bus-Haltestellen vor, die durch ihre asymmetrische Form an Berge, die Dächer Allgäuer Stadel sowie die Dachlandschaft der Füssener Altstadt erinnern.

Füssen – Das Thema Berge wird künftig den neuen Zentralen Omnibusbahnhof und den Von-Freyberg-Park prägen. Denn beim Planungswettbwerb für das Areal setzte sich der Entwurf der Lohrer Hochrein Landschaftsarchitekten und Stadtplaner aus München mit Löhle Neubauer Architekten aus Augsburg durch.

Ihre Arbeit überzeugte mit einer „strukturellen Klarheit und Präzision in der Durcharbeitung“ sowie einem „durchaus poetischen Ansatz und einem guten Gefühl für den Ort“, heißt es in der Begründung des Preisgerichts, das sich aus Architekten, Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Stadträten zusammensetzte. Das gab am Freitag die Stadtverwaltung Füssen bekannt. 

Der Gast müsse sich angekommen fühlen, wenn er in Füssen aus dem Zug steigt, erklärte Landschaftsarchitekt Axel Lohrer bei der Vorstellung seines Entwurf. Und deshalb müsse sein erster Eindruck vom Allgäu - Wiesen, tolle Berge und Bäume - bestätigt werden. „Euer Image ist das Wichtigste“, so Lohrer. „Mehr brauchts nicht.“ 

Und deshalb sehe sein Entwurf diese Sichtbeziehungen vom Busbahnhof Richtung Süden vor, durch die er eine Verbindung zum Park schafft. „Die Blicksituation ist relativ schnell da.“ So haben die Planer die Haltestellen etwas auseinandergezogen. An diesen Punkten werden auch die Dächer der Haltestellen und das Kassler Bord unterbrochen, so dass sich ein barrierefreier Zugang in den Park ergibt. Das sei „sehr, sehr gut gelungen“, erklärte Architekt Thomas Meusburger, einer der Fachpreisrichter. So werde eine „überzeugende Verbindung zwischen dem neuen Bahnhofsplatz und dem Von-Freyberg-Park hergestellt, zum anderen werden die beiden Bereiche aber in ihrer Eigenständigkeit betont“, meinte das Preisgericht dazu. 

Daneben bilde das Dach ein „markantes, identitätsstiftendes Tor zum Ort und gleichzeitig ein kräftiges Gegengewicht zum Bahnhofsgebäude.“ Bei diesem haben sich die Planer an den asymmetrischen Dächern Allgäuer Stadel orientiert, erklärte Architekt Rainer Löhle zum Entwurf. Da diese sich spiegeln, ergebe sich ein Spannungsfeld, das nicht nur an die Bergsilhouette erinnere, sondern auch an die Dachlandschaften der Füssener Altstadt. 

Diese Wirkung hänge allerdings stark vom Detail ab, wies das Preisgericht hin. Deshalb sei hier auf ein qualitätsvolles Arbeiten zu achten. Das geplante Dach über den Fahrradstellplätzen ergänze die Gesamtanlage, so das Preisgericht. Hier müssen die Planer allerdings noch den Zugang zu den Bahnanlagen berücksichtigen, genau wie bei den Privatparkplätzen im westlichen Teil des Busbahnhofs. 

Lässigkeit erhalten 

Das Bergthema haben die Planer auch bei der Gestaltung des Von-Freyberg-Parks aufgegriffen. „Der Park strahlt eine herrliche Lässigkeit aus. Wir lassen das“, erklärte Lohrer. Blühende Wiesen finden sich an den Rändern, während in der Mitte ein strapazierfähiger Rasen Platz zum Spielen bietet. Zudem ist ein flacher Bergsee geplant, den man im Winter zum Eisstockschießen nutzen oder für eine Aufstellungsfläche ablassen kann. 

