208 Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz

Corona-Krise: Polizei verstärkt Kontrollen in der Region Füssen

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Symbolbild

Füssen – 482 Personen kontrollierten die Füssener und Pfrontener Polizisten mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei im Verlauf des vergangenen Wochenendes. Am Samstag stellten die Beamten 45 Verstöße im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes fest, am Sonntag waren es mit 163 mehr als dreimal so viele. Bis auf acht der kontrollierten Fälle, kamen die Personen mit einer einfachen, mündlichen Ahndung davon. In den anderen Fällen stellten die Polizisten eine Anzeige.

Die Sperrungen der Parkplätze zeigten Wirkung, einzelne Verstöße, vor allem von auswärtigen Autofahrern, kamen ebenfalls vermehrt am Sonntag vor. Sehr viele Menschen nutzten das gute Wetter zum Radfahren. Für die Bergwacht war das Wochenende arbeitsintensiv. Es endete mit drei schweren Bergunfällen, bei einem war ein Kind mit betroffen, einer davon forderte sogar ein Todesopfer.

Die Ansage von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war deutlich. Außer kurzen Sport-Einheiten, alleine oder mit der Familie, gilt es zu Hause zu bleiben. Dazu gehört auch der Verzicht auf Wanderungen und Bergtouren. Die Stadt Füssen entschloss sich deshalb vergangene Woche, die vielen beliebten und stark frequentierten Wanderparkplätze sowie die Wanderwege rund um Füssen zu sperren. Auch die Gemeinde Schwangau sperrte bereits zum 1. April ihre alpinen Wanderwege.

Die Sperrung der öffentlichen Parkplätze, vor allem die gerne genutzten Wander- und Radwanderparkplätze am Alatsee, am Weißensee, am Mittersee, am Hopfensee sowie am Bootshafen am Forggensee, habe „jedoch ihre Wirkung gezeigt“, so Martin. Insgesamt habe es im Bereich der Altlandkreis Füssen „relativ“ wenig Ausflugsverkehr mit dem Auto gegeben. Dahingegen sei eine starke Zunahme der Freizeitradler zu verzeichnen. So waren am Samstag noch hauptsächlich einheimische Ausflügler unterwegs, die „freundlich aber bestimmend auf die Allgemeinverfügung hingewiesen wurden“, sagte der Polizeichef. Das Aufkommen von Falschparkern habe sich in Grenzen gehalten. Was dabei rechtlich geahndet werden konnte, sei verwarnt worden. Bei den kontrollierten Autos handelte es sich nach Angaben des Polizeichefs um welche aus dem Landkreis, teilweise auch aus dem Allgäuer Raum und wenige aus anderen Bundesländern.

Verständnisvoll und zuvorkommend

Insgesamt kontrollierten die Beamten am Samstag bis am späten Nachmittag 135 Personen. 45 Verstöße nach dem Infektionsschutzgesetz registrierten sie dabei, die jeweils mit einer einfachen mündlichen Ahndung davon kamen. Denn, das überwiegende Bild, das Polizei und weitere Einsatzkräfte erfuhren, seien verständnisvolle und entgegenkommende Reaktionen gewesen.

Am Sonntag zeigte sich bereits mittags ab, dass sehr viel mehr Menschen die entsprechenden Hotspots anpeilen werden. „Im Laufe des Nachmittags wurde diese Prognose deutlich übertroffen“, berichtete Polizeichef Martin. Dabei waren es deutlich mehr „Auswärtige“. Merklich viele Autos, etwa zwei Drittel wie Martin angab, mit auswärtiger Zulassung, fuhren und parkten im Füssener Raum. Und während die einheimische Bevölkerung überdurchschnittliches Verständnis an den Tag legte, zeigten auswärtige Besucher, bei denen es sich hin und wieder „angeblich“ um Bekannte oder Verwandte der hiesigen Bevölkerung handelte, wenig Verständnis. Sie hätten teilweise mit Spott auf die Belehrungen der Einsatzkräfte reagiert, so der Bericht des Polizeioberrats. Von den 347 kontrollierten Fußgänger waren über ein Drittel aus anderen Landkreisen und Städten. Von 163 festgestellten Verstößen wurden 155 im Gespräch „einfach geahndet“, acht Anzeigen stellten die Ordnungshüter im Verlauf des Tages. Auch stieg die Anzahl der Fahrradfahrer an den bekannten Radwegen im Dienstbereich der Füssener Polizeistation „enorm“ an.

