Seegespräch: Schifffahrt beschwert sich über die Auswüchse auf dem See

Ist zu viel los auf dem Forggensee?

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Im Sommer ist oft viel los auf dem Forggensee. So sei der See manchmal nur mit extremer Rücksichtnahme befahrbar, erklärte Dirk Schranz, Betriebsleiter bei der Forggensee-Schifffahrt.

Marktoberdorf/Füssen – Ein Thema des diesjährigen Seegespräches im Landratsamt Ostallgäu war die Forggenseeschifffahrt, die damit verbundenen Gefahren durch und für andere Seenutzer sowie der Zugang zum Gewässer für Hundebesitzer, Rollstuhlfahrer und Schwimmer. 

Auch wegen der Parkplatzsituation rund um den Stausee bestand Redebedarf. „Das Treiben auf dem See wäre auf dem Rhein unmöglich. Solche Auswüchse wie auf dem Forggensee gäbe es nicht, da wird regelmäßig überprüft“. Es waren herbe Worte, mit denen der Kapitän der Forggenseeflotte beschrieb, was scheinbar Alltag auf dem Binnengewässer ist. In nüchternen Worten wird das mit „Konflikt: Gemeingebrauch und Schifffahrt“ beschrieben. 

Unter Gemeingebrauch verstehen Juristen die Nutzung des Gewässers zum Baden und Schwimmen, Waschen und Tränken sowie zur Reinigung von Tieren. Weiterhin zählen zum Gemeingebrauch auch der Betrieb von Modellbooten sowie das Befahren mit kleinen Fahrzeugen ohne Motor, wie Segler, Surfer oder Tret- und Ruderboote. 

Um Gefahren für Leben und Eigentum abzuwenden sowie zur Sicherheit, zum Schutz der Natur und zur Sicherstellung der berechtigten Nutzung, kann dieser Gemeingebrauch durch das Bayerische Wassergesetz geregelt und eingeschränkt werden, erfuhren die Teilnehmer des Seegesprächs. 

Neuer Badeplatz

So ist nun die Einrichtung von Sperrgebieten für Wasserfahrzeuge an den Badeplätzen bzw. ein Befahrungsverbot geplant. Die Sperrgebiete betreffen den Badeplatz Dietringen, am Panoramastadel (Gemarkung Halblech) und vor Osterreinen, wo jeweils ein größeres Areal nur den Schwimmern vorbehalten sind. 

Teilweise werden hier auch Badebereiche aufgelöst oder neue geschaffen wie in Dietringen. Hier kommt zum bestehenden Schwimmbereich in der Bucht westlich vom Bootshaus der Polizei ein weiterer auf der Ostseite des Bootshauses hinzu. Beide Badeplätze und der zugehörige Schwimmbereich werden durch den Anleger für die Linienschifffahrt getrennt. Gefährlicher Badeplatz? Es kam dabei zur Diskussion über den Badeplatz als solches, der, so die Ansicht der Ortskundigen, nicht ungefährlich sei. Schließlich gebe es hier ein steil abfallendes Ufer. 

Öffne man den Badeplatz, würden hier vermehrt auch Familien Baden gehen, mit Gefahren für Kinder und Nichtschwimmer. Insbesondere wurde auch moniert, dass viele Schwimmer sich nicht an das Schwimmverbot im Bereich des Anlegers halten würden. Weswegen die Schiffe der Weißen Flotte in der vergangenen Saison diesen Punkt nicht mehr angefahren hatten, ehe nicht mit Hilfe einer Boje und Kette die Anfahrt gesichert worden war. 

Hinsichtlich des Gemeingebrauchs hakte Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke nach, wie es denn mit der Ausweisung eines Hundestrandes aussehe. Und erfuhr, dass das Baden von Hunden durch den Gemeingebrauch ausdrücklich erlaubt sei. Nur wo explizit ein Hundeverbot bestehe, wie etwa am neuen Badestrand des Landkreises in Dietringen, dürfen die Bellos nicht ins Wasser. 

