Nicht mehr viel Zeit

Professor  referiert über Klimaveränderungen und nötige Systemänderungen in der Wirtschaftskammer Reutte

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Sehr drastisch schildert Wissenschaftler Prof. Dr. Stötter die Auswirkungen des Klimawandels, sollten Politik und Wirtschaft nicht umgehend handeln. Eine Umkehr der momentanen Situation werde eine sehr lange Zeit beanspruchen.

Reutte – Eine aktive Plattform ist „uni goes reutte“, die Entscheidungsträger aus der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung Impulse zur verstärkten Zusammenarbeit gibt. Träger sind die Wirtschaftskammer (WK) Reutte und die Transferstelle Wissenschaft-Wirtschaft-Gesellschaft der Uni Innsbruck.

Ziel ist es die Universitätsleitung dabei zu unterstützen, die Bedeutung der Uni Innsbruck als Impulsgeber in für die Region, als Partnerin für die Wirtschaft und als Wissenspool für die Gesellschaft auszubauen.

Vergangene Woche war es erneut so weit, dass mit Prof. Dr. Johann Stötter ein anerkannter Professor in der Wirtschaftskammer Reutte zum Thema „Globaler Wandel – regionale Nachhaltigkeit“ referierte. Als Geograph an der Universität Innsbruck beschäftigt sich Dr. Stötter mit verschiedenen Phänomenen der Mensch-Umwelt-Beziehung. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Klimawandel-, Naturgefahren- und Risikoforschung. „Die Klimakrise lässt der Menschheit nicht mehr viel Zeit, um das Problem anzugehen und zu lösen“, war einer der Behauptungen des Referenten. Die „Fridays-for-Future“-Bewegung habe weltweit eine Vielzahl von Menschen mit den Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltzerstörung konfrontiert und damit ein noch nie da gewesenes Umdenken von Politik und Gesellschaft ausgelöst.

Grundlegende Änderung erforderlich

Stötter zeigte neben den bisherigen Ursachen auch die möglichen Folgen des Klimawandels auf und warf außerdem einen Blick auf die Zukunft des Klimawandels und seine Auswirkungen. Die aktuelle Situation erfordere seiner Meinung nach eine grundlegende Veränderungen des Systems und gegebenenfalls auch der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung, wobei tief greifende wirtschaftliche Veränderungen notwendig sein werden, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dazu werde eine andere Art der Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gebraucht. 

Seit weit über 30 Jahre habe die Wissenschaft auf die Folgen des „Weiter so“ hingewiesen und Maßnahmen gefordert. Besonders von der Politik seien diese Warnrufe aber ignoriert worden. Klimawandel bedeute aber nicht nur extreme Kälte bzw. Erwärmung, sondern auch die Veränderungen der Verteilungsmuster – extreme Kälte und extreme Niederschläge.

Drastische Folgen

Drastisch würden sich die Folgen der Erderwärmung beim arktischen Meereis zeigen – dies habe sich innerhalb der letzten 40 Jahre um die Hälfte verringert: von 6,7 Millionen Quadratmetern Ende 2006 auf 3,41 Millionen Quadratmetern im Jahr 2012. Laut Stötter setze sich dieser Trend kontinuierlich bis zum heutigen Tag fort. Die Prognose „Wenn wir so weitermachen, gibt es kein Morgen mehr“ sei heute zwar noch nicht nachvollziehbar, jedoch werde der Temperaturanstieg rund 200 Millionen Menschen die Lebensgrundlage entziehen, so Prof. Stötter.

Landwirtschaft betroffen

Er erwähnte unter anderem die Folgen der klimatischen Verhältnisse für die Landwirtschaft, die zwar Ertragssteigerungen ihn kühlen, feuchten Gebieten bringen werde. Auf der anderen Seite gebe es jedoch ein erhöhtes Ausfallsrisiko in trockenen Regionen. Besonders betroffen seien hier Ökosysteme mit langer Entwicklungsdauer sowie alpine Lebensräume oberhalb der Baumgrenze, die sich immer weiter nach oben verschieben werde.

Auf jeden Fall lasse die weitere Entwicklung, wenn sie denn so weitergehe, nichts Gutes erahnen. „Es ist bereits nicht mehr fünf vor 12, sondern fünf nach 12 und es wird, wenn Politik und Wirtschaft, aber auch jeder Einzelne, zu diesem Thema nicht schnellstens und ganz eng zusammen arbeiten, bald für die Menschheit ‚Game over’ heißen“, so der Wissenschaftler abschließend.

ed

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