Werbegemeinschaft lädt zur Podiumsdiskussion

Wahlkampfauftakt in Füssen: "Wohnraum ist das soziale Thema"

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Auf Einladung der Werbegemeinschaft Füssen rund um den ersten Vorsitzenden Alexander Nikolaus Mayerhofer (links) stellen sich die Bürgermeisterkandidaten Erich Nieberle (SPD) (2.v.l.), Christine Fröhlich (FWF) und Maximilian Eichstetter (rechts) den Fragen der Gewerbetreibenden und Bürger. Durch die Veranstaltung führt Moderator Lars Peter Schwarz (Mitte).

Füssen – Vor allem das Thema Wohnraum brennt den Füssenern unter den Nägeln. Das wurde vergangene Woche bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten im Festspielhaus deutlich, als sich das Trio den Fragen aus dem Publikum stellte.

Gleich drei Mal zog Moderator Lars Peter Schwarz Fragen dazu aus der Box, in der die Anwesenden zuvor ihre Zettel geworfen hatten. Daneben wollten sie von den Kandidaten ihre Ansichten zum Naturschutz, Klimawandel, Insiderspekulationen im Stadtrat und zu örtlichen Gewerbebetrieben wissen. 

Wie wollen Sie Wohnraum schaffen, wenn keine Grundstücke zur Verfügung stehen? 

Zu diesem Thema hat sich die CSU bereits in ihrer Wohnraumoffensive Gedanken gemacht, erklärte Eichstetter. Eine Möglichkeit wäre, die vorsichtige Nachverdichtung in den Ortsteilen, so der CSU-Ortsvorsitzende. Als Beispiel nannte er den Discounter Aldi, der zwei Stockwerke zusätzlich bauen durfte, um Wohnraum für Familien zu schaffen. Außerdem müsse die Stadt ihre sanierungsbedürftigen Liegenschaften angehen. 

Auch die 1640 Zweitwohnsitze in Füssen sollten stärker reguliert werden. Doch hier müsste man zwischen Zweitwohnsitzen und Zweitwohnungen unterscheiden, wandte Fröhlich ein. Und Letztere würden sich auf „nur“ 1250 belaufen. Diese zu regulieren, sei jedoch gar nicht so einfach. Das könne die Stadt weder mit der Zweckentfremdungssatzung noch mit der Satzung, die die Stadt gerade für Bad Faulenbach erlasse. Diese sei nur für reine Fremdenverkehrsgebiete zulässig. 

„Wir müssen versuchen, die Ferienwohnungen etwas einzudämmen“, appellierte dagegen Fröhlich. Das müsse die Stadt langfristig über die Bauleitplanung steuern. „Natürlich ist die Stadt gefordert bei ihren eigenen Grundstück Wohnraum zu schaffen und zwar bezahlbaren Wohnraum.“ 

„Wohnraumschaffen ist das soziale Thema, das die gesamte Stadtentwicklung betrifft“, betonte erneut Nieberle. Deshalb möchte der SPD-Bürgermeisterkandidat einen Gesamtplan für die Stadt erstellen, um herauszufinden, wo man Wohnraum schaffen könne. Daneben brauche Füssen eine Zweckentfremdungssatzung, müsse nachverdichten und wo es möglich sei, ihr Vorkaufsrecht ziehen, um die Stadt besser entwickeln zu können. 

Wie wollen Sie Gewerbebetriebe halten, die schon vor Ort sind? 

Hier setzen Fröhlich und Eichstetter auf Kommunikation mit den Unternehmen. Außerdem seien Standortqualitäten (Fröhlich) und eine gute Infrastruktur (Nieberle) wichtig. Alle drei waren sich jedoch einig, dass bezahlbarer Wohnraum ganz entscheidend sei. „Die Unternehmen halten wir nur über partnerschaftliche Zusammenarbeit“, ist Eichstetter überzeugt. „Das größte Thema, bei dem die Geschäftsführer auf uns zukommen, ist: Wir brauchen Wohnraum für unsere Mitarbeiter.“ Und der müsse groß genug für eine ganze Familie sein.

