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Ponyranch Weißensee: Stadtrat streicht einen Reitplatz und halbiert Zahl der Tiere

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Von: Matthias Matz

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Pony springt über Hürde
Die Betreiberin der Ponyranch in Weißensee wird die Zahl ihrer Tiere reduzieren müssen. © privat

Die unendliche Geschichte um die Ponyranch in Weißensee geht weiter: Am Dienstag hat sich der Stadtrat mehrheitlich für eine Reduzierung des Hofs ausgesprochen.

„Wir fangen wieder bei Null an.“ Sandra Ringmann, Betreiberin der Pferde- und Ponyranch in Weißensee, ist am Mittwoch hörbar frustriert. Am Abend zuvor hatte sich der Stadtrat mehrheitlich zwar grundsätzlich für den Erhalt ihres Betriebs ausgesprochen und Rahmenbedingungen für den umstrittenen Bebauungsplan „Brand Mühlbach“ festgelegt. Allerdings sieht die von Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) vorgelegte Planung der Stadtverwaltung eine deutliche Verkleinerung ihres Hofes im Vergleich zu den bisherigen Überlegungen vor. Neben Ringmann sorgte das vor allem bei den Stadträten der Freien Wähler (FW) für Unverständnis.

Sie sehen den Fortbestand des Betriebes massiv gefährdet, da nach den neuen Plänen ein wirtschaftlicher Betrieb des Hofes nicht mehr möglich sei, wie Dr. Anni Derday erklärte. Stimme der Rat den vorgelegten Plänen zu, „dann haben wir ihr den Todesstoß versetzt unter dem Mäntelchen, wir hätten ihr ja geholfen.“ Davon unbeeindruckt stimmten in namentlicher Abstimmung 15 Räte für den neuen Bebauungsplan-Entwurf, mit Ilona Deckwerth (SPD), Dr. Anni Derday (FW), Nicole Eikmeier (CSU), Christine Fröhlich (FW), Erich Nieberle (SPD) und Thomas Scheibel (FW) sechs dagegen.

Starke Verkleinerung der umstrittenen Ranch

Tatsächlich sieht der von Bürgermeister Eichstetter vorgelegte Entwurf eine starke Verkleinerung der umstrittenen Ranch vor, die bereits in der Vergangenheit mehrfach die Gremien beschäftigt und für heftige Diskussionen auch in der Öffentlichkeit gesorgt hatte. Im Kern geht es dabei darum, dass die Stadt mit einem Bebauungsplan (B-Plan) für die in großen Teilen schwarz gebaute Einrichtung Baurecht schaffen will, um ihren Bestand zu sichern (der Kreisbote berichtete mehrfach ausführlich). Denn einig sind sich (fast) alle, dass es sich dabei um ein wichtiges Freizeitangebot für Kinder handelt.

Baurechtlich abgesichert werden sollen nun das Bestandsgebäude, ein Kiesparkplatz, der östliche Reitplatz, ein Stall sowie der Spielplatz. Allerdings darf der Stall nur noch so groß gebaut werden, dass maximal neun Tiere darin Platz finden. Derzeit leben 18 Pferde und Ponys auf dem Hof. Ein Alternativvorschlag für 12 Tiere fand keine Beachtung. Vermutlich zurück gebaut werden müssen der schwarz gebaute westliche Reitplatz sowie eine Futterstelle. Allerdings hat darüber das Landratsamt zu entscheiden.

Bei den Freien Wählern stießen die neuen Pläne und das Vorgehen der Stadtverwaltung auf massive Kritik. Dr. Anni Derday erinnerte daran, dass alle Beteiligten sich schon 2019 einig gewesen waren, den B-Plan aufzustellen und den Betrieb zu sichern. Nach langen und schwierigen Verhandlungen mit dem Landratsamt sei schließlich ein für alle tragbarer Kompromiss gefunden worden. Dafür habe Ringmann viel Geld investiert. „Und plötzlich stehen wir nicht mehr dazu. Das verstehe ich nicht und das ist auch rechtlich nicht fair“, sagte sie.

