Ein Bayer in Griechenland

Wie ein bayerischer König Griechenland prägte

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Große Geschichte im Palmenhaus: Der Leiter des „Otto, König von Griechenland- Museums“ in Ottobrunn, Prof. Dr. Jan Murken, bei seinem jüngsten Vortrag im „Museum der bayerischen Könige“ in Hohenschwangau. Foto: Berndt

Schwangau – Die Politik treibt manchmal seltsame Blüten: Ein Volk erringt seine Unabhängigkeit, um dann von einem ausländischen König regiert zu werden.

Wie es dazu kam und wie es weiterging, erklärte jetzt Professor Dr. Jan Murken in seinem Vortrag „Otto I., König von Griechenland“ im Palmenhaus im „Museum der bayerischen Könige“ ungefähr 60 Zuhörern. Griechenland 1832: Nachdem sich das Land von der mehrere Jahrhunderte dauernden Regentschaft des Osmanischen Reichs befreit hatte, bestieg der Wittelsbacher Prinz Otto als Otto I. den Königsthron von Griechenland, erklärte Murken. 

Der Sohn des bayerischen Königs Ludwig I. wurde 1815 in Salzburg geboren und war erst 17 Jahre alt, als er am 6. Dezember 1832 Richtung Griechenland aufbrach, um dort als Regent zu fungieren. Zuvor hatte das griechische Parlament am 8. August 1832 zugestimmt, dem Wittelsbacherspross die Königskrone von Hellas zu übertragen, wie Murken erklärte. Er fügte hinzu, dass Otto „große Ziele“ hatte. Immerhin habe er einen modernen griechischen Staat aufbauen wollen. 

Was er jedoch vorgefunden habe, als er im Februar 1833 zum ersten Mal den Boden seines Königreichs betrat, sei „ein vom Krieg gezeichnetes, armes und marodes Griechenland“ gewesen. Von finanziellen Nöten und wirtschaftlichen Problemen geplagt, habe Griechenland dennoch mit zunehmender Zeit ein funktionierendes Rechts-, Bildungs- und Medizinwesen erhalten. 

Dafür habe sich maßgeblich Ottos Regentschaftsrat aus Spitzenbeamten eingesetzt, bevor der König 1835 volljährig wurde und damit selbst die Regierungsgeschäfte übernahm. Dabei erhielt die neue Hauptstadt Athen „eine städtebauliche und architektonische Prägung, die bis heute sichtbar geblieben ist“, so der Referent. 

Darüber hinaus habe Otto „Kunst und Wissenschaft vorangebracht“ sowie 1837 die Athener Otto-Universität gegründet. Bei alledem sollte „Hellas aber nicht germanisiert werden“, verdeutlichte Murken, wie sensibel der Wittelsbacher auch beim Bau seiner Residenz vorgegangen sei, in der heute noch das griechische Parlament tagt. Rückkehr nach Bayern Die finanziellen und politischen Schwierigkeiten habe Otto allerdings nicht in den Griff bekommen. 

So schwand schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die Monarchie. Es kam zu Unruhen im ganzen Land, nachdem 1862 in der ehemaligen Hauptstadt Nauplia ein Aufstand ausgebrochen war und die Griechen „die Entthronung des Königs“ gefordert hätten. Obwohl er „allen gegenüber gerecht“ sein wollte „in meinem geliebten Griechenland“, kehrte Otto mit seiner Frau Amalie nach 30 Jahren wieder nach Bayern zurück, wo er bis zu seinem Tod 1967 in der Bamberger Residenz lebte.

lex

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