Wandern im Hochrisikogebiet

Wie steht es um die Wanderwege rund um Schwangau?

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Hinweisschilder warnen im Schwanseepark davor, dass eventuell Geröll von oben kommen kann.

Schwangau – Die Gemeinde Schwangau hat 120 Kilometer Wanderwege, teils im hochalpinen Gelände, zum Teil in Parks und an den zahlreichen Seen. Sie alle müssen instand gehalten werden.

Hannes Bruckdorfer ist dafür im gemeindlichen Bauhof zuständig, im Gemeinderat gab er vergangene Woche einen Überblick über Zustand und die für heuer anstehenden Baumaßnahmen an den Wegen. Zur Sprache kam auch die Problematik, dass die Wege und das Umfeld überwacht und auch gesperrt werden müssen, wenn es – wie beispielsweise am Schwansee – zu einem Felssturz kommt. 

Die Problematik, um die es geht, liest sich im Beamtendeutsch auf der Gefahrenhinweiskarte des Landesamtes für Umwelt LfU verniedlichend so: „Gefahrenbereich für Stein- und Blockschlag mit und ohne Walddämpfung.“ Im Gelände sieht es dann aber tatsächlich so aus, dass sich schon mal ein halb mannshoher Brocken aus dem Steilhang löst und mehr oder weniger ungebremst – das hängt von der Walddämpfung ab – nach unten auf den Spazier- und Wanderweg donnert, der rund um den kleinen See führt. 

Im Umwelt-Atlas des LfU aber leuchtet nicht nur das Gebiet um den Schwansee in roten Warntönen – nahezu das gesamte Ammergebirge ist von Rutschungen, Stein- oder Blockschlagereignisse oder Felsstürzen betroffen. Mal mehr, mal weniger gedämpft durch Bäume, der die größten Blöcke abbremsen kann.

 Wer das Gemeindegebiet Schwangaus kennt, weiß auch um die Areale, die nicht nur in der Vergangenheit betroffen waren: die Hänge unterhalb Schloss Neuschwansteins, die Pöllatschlucht und weitere Areale. Ausgenommen von diesen Risikozonen sind nur die Täler und Verebnungen im Gebirge und das Alpenvorland, so hier keine Steilhänge sind. So liegen fast alle Wanderwege Schwangaus, die im alpinen Gelände angelegt sind, im Gefahrenbereich. 

Neue Wege

Während die Pöllatschlucht deshalb nun schon das dritte Jahr in Folge für die Öffentlichkeit gesperrt ist, will die Kommune im Schwanseepark neue Wege beschreiten. Hatte ein Geoingenieurbüro nach dem Felssturz vom Februar in seiner Risikobewertung geraten, die Felswände mit Netzen und Felsankern zu sichern und auch einen Schutzzaun unterhalb des Steilhanges aufzustellen, sieht Bürgermeister Stefan Rinke in diesen Maßnahmen einen „gewaltigen Eingriff“. 

Einen solchen würde man üblicherweise nur für die Sicherung von Gebäuden und Straßen vornehmen. Diese steil aufgestellten Gesteinsschichten seien aber typisch für den alpinen Bereich. Und ein Stein- oder Blockschlag (damit wird die Größenordnung angegeben) müssten auf solchen Wanderwegen einkalkuliert werden, ist Rinke überzeugt. Entsprechende Ereignisse seien nur mit einem beträchtlichem Eingriff in die Natur zu verhindern. 

So ist etwa die Tirolerstraße auf Höhe des Lechfalls mit Netzen gesichert und im hochalpinen Gelände gibt es stählerne Dreibeine und ähnliches für Skiabfahrten und Lifte. Das sei aber zu aufwendig und nicht passend für den Schwansee. Deshalb schlägt Rinke, in Abstimmung mit seiner Verwaltung und nach dem Besuch eines entsprechenden Seminars, das Gelände mindestens einmal jährlich zu begehen und von losem Material zu räumen. Blöcke, die sich lösen könnten, sollen dagegen gezielt zum Absturz gebracht werden. Darüber hinaus soll der Waldbestand unbedingt erhalten werden. 

Kein Verbot

Diese Erkenntnis hat der Bürgermeister in einem Seminar zu Georisiken gewonnen, in dem Ingenieurbüros, Geologen und Vertreter der Staatsregierung anwesend waren. Schlussfolgerung: Kommt es zu einem Ereignis, steht die Kommune allein da. Es gebe zwar die Risikoeinschätzungen, adäquate Lösungen aber nicht, da niemand die Verantwortung übernehmen möchte. So müssten gefährdete Plätze oder Wege entweder teuer baulich geschützt werden oder der Zugang dorthin unterbunden werden – im Bereich Schwangau so oder so undenkbar. 

Stelle man nun noch Hinweisschilder genüge die Verwaltung der Verkehrssicherungspflicht, ist Rinke überzeugt. Das verbleibende Risiko müsse der Nutzer aufgrund der Lage des Weges im alpinen Gelände hinnehmen, heißt es in der Begründung, die die Ratsmitglieder nach einiger Diskussion, absegneten. 

Allerdings gibt es ein Urteil des BGH, das die Rechte der Eigentümer stärkt. Denn dort heißt es, dass „für allein von Naturkräften ausgelöste Schäden der Eigentümer nicht verantwortlich gemacht werden kann“. Und weiter: „Der Eigentümer ist nur dann haftbar, wenn z. B. ein Felssturz durch von Menschenhand vorgenommene Veränderungen des Hanggrundstücks, zum Beispiel durch die wirtschaftliche Nutzung wie eine Baumentnahme, verursacht wurde“. 

Bei den demnächst wieder beginnenden Baumaßnahmen in der Pöllatschlucht soll diesen Grundsätzen Rechnung getragen werden. Dabei soll nun der Weg durch die Schlucht wieder instand gesetzt werden, so dass zum Sommer hin die Schlucht wohl wieder eröffnen werde können, so Rinke. Allerdings wollte er sich zeitlich nicht genauer festlegen.

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