Einseitiges Vorgehen

Derday kritisierte außerdem, dass die aktuellen Planungen nicht mit der Betreiberin abgesprochen, sondern „einseitig von der Stadtspitze auf den Tisch“ gelegt worden seien. Dabei sei aber nicht geklärt worden, ob der Hof mit nur einem Reitplatz überhaupt wirtschaftlich betrieben werden kann. „Diesen Nachweis müssen wir erbringen, aber wir haben keine Zahlen auf dem Tisch.“ Daher beantragte sie, dem anwesenden Anwalt Ringmanns Rederecht einzuräumen, damit dieser die Situation der Ranch darstellen kann. Andernfalls sollte der Tagesordnungspunkt vertagt werden, bis Zahlen auf dem Tisch liegen. Mehrheitlich lehnte das Stadtparlament beide Anträge aber ab.

Dennoch nicht locker ließ FW-Ratsmitglied Thomas Scheibel und wandte sich an Bauamtsleiter Armin Angeringer. Dieser räumte ein, dass der Planungsentwurf vom vergangenen Herbst tatsächlich mit allen Behörden abgestimmt und genehmigungsfähig gewesen sei. „Es besteht die Verpflichtung der Stadt, alle Belange der Betreiberin abzuwägen“, erklärte er. Auf Scheibels Nachhaken, ob die Betreiberin jetzt Schadenersatzansprüche gegenüber der Stadt geltend machen könne, konnte der Bauamtsleiter dies nicht gänzlich ausschließen.

Bürgermeister Eichstetter wollte indes davon nichts wissen. Im schlimmsten Fall erkläre das Verwaltungsgericht den B-Plan für ungültig, erklärte er. Verliererin sei dann aber die Ranchbetreiberin, die dann ohne baurechtliche Grundlage dastehe. „Angenommen, die Hütte brennt ab, darf sie die noch nicht mal mehr neu aufbauen“, sagte er.

Auch finanziell gewinne Ringmann durch einen Bebauungsplan. „Die Wertsteigerung des Grundstücks durch denn Bebauungsplan ist ein Vielfaches ihrer Kosten.“ Sein Fazit: „Ich finde, wir sind jetzt in einer Situation, dass der Betrieb weiter gehen kann.” Ob dies auch wirtschaftlich der Fall sei, könne er zwar nicht beurteilen, allerdings seien neun Tiere sieben mehr als die einst genehmigten zwei Pferde.

Woher kommen Zahlen?

FW-Fraktionschefin Christine Fröhlich wunderte sich darüber, woher plötzlich die Berechnungen für die Anzahl der Tiere komme. „Wer hat die Berechnungen angestellt?”, fragte sie. „Das ist ohne Absprache mit der Betreiberin ins Blaue hinein gemacht worden!”

Tatsächlich beruhen die Berechnungen für die künftige Anzahl der Tiere offenbar auf Vorschläge aus Reihen der Wählervereinigung Füssen-Land, wie Bürgermeister Eichstetter nach dem Ende der Sitzung auf Nachfrage des Kreisboten erklärte. Von ihm selbst seien sie nicht.

Für den neuen Entwurf sprach sich denn auch Niko Schulte von Füssen-Land aus. „Das ist ein guter Kompromiss!”, befand er. Schließlich habe das Gremium im Herbst beschlossen: „das Ganze eine Nummer kleiner!” CSU-Stadtrat Simon Hartung verteidigte die Vorlage ebenfalls. „Aus eigener Erfahrung weiß ich: ein Reitplatz reicht!”

Für Verwunderung sorgte indes die SPD: Sowohl Ilona Deckwerth als auch Erich Nieberle sprachen sich grundsätzlich gegen einen B-Pan für die Ranch aus. Darauf angesprochen, dass auch die SPD 2019 einstimmig für einen solchen gestimmt habe, verhedderte sich Deckwerth, ehe sie schließlich doch einräumen musste, damals tatsächlich dafür gestimmt zu haben. „Das war ein Fehler”, sagte sie.

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