Aufgrund einer Anfrage aus seiner Kommune wollte Rinke außerdem wissen, ob ein behindertengerechter Badeplatz, also an dem auch Rollstuhlfahrer ins Wasser können, geplant oder denkbar sei. Künftig verboten ist das Befahren des Lechs im Bereich vor dem Kraftwerk bei Horn, der Illasbergsee einschließlich der Zufahrt, der untere Seeteil unterhalb der Deutenhausener Enge und der überstaute Riedener Bach.

Rücksichtnahme nötig

Es sei ohnehin ein Wunder, dass es bei so vielen Bewegungen auf dem See, Kite- und Windsurfer, Segler, Schwimmer und natürlich die Linienschiffe der weißen Flotte, keine Unfälle gebe, meldete sich Dirk Schranz zu Wort. 

Vor fast einem Jahr war Schranz nach Füssen gewechselt, nachdem er lange Jahre als Kapitän der Berufsfeuerwehr Wiesbaden mit seinem Feuerlöschboot für die Sicherheit auf Deutschlands größten Strom zuständig war. Er hatte die Stelle als Kapitän angenommen, erklärte Schranz, auch weil er dachte, der Forggensee sei ein idyllischer See, auf dem es ruhig(er) zugehe. Man dürfe nicht warten, bis hier etwas Schlimmeres passiere, zu bestimmten Tageszeiten sei der See nur mit extremer Rücksichtnahme befahrbar. 

Vor allem, so Schranz, sei es nur der Präsenz der Wasserschutzpolizei und der Wasserwacht zu verdanken, dass im Fall des Falles schnell viel Hilfe da sei, wie man es im vergangenen Jahr erlebt habe. Und verband doch mit diesen Worten ein Lob an die Segler, die sich zum größten Teil an die Regeln hielten. In dem Zusammenhang war es für Schranz aber nicht nachvollziehbar, dass die Zahl der zugelassenen Boote um 20 Prozent angestiegen sei. Eine Zahl, die die Beteiligten so nicht stehen lassen wollten. 

Ist es doch so, dass neue Boote am Forggensee zwar registriert, aber nicht umgemeldet werden müssen, sollten sie beispielsweise an den Bodensee verkauft werden. Man sollte daher, so die Anregung, vor allem seitens der Segelsportler, besser die zugelassenen Liegeplätze zählen. Mehr Boote dürfe es ohnehin nicht geben am See und derzeit seien mehr Liegeplätze frei als vor zehn Jahren. Im Gegensatz dazu fehlen an besonders schönen Tagen andere „Liegeplätze“: Autoparkplätze. 

Weshalb die Gemeinde Rieden, so deren Bürgermeister Max Streif, schon Behelfsparkplätze versucht habe, einzurichten. Dabei hätten sich die Landwirte, die ihre gemähten Wiesen zur Verfügung gestellt hatten, Beschimpfungen und Drohungen anhören müssen. Man habe 7000 Quadratmeter kostenloser Parkplätze zur Verfügung gestellt, so Streif, doch auch das reiche nicht unbedingt aus.

Unter anderem parken die Sonnensucher und Badegäste entlang der B16, vor allem aber an den Straßenrändern der Seezufahrten – und blockieren damit die Rettungswege. Man könne aber nicht noch mehr Platz schaffen, „es geht nichts mehr“, so Streif. Sorgen machen dabei vor allem auch Gäste aus dem Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau. Angesichts der mehr als zahlreichen Parker geht die zahlenmäßig unterlegene Polizei nunmehr gezielt gegen Falschparker vor.

So meinte Füssens Polizeichef Edmund Martin, dass man gar nicht alle Falschparker aufschreibe. „Wir können es nicht. Wenn wir beanstanden, hat es das auch gebraucht“. Daneben muss sich die Polizei mit einem weiteren Problem befassen, sind doch an schönen Wochenenden mehr als 1000 Fahrradfahrer unterwegs. Diese würden angesichts der auf den Radwegen abgestellten Kraftfahrzeuge ihrerseits auf die Straßen ausweichen.

Oliver Sommer

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