Blitzmarathon 2017 im südlichen Ostallgäu - Spitzenreiter mit 39 km/h zu viel

"Wir wollen die richtigen Raser erwischen"

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Polizeihauptmeister Martin Hämmerle und Polizeimeisterin Sarah Borghesi kontrollieren während des Blitzmarathons den Verkehr an der Tiefentalbrücke bei Rieden am Forggensee.

Füssen – Sarah Borghesi blickt durchs Fernrohr, nimmt den dunklen Kombi ins Visier und drückt ab: 105 km/h im 70er-Bereich. Eindeutig zu schnell.

Auf Raser vor allem auf Landstraßen hatte es am Mittwoch die Polizeiinspektion (PI) Füssen beim fünften Bayerischen Blitzmarathon abgesehen. Mit ihrem Handlaser stand die Polizeimeisterin und ihre Kollegen an drei sogenannten Unfallhäufungspunkten im Dienstbereich der PI Füssen. Das Ziel: „Wir wollen das Problembewusstsein der Autofahrer für zu hohe Geschwindigkeiten schärfen“, erklärt Polizeichef Edmund Martin. 

Denn 2016 gingen rund ein Drittel aller tödlichen Verkehrsunfälle auf Raser zurück. Ähnliches gilt auch für den Dienstbereich der PI Füssen: Von den vier Menschen, die 2016 bei Verkehrsunfällen starben, sei einer aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit verunglückt, erklärt Martin. Nicht weit vom Kontrollpunkt an der Tiefentalbrücke entfernt kam es damals zum tödlichen Unfall des Motorradfahrers. 

Als Verkehrssachbearbeiter bei der PI Füssen ist Thomas Meiler für die Auswertung der Unfallstatistiken zuständig. Für den Blitzmarathon habe sich die PI an Stellen positioniert, an denen „mehr als sonst üblich passiert“, so Meiler. Doch „heute wird es nicht die große Raserei sein“, vermutet Martin. Denn den Blitzmarathon mit den genauen Messstellen hat die Polizei angekündigt, schließlich gehe es nicht darum die Einnahmen mit den Bußgeldern aufzubessern, so Martin. „Ziel unserer Aktion ist, bewusst den Fuß vom Gas zu nehmen, am besten dauerhaft.“ 

Und die Polizei habe bisher gute Erfahrungen mit den Bliztmarathons gemacht. Ein anderer Grund: Das Wetter lädt mit zum Teil dichtem Schneefall und nassen Straßen nicht gerade zum Rasen ein. „Zwischen sechs und neun Uhr war zum Glück nichts“, so Meiler. „Es hat ziemlich stark geschneit.“ Der Spitzenreiter fuhr da mit 89 km/h über die Brücke. „Wir fangen erst ab 89 km/h an (mit dem Herausziehen – Anmerk. d. Rd.)“, erklärt Polizeihauptmeister Martin Hämmerle. 

Nach Abzug der Toleranz liege diese Überschreitung noch im Bereich einer Verwarnung. „Wir wollen die richtigen Raser erwischen“, sagt Meiler. Wenn sich die Polizei mit lauter Minimalverstößen beschäftige, rutsche ihr die wirklichen Raser durch, so Hämmerle. So darf auch der Lkw-Fahrer, der mit 76 km/h unterwegs ist, weiterfahren.

Doch sind richtige Raser überhaupt erziehbar? „Wenn´s weh tut schon“, meint Meiler. Und da sei es besser, wenn man mit dem Handlaser direkt von der Polizei erwischt und angehalten werde, als wenn erst nach Wochen der Bußgeldbescheid mit Blitzerfoto komme. „Da ist die Einsicht größer“, ist Meiler überzeugt. Und dann könne die Polizei auch gleich noch den Fahrer, Beifahrer und das Auto etwas genauer unter die Lupe nehmen. 

Kurz darauf zückt Hämmerle auch schon die Kelle und hält den nächsten Autofahrer an. Der ist mit 105 km/h unterwegs, mehr als 20 km/h über dem Tempolimit und kassiert damit die erste Anzeige des Tages. Nach einem Blick auf den Handlaser sieht der Urlauber ein, dass er zu schnell war.

Die Folge: Neben der Anzeige, ein Bußgeld von 120 Euro und einen Punkt in Flensburg. „Er war in Gedanken und hat die 70er-Schilder nicht gesehen“, erklärt Hämmerle. Da er nicht aus Bayern kommt, wusste er nichts vom Blitzmarathon. „Er hat´s relativ locker genommen“ und sich noch nach Sehenswürdigkeiten erkundigt. Wenn der Kontrollierte am Ende lacht, „dann hat man alles richtig gemacht“, so Hämmerle. „Es gibt wenige, die sich richtig aufregen“, weiß der Polizeihauptmeister. „Die meisten sehens ein“, meint auch Meiler. 

Doch gelegentlich geht es doch einmal vor Gericht. Deshalb werde der Handlaser einmal im Jahr geeicht und vor und nach der Messung getestet, so Borghesi. Mit einer Reichweite von 30 bis 1000 Metern, einer Messzeit von 0,4 bis einer Sekunde und 5000 Einzelmessungen, aus denen ein Mittelwert errechnet werde, sei er ziemlich genau, sagt Hämmerle. 

Das Jahresziel der PI sei es den Handlaser mindestens 30 Minuten am Tag im Einsatz zu haben, erklärt Martin. Derzeit sei man bei einer Stunde pro Tag, ein „recht respektables“ Ergebnis, so der Polizeichef. Wenn sie mal keinen erwischen, „sind wir auch froh“, sagt Hämmerle. Aber: „Es ist wichtig, dass man uns sieht“, so Martin.

Katharina Knoll

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