Verantwortliche des Pilotprojekts "ProfilPASS" ziehen eine erste Bilanz

"Ein gutes Instrument"

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Trainerin Verena Kiupel bei ihrer Arbeit mit den jungen Zuwanderern.

Landkreis – In einem Modellprojekt, initiiert von den Bildungskoordinatorinnen für Neuzugewanderte und der staatlichen Berufsschule im Landkreis Ostallgäu, soll der „ProfilPASS®“ jugendlichen Migranten die berufliche Orientierung erleichtern. Nach dem Ende des Schuljahres gibt es nun die ersten Ergebnisse.

In Bayern besuchen viele geflüchtete Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren Berufsintegrationsklassen. Zwei Jahre können sie sich dort auf eine Berufsausbildung oder eine weiterführende Schule vorbereiten. Im Landkreis Ostallgäu wurde an der Berufsschule in zwei solcher Klassen zu Beginn des Schuljahres 2016/2017 ein Pilotprojekt gestartet. 

Mit Hilfe des „ProfilPASS“ sollten Kompetenzen der Schüler systematisch ermittelt und dargestellt werden (der Kreisbote berichtete). Die Jugendlichen sollten dabei ihre Stärken und ihr Wissen entdecken – unabhängig von Schulnoten und Zeugnissen. Das gesamte Schuljahr wurden die individuellen Interessen und Stärken der Jugendlichen gemeinsam mit ProfilPASS-Trainerin Verena Kiupel erfasst.

 Auf der Basis dieser Ergebnisse können nun die sozialpädagogischen Betreuungskräfte der Schule zielgerichteter Praktika und Ausbildungsberufe gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern auswählen. „Der Profilpass ist ein gutes Instrument, um neben den formalen Kompetenzen auch verstärkt die informellen Kompetenzen einfließen zu lassen. Die Schule lernt die Jugendlichen besser kennen und das nicht nur durch schulische Leistungen“, erklärt die Ostallgäuer Bildungskoordinatorin Tanja Hiemer, die gleichzeitig auch Mitinitiatorin des Projekts ist.

 Das Instrument „ProfilPASS“ ist bereits länger im Landkreis etabliert. Sowohl Jugendliche als auch Erwachsene verschiedener Altersgruppen nutzen das Angebot, wenn etwa Frauen oder Männer nach der Familienphase wieder ins Arbeitsleben eintreten wollen. Für junge Migranten wurde er angepasst und fest im Unterricht verankert. In dieser Zeit werden Coaching und Gruppen-Prozesse, vor allem in Kleingruppen mit zehn Jugendlichen, ermöglicht.

 Für die Jugendlichen biete der „ProfilPASS“ Vorteile. „Sie können sich schwer auf dem klassischen Weg bewerben und somit mit deutschen Jugendlichen in Konkurrenz treten. Sie müssen sich persönlich verkaufen, also über Praktika“, so Bildungskoordinatorin Hiemer. „Sie müssen vor Ort zeigen, wer sie sind und dass sie Interesse mitbringen“, erläutert sie.

 Auch die Unternehmen können vom „ProfilPASS“ profitieren: „Wenn wir in der Vermittlung junger Auszubildender passgenauer arbeiten können, ist das für die Unternehmen ein größerer Anreiz Praktikanten zu nehmen.“

Perspektivwechsel

 Das Schuljahr 2016/2017 ist an der Berufsschule in Marktoberdorf abgeschlossen. Damit gibt es die ersten Ergebnisse. Aus Sicht von Verena Kiupel konnten die Schüler viel für sich mitnehmen: „Die Schüler haben gelernt, dass es hilfreich ist, wenn sie in Bewerbungsgespräche gehen und sie sich darüber bewusst sind, was sie können und worauf sie stolz sein können in ihrem Leben“, sagt sie. „Das hat