Iacob fühlt sich schlecht über die Unterbringung der Asylbewerber informiert

"Wir haben von nichts gewusst"

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Unter anderem hier im ehemaligen Postgebäude wohnen einige Asylbewerber.

Füssen – Der Flüchtlingsstrom nach Deutschland reißt derzeit nicht ab. Das führt zu Problemen. Auch in Füssen. Fehlende Kommunikation bei der Verteilung der Asylbewerber monierte jetzt Bürgermeister Paul Iacob (SPD) im Stadtrat.

Diese wurden teilweise an Orten in Füssen untergebracht, von denen die Stadtverwaltung „gar nichts wusste“, meinte der Rathauschef. Das könne er „nicht akzeptieren“. 

Doch auch bei der Betreuung der Flüchtlinge, stößt sowohl die Stadtverwaltung und als auch der Arbeitskreis Asyl langsam an ihre Grenzen. „Wir versuchen alles, den Flüchtlingen hier eine Heimat zu bieten“, sagte der Bürgermeister. Doch so, wie es derzeit läuft, könne es nicht weiter gehen. So wurden in der Froschensee Straße Asylbewerber untergebracht, ohne das die Stadtverwaltung darüber Bescheid wusste, so Iacob. 

Zudem kritisierte er, dass Flüchtlinge in das ehemalige Postgebäude am Bahnhof eingezogen sind – obwohl die Räume noch gar nicht fertig waren. Doch das sei „so nicht richtig“, meinte Ralf Kinkel, der im Landratsamt für die Unterbringung der Asylbewerber zuständig ist, auf Nachfrage des Kreisboten. Zwar waren während des Umbaus bereits Asylbewerber eingezogen, aber die mussten nur „kurzfristig enger zusammenrücken“. Mittlerweile sei der Umbau fertig. Dennoch sehen in der Unterbringung der Flüchtlinge wohl einige eine „Finanzierungsgrundlage“ ihrer Häuser, sagte Iacob. 

Auch Jürgen Doser (Freie Wähler) und Klaus Zettelmeier (CSU) sahen das kritisch. „Wir wollen integrieren, das funktioniert aber nur mit Kommunikation“, so Doser. „Die Leute vor vollendete Tatsachen zu stellen, ist schlecht. Das müssen wir nach oben kommunizieren“. Vor allem Fehlinformationen müssen dabei vermieden werden, meinte Zettelmeier. Das „schlimmste, was passieren kann“, sei bei einer Privatperson in Füssen geschehen, die Flüchtlinge aufgenommen hat. 

Dem Landratsamt habe sie erklärt, dass sie das mit Bürgermeister Iacob abgeklärt habe. Das war jedoch „die Unwahrheit“, so Zettelmeier. „Das Landratsamt glaubt das. Jetzt haben wir da eine halbe Bürgerinitiative.“ Denn ein Anwohner will klagen.

 „Wir haben nichts gewusst“, bestätigte Iacob. Das „kann nicht sein“, meinte auch Hauptamtsleiter Andreas Rist. Das Landratsamt dürfe solchen Angaben nicht einfach Glauben schenken, sondern müssten sie überprüfen. Denn das sei bereits der zweite Fall dieser Art. 

Gemeinden stellen wenig Unterkünfte bereit 

„Das ist kein böser Wille“, beschwichtigte jedoch Ursula Lax (CSU). Denn das Landratsamt bekomme selbst recht kurzfristig Bescheid, dass neue Asylbewerber kommen. 

Das bestätigte Kinkel auf Nachfrage. „Wir bekommen sehr kurzfristig die Personen zugewiesen.“ Seine Behörde werde meist erst einen Tag vorher benachrichtigt. Dann werde geschaut, wo eine Unterkunft frei ist. Da laut Iacob derzeit vor allem junge, männliche Asylbewerber in Füssen wohnen, will die Stadt nur noch Familien, alleinstehende Frauen mit oder ohne Kinder aufnehmen. Schließlich müsse die Stadtverwaltung sie auch begleiten. Das wird sonst „zu einseitig“, so der Rathauschef. Diese Wünsche werde das Landratsamt „so weit wie möglich nachkommen“, sagte Kinkel. 

Nur hänge die Verteilung auch von der Art der Unterkünfte ab. So sind Apartments eher für Familien vorgesehen, weil sie abgeschlossen sind. „Einfachere Unterkünfte sind besser für alleinstehende Erwachsene geeignet“, sagte Kinkel. Was man wo bekommt, hänge vom Zufall ab. Das Landratsamt prüft dann, ob die Unterkünfte auch geeignet sind. Nach solchen hat das Landratsamt auch die Gemeinden gefragt, sagte Kinkel. Doch die hatten nur „wenig Angebote“. Deshalb müsse sich die Behörde auf dem privaten Immobilienmarkt umzuschauen. Wenn es einen passenden Interessenten gefunden hat, wird das Entgelt verhandelt. Wie hoch das aber im Durchschnitt ist, darüber möchte das Landratsamt „keine Angaben machen“, so Kinkel. 

Anschließend wird auch die entsprechende Gemeinde benachrichtigt, dass neue Asylbewerber kommen. Dabei ergeben sich aber auch Probleme. Für die Betreuung der Flüchtlinge habe die Stadt extra eine Stelle aufgestockt, so Iacob. Doch die könne mittlerweile das Pensum in der normalen Arbeitszeit nicht mehr bewältigen. Auch der Arbeitskreis Asyl stoße langsam an seine Grenzen, erklärte Lothar Schaffrath (SPD). „Die Situation hat bisher ganz gut funktioniert.“ Doch die Flüchtlinge bräuchten mittlerweile eine Fachkraft, die sie betreut. „Anders wird das auf Dauer nicht mehr gehen.“ Denn im Arbeitskreis engagieren sich Leute, die „tun nichts anderes mehr“, so Schaffrath. Doch hier ist Hilfe in Sicht. 

Denn laut Iacob will zukünftig die Fürsorge der Caritas landkreisweit die Asylbewerber betreuen. Die kann sich dann gleich um ein weiteres Problem kümmern: Jobs für die Asylbewerber zu suchen. Denn „viele dürfen jetzt arbeiten“, erklärte Wolfgang Bader (SPD). „Die wollen auch arbeiten. Das sind junge Menschen, denen ist es sonst zu langweilig“.

Katharina Knoll

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