Mehr Bildung

Dafür könnte Füssen eine eigene Wohnbaugenossenschaft gründen, erklärte Nieberle. Entscheidend ist für ihn auch das neue Quartier Füssen-Nord. Daneben müssten aber auch die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen an die Arbeitszeiten angepasst werden, fordert er. „Die Bildung sollte nicht vernachlässigt werden“, meinte zudem Fröhlich. 

Deshalb möchte sie eine Altenpflegefachschule nach Füssen holen. Welcher Stellenwert hat der Naturschutz für Sie? Was haben Sie vor, um die Stadt fit zu machen für die Klimaveränderung? Einig waren sich Fröhlich, Nieberle und Eichstetter, dass die Themen Naturschutz und Ökologie ganz wichtig seien. 

Um Füssen fit für die Klimaveränderung zu machen, sollte man stärker auf Nachhaltigkeit setzen. „Nachhaltigkeit sollten wir in allen Themen berücksichtigen“, meinte Eichstetter. Die Stadtverwaltung sollte beispielsweise bei ihren Sanierungen als gutes Beispiel vorangehen. „Wir sollten unsere Öko-Bioregion noch weiter ausbauen“, und den Fokus stärker auf selbst verarbeitete Produkte legen, so der CSU-Bürgermeisterkandidat. Da es derzeit extrem schwer sei plastikfrei einzukaufen, müsste man auf die regionalen Händler intensiver eingehen. 

Dem stimmte Nieberle zu. Was die Stadt jedoch sofort tun müsse: „Klimaveränderungen bringen in erster Linie Veränderungen im Bauen mit sich“, sagte der SPD-Bürgermeisterkandidat. Das reiche vom richtigen Heizen bis zum klimaneutralen Bauen. Das müsse sich im Stadtentwicklungskonzept wiederfinden, aber schon bei jetzigen Bauprojekten berücksichtigt werden. 

Ziel: sanfter Tourismus

Für einen sanften Tourismus sprach sich zudem Fröhlich aus. So sollte die Stadt weniger in Skigebiete investieren und auf einen Tourismus hinwirken, der auch ohne auskomme. Zudem sollte man weniger Energie und wenn die richtige Energie verbrauchen. Da gebe es verschiedene Angebote des Landkreises, in denen die Stadt sich einklinken könnte – sei es bei der Wasserstofftechnologie, dem ÖPNV, dem CO2-Abdruck des Rathauses oder seine E-Mobilität. „Da gibt es einiges, was man tun kann.“ 

Wie wollen Sie Insiderspekulationen von Stadträten vermeiden? 

Diese Frage löste beim Publikum Gelächter aus. „Ich sehe da nicht so groß das Problem. Das wird den Stadträten immer unterstellt“, sagte Fröhlich als amtierende Stadträtin. Natürlich habe jedes Ratsmitglied eigene Interessen, aber die würden bei der Stadtratsarbeit hinten angestellt. 

Sie selbst sei finanziell unabhängig, habe weder Grundstücke noch Wohnungen oder einen Arbeitgeber, dem sie gefallen müsse. „Natürlich wissen Stadträte mehr als andere, aber ich bin überzeugt davon, dass sie alle zum Wohle der Stadt entscheiden werden.“ 

Dieser Ansicht waren auch Nieberle und Eichstetter. „Da tue ich mir ein bisserl leichter, weil ich von außen komme und nicht weiß, wer damit angesprochen ist“, erklärte Nieberle. Er gehe aber davon aus, dass sich nach der Wahl viele neue Gesichter im Gremium vertreten sein werden, die ihre Eigeninteressen zurückstellen und zum Wohle aller entscheiden werden. 

Zudem seien Stadträte gewählte Vertreter des Volkes und als solche müsse man davon ausgehen, dass sie dessen Interessen auch vertreten, so Eichstetter. „Prinzipiell erwarte ich ein Vertrauen gegenüber den Stadträten.“ Die Zeiten von Freundschaftsdiensten seien vorbei.

kk

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