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Polizeiuniform statt Wettkampfanzug: Biathlet Philipp Nawrath verrichtet seine Dienst bei der Polizei Füssen

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Von: Katharina Knoll

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Philipp Nawrath im Polizeiwagen
Polizeikelle, Funkgerät und Streifenwagen gehören derzeit zum Alltag von Philipp Nawrath. © Knoll

Füssen – Nach dem Weltcup-Finale in Oslo hat Biathlet Philipp Nawrath erst einmal die Langlaufskier in die Ecke gestellt und stattdessen die Polizeiuniform übergestreift. Denn aktuell schiebt er Dienst bei der Polizeiinspektion Füssen (PI). 

Schutzsichere Weste, blaue Uniform und Funkgerät an der Jacke: So öffnet der Biathlet vom Skiklub Nesselwang die Tür der Polizeiinspektion Füssen, wo er derzeit seinen Dienst verrichtet. Ein Einsatz habe ihn aufgehalten, entschuldigt er sich. Der 29-Jährige ist nämlich nicht nur Profisportler, sondern auch Polizist.

Nawrath gehörte zum zweiten Jahrgang der Sportler, die im Zuge der Spitzenförderung der Bayerischen Landespolizei in Ainring eine duale Ausbildung absolvierten. Vier Monate Lehrgänge und Polizeiarbeit standen acht Monaten Training- und Wettkampfzeit gegenüber – und das fünf Jahre lang.

Seit seinem Abschluss 2019 kann sich der Allgäuer voll auf den Sport konzentrieren. Einmal im Jahr steht für den Polizeiobermeister aber eine einmonatige Hospitation bei der Polizei an. Während er diese bisher in Traunstein oder Augsburg ableistete, verschlug es ihn dieses Mal zurück in die alte Heimat.

Statt wie andere Sportler erst einmal Urlaub zu machen, ging für Nawrath kurz nach dem Weltcup-Finale in Oslo gleich der Dienst bei der PI Füssen los. Hier arbeitet der Nesselwanger nun ganz normal im Einzelschichtdienst mit.

Bekanntes Terrain

„Es ist eine schöne Dienststelle“, sagt Nawrath. In der Gegend kennt er sich gut aus, schließlich besuchte er als Jugendlicher die nur wenige Meter entfernte Realschule. Und doch ist der Dienstbereich aus polizeilicher Sicht neu – auch wenn die Abläufe ziemlich gleich seien. Sein erster Blaulichteinsatz führte ihn zu einer Spielothek, wo eine Person bedroht worden war. Auch beim Blitzmarathon war er im Einsatz. In Nesselwang und an der Tiefentalbrücke bei Roßhaupten half er den Kollegen und winkte die Autos kurz nach der Kontrollstelle aus dem fließenden Verkehr. „Gleich die Erste, die ich herausgewunken habe, hat mich erkannt”, erzählt Nawrath. Es folgte ein nettes Gespräch und die Frage nach einem Autogramm.

Präsenz zeigen war dagegen beim Playoff-Heimspiel des SC Riessersee gegen Hannover angesagt, das aufgrund des G7-Gipfels nach Füssen verlegt werden musste. Zusammen mit seinen Kollegen vom Einsatzzug Kempten beobachtete und analysierte er das Geschehen. „Da sieht man, wie viel da dazu gehört.“

Zu seinen weiteren Aufgaben gehören Vernehmungen, Personen zur Fahndung auszuschreiben oder verschiedene Fälle zu bearbeiten. Das beginnt, wenn die Polizei beispielsweise einen Autofahrer betrunken am Steuer erwischt. „Das ist ein Riesenaufwand, was da zu tun ist“, erklärt Nawrath. Er selbst ist zwar ein voll ausgebildeter Polizist, was ihm aber fehlt ist die Erfahrung der Kollegen. „Ich würde das schon hinbekommen, aber statt zwei würde es dann fünf Stunden dauern.“

Kollegen probieren sich im Biathlon aus

Bei seiner Arbeit gefällt ihm am besten der Kontakt zu den Kollegen. Die meisten hätten einen Bezug zum Sport und da er in der Gegend aufgewachsen ist, fänden sich auch immer wieder andere Berührungspunkte.

Philipp Nawrath erklärt seinen Kollegen, worauf es beim Schießen im Biathlon ankommt.
Philipp Nawrath erklärt seinen Kollegen, worauf es beim Schießen im Biathlon ankommt. © privat

Um seine Kollegen auch in seine Welt hineinschnuppern zu lassen, organisierte der Profisportler ein Biathlon-Rennen für die Dienststelle in Nesselwang. Nach einer Jogging-Runde hieß es dann Waffe anlegen und schießen. „Es geht nur um die Belastung“, so der Biathlet. Seine Kollegen trainieren zwar beruflich das Schießen. Doch unter körperlicher Belastung sei das eine ganz andere Geschichte. „Der Unterschied ist extrem“, erklärt der 29-Jährige. „Die wenigsten können sich vorstellen, wie sich das anfühlt.“

Bis kommenden Mittwoch arbeitet Nawrath noch bei der Polizeiinspektion Füssen. Anfang Mai schlüpft er dann schon wieder in seine Trainingskleidung. Denn ab da startet die Vorbereitung für die kommende Biathlonsaison.

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