Polizeipräsident Strößner gibt Pressekonferenz

Kriminalität im Allgäu: "So sicher wie noch nie"

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Polizeipräsident Werner Strößner bei der Vorstellung der Kriminalstatistik.

Allgäu – Das Allgäu gehört weiterhin zu den sichersten Regionen Deutschlands. Das zeigt die Kriminalstatistik 2019 des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, die am Freitag Polizeipräsident Werner Strößner und Kriminaldirektor Michael Haber vorgestellt haben.

Das Präsidium verzeichnete vergangenes Jahr in ihrem Dienstbereich 38.771 Straftaten, 8,9 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Davon haben die Beamten so viele aufgeklärt wie noch nie zuvor. Ihre Aufklärungsquote liegt demnach bei 72,2 Prozent. „Zwischen den Allgäuer Alpen und der Donau leben die Menschen – statistisch gesehen – so sicher wie noch nie seit der Gründung des neuen Polizeipräsidiums 2008“, sagte Strößner.

Im vergangenen Jahr registrierte das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West 38.771 Straftaten. Im Vergleich zu 2018 gingen diese um 8,2 Prozent zurück. Werden sie um die Taten bereinigt, die nur Ausländer begehen können wie Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylgesetz, sind es 35.549 Delikte, 8,9 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Die Häufigkeitszahl (HZ) ist der Gradmesser für die Sicherheitslage einer Region. Sie umfasst die bekannten Straftaten pro 100.000 Einwohner und zeigt damit, wie groß die Gefahr ist, Opfer einer Straftat zu werden. Damit kann man verschiedene Regionen miteinander vergleichen. Im Schutzbereich des Polizeipräsidiums verringerte sie sich zum Vorjahr um neun Prozent. 

Sie liegt unbereinigt bei 3964 (bereinigt 3635). Der im Bundesvergleich gute Wert Bayerns beträgt 4615 (bereinigt 4343). „Das Risiko, in Schwaben Süd/West Opfer einer Straftat zu werden, ist damit als vergleichsweise niedrig

anzusehen“, erklärte Polizeipräsident Strößner. 

Hohe Aufklärungsquote

Die Aufklärungsquote gibt die Ermittlungserfolge der Polizeibeamten wieder. 

Diese klärten im vergangenen Jahr so viele Strafen wie noch nie zuvor auf. Ihre Aufklärungsquote liegt bei 72,2 Prozent. Der Trend geht seit 2011 anhaltend nach oben (Bayern 2019: 67 Prozent, Bund 2018: 57,7 Prozent). „Professionelle Ermittlungsarbeit und Hinweise aus der Bevölkerung tragen maßgeblich zu einer hohen Anzahl von Täterermittlungen bei“, sagte der Polizeipräsident. 

Anschließend blickte er auf das Thema Callcenterbetrug, das in den vergangenen Jahren stetig zugenommen habe. Organisierte Banden rufen überwiegend aus Callcentern aus dem Ausland bei potentiellen Betrugsopfern an und versuchen, diesen Geld und Wertgegenstände zu entlocken. Die Täter geben sich dabei meist als Polizeibeamte oder auch Verwandte der Angerufenen aus, die sich in einer angeblichen Notlage befinden. Oft werden den Opfern auch Geld- oder Sachgewinne versprochen.

Die beliebteste Betrugsmasche sei jedoch der „Falsche Polizeibeamte”. Hier stiegen die Fallzahlen 2017 (243 Fälle) rasant an. 2018 registrierte die Polizei schon 1340 Fällen. Im Jahr 2019 waren es 1950 Fälle. Der entstandene Schaden sei seit 2017 aber rückläufig und betrug im vergangenen Jahr 232.000 Euro. 

Damit halbierte sich etwa der Schaden im Vergleich zu 2018. „Falsche Polizeibeamte beschäftigen die richtige Polizei nach wie vor. Wenngleich die Präventionsarbeit offenbar greift und der Beuteschaden dadurch deutlich zurückgegangen ist, sind die Fallzahlen nochmal angestiegen. Das Thema muss in der Öffentlichkeit weiterhin präsent bleiben“, so der Polizeipräsident.

In solchen Fällen rufen organisierte Banden Senioren an und geben sich im akzentfreien Deutsch als Kriminalbeamte aus. Dabei manipulieren sie zudem den Telefondisplay, der die Rufnummer 110 anzeigt, um ihre Glaubwürdigkeit zu untermauern. Die falschen Polizisten geben an, Geld, Schmuck und ähnliches in Sicherheit zu bringen, da gegen einen unzuverlässigen Mitarbeiter der Hausbank ein Ermittlungsverfahren läuft oder beim Angerufenen ein Einbruch unmittelbar bevor stehe. 

In nicht wenigen Fällen werden die Senioren dadurch um ihre gesamten Ersparnisse und Wertgegenstände und an den Rand des Ruins gebracht. 

Weniger Einbrüche

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist dagegen sowohl bayernweit als auch im Bereich des Präsidiums zurückgegangen. 273 Fälle verzeichneten die Beamten 2019. Ein Jahr zuvor waren es noch 360 Fälle. Das ist ein Rückgang von 24,5 Prozent. Die Fallzahlen fielen damit zum zweiten Mal in Folge. Bei nahezu der Hälfte aller Fälle blieb es beim Versuch. 

Kriminaldirektor Michael Haber erklärte die Entwicklungen in den einzelnen Deliktsbereichen. Dabei ging er vor allem auf die Themen Gewaltkriminalität, Straßenkriminalität und Internetkriminalität ein. Unter dem Begriff Gewaltkriminalität fasst die Polizei unter anderem Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub sowie schwere und gefährliche Körperverletzung zusammen. 

Nachdem dieser Bereich vier Jahre in Folge angestiegen ist, registrierte das Präsidium jetzt einen Rückgang um 10,4 Prozent. Alkohol spielt demnach bei der Gewaltkriminalität eine große Rolle. „Jeder dritte Gewalttäter war alkoholisiert“, so Haber. 

Die Polizei könne jedoch vier von fünf Gewaltdelikten aufklären, auch weil sich Täter und Opfer oft kennen. Delikte, die in der Öffentlichkeit stattfinden, sind statistisch unter Straßenkriminalität zusammengefasst. Hierzu zählen unter anderem Sachbeschädigung, Diebstahl, Körperverletzung und Raub.

Im Zehn-Jahresvergleich sind die Fallzahlen nach Angaben der Beamten rückläufig und um 24 Prozent gesunken. Haber erklärte: „Das Risiko, Opfer einer Straftat in der Öffentlichkeit zu werden ist –statistisch gesehen – im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West besonders gering.“

Stark angestiegen, um 18,1 Prozent sind dagegen die Straftaten, die übers Internet begangen werden (2019: 1005 Fälle). „Die Kriminalität verlagert sich zunehmend von der Straße in die digitale Welt“, resümiert der Kriminaldirektor. 

Auch bei den Sexualdelikten spiele das Internet und digitale Medien eine große Rolle. Während die Sexualdelikte insgesamt um 12,4 Prozent abnahmen, registrierten die Beamten eine Zunahme um 36,1 Prozent bei der Verbreitung von pornografischen Schriften (2019: 162 Fälle), beispielsweise über digitale Medien wie Messangerdienste.

kb

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