Überwiegend Autos von Auswärtigen

Größtenteils nicht abgesperrt waren kleinere Parkplätze und Parkstreifen. Sie dienen als „Ausweichparkplätze“, wie Martin erläuterte. Einige, die die Sperrungen der Hotspot-Parkmöglichkeiten zwar akzeptierten, jedoch beim Parken in Seitenstraßen gegen die Straßenverkehrsordnung verstießen, erhielten eine dementsprechende Anzeige. So auch die Parkenden in Landschaftschutzgebieten. Vereinzelt hoben Parkplatzsuchende sogar die Absperrbarken auf die Seite und stellten ihr Auto auf gesperrte Parkplätze. „Bei den genannten Feststellungen, handelte es sich überwiegend um Pkw´s mit auswärtigen Zulassungen, teilweise auch aus dem regionalen Bereich, sowie Teilen von Bayern und merklich mehr als am Vortag, aus anderen Bundesländern,“ sagte Martin.

Einsatzintensive Bergunfälle

Trotz des Appells von Polizei und Bergwacht, machten sich einige Menschen zu alpinen Bergtouren auf, auch Skitourengeher und Kletterer tummelten sich in den Bergen. Vergangenes Wochenende endete dies mit drei schweren Bergunfällen. Trotz „geschlossenem Alpingelände in Schwangau“, wie Martin bemerkte. So ereignete sich ein tödlicher Bergunfall am Samstagabend am Pilgerschrofen. Dort stürzte ein 67-jähriger Mann aus Friedberg 150 Meter tief.

Am frühen Sonntagnachmittag fiel ein 27-jähriger Einheimischer im Bereich Tegelberg/Schnepfling bei Schwangau beim Klettern etwa 15 Meter in die Tiefe. Er musste schwer verletzt durch einen Rettungshubschreiber in ein Klinikum verbracht werden. Im Einsatz war die Bergwacht Füssen und die Alpine Einsatzgruppe der Polizei. Verstöße gegen die Rechtsverordnung zum Infektionsschutz lagen hierbei nicht vor.

„Gefährdung Kindswohl“

Ebenfalls am Säuling kam es beinahe zu einem weiteren tragischen Unglück. Ein 49-Jähriger aus Bruchsal kletterte mit seinem 12-jährigen Sohn in der Nordwand des Säuling und kam nicht mehr weiter. Sie stürzten ab und rutschten circa 200 Meter ein Schneefeld hinab. Vor einer Abbruchkante kamen die beiden gerade noch zum Stillstand. Beide wurden mit Schürfwunden, Platzwunden und Gesichtsverletzungen nur leicht verletzt. Der Junge erlitt jedoch eine massive Unterkühlung. Vater und Sohn „hatten einen sehr großen Schutzengel“, sagte Martin. Sie hätten tot sein können. Der Vater erhielt entsprechende Anzeigen, unter anderem wegen der „Gefährdung Kindswohl“, Körperverletzung, und einem Verstoß nach dem Infektionsschutz.

Die Polizei appelliert nochmals an alle Bürger, gefahrgeneigte Sportarten im Hinblick auf die Krankenhauskapazitäten und aus Rücksicht auf die Rettungskräfte zu vermeiden. So bittet die Bergwacht Füssen mit den Worten „Helft mit - bleibt‘s dahoam!“ ebenfalls darum, die Rettungskräfte und das Krankenhauspersonal nicht unnötig zu gefährden und zu belasten.

sh

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