„Der Park verspricht eine hohe Freiraum- und Aufenthaltsqualität“, heißt es dazu vom Preisgericht. Auch das geplante Material überzeugte die Jury. Zudem sei der Entwurf wirtschaftlich umzusetzen. „Das hat uns zwar nicht wesentlich gleitet. Ist aber ein positiver Nebeneffekt“, erklärte Meusburger. 

Nun gelte es die Kritikpunkte in den weiteren Planungen zu berücksichtigen. Mitte September soll aber erst einmal das Verhandlungsverfahren über die Bühne gehen, bevor Ende September die Auftragserteilung und die weiteren Planungen los gehen, erklärte Monika Beltinger vom Planungsbüro „LARS-consult“, die den Wettbewerb betreute. Zudem müssen auch noch die Stadträte die Pläne absegnen und Förderanträge gestellt werden. Bis die Bauarbeiten beginnen können werde es deshalb wohl noch bis 2021 dauern. 

Bisher ist der ZOB alles andere als eine gute Visitenkarte für die Stadt Füssen. Busse, die in zwei Reihen halten, Einheimische und Touristen, die im Regen auf ihren Bus warten müssen, und rissiger Asphalt prägen derzeit das Bild. Dabei sehen ihn die Besucher als erstes, wenn sie in der Lechstadt aus dem Zug steigen. Um das zu ändern, beschloss der Stadtrat im November 2017 einen Gestaltungswettbewerb für den ZOB und den angrenzenden Von-Freyberg-Park zu veranstalten. 

Geschichte beachten 

Im ersten Teil, dem sogenannten Realisierungswettbewerb, sollten die teilnehmenden Büros auf der Grundlage des Verkehrskonzepts des Planungsbüro Kölz, Entwürfe für den ZOB erarbeiten. Dabei ging es unter anderem um die Gestaltung der Überdachung, die Dimensionierung der Verkehrsflächen, den Umgang mit Licht sowie die Barrierefreiheit. 

Im zweiten Teil, dem Ideenwettbewerb, standen die Gestaltungsmöglichkeiten für den Von-Freyberg-Park im Fokus. Dieser sollte überarbeitet und aufgewertet werden, da er eine historische Bedeutung für die Stadt habe und vor allem durch seine Nähe zur Innenstadt für die Bürger wichtig sei, erklärte Meusburger. Hier sollten die Teilnehmer Konzepte für die Wege, die Aufenthaltsqualität, das Spielangebot und den Umgang mit dem Baumbestand erarbeiten. Außerdem galt es die unterschiedlichen Funktionsräume, sprich den Bahnhof, Busbahnhof und Park, gut miteinander zu verknüpfen. 

Zudem waren auf die gestalterische Qualität und die Materialien, die Dauerhaftigkeit und den Unterhalt zu achten. Schließlich soll der neue ZOB für die kommenden 30 bis 60 Jahre Bestand haben, wie Bürgermeister Paul Iacob (SPD) erklärte. Die Pläne für den ZOB sollten deshalb zukunftsweisend sein und den Ansprüchen der Fahrgäste und des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) genügen. Gleichzeitig sollten sie architektonisch in die Gegend passen. Das heißt: „Nicht zu experimentell. Die Gegend ist konservativ geprägt“, erklärte Iacob. 

Große Bandbreite 

Bei dem Wettbewerb gingen schließlich acht Arbeiten ein, die „eine große Bandbreite von Lösungsmöglichkeiten mit teils hohen freiraumplanerischen und architektonischen Qualitäten aufweisen“, so das Preisgericht. In mehreren Rundgängen bewertete das Preisgericht, bestehend aus Fachpreis- und Sachpreisrichter, anonym die eingereichten Entwürfe, bis schließlich nur noch drei übrig blieben. „Alle drei Modelle sind hochinteressant“, erklärte Bürgermeister Iacob. „Man muss auch einmal ein bisserl Mut haben. Ich bin stolz, was ausgewählt wurde und entsteht.“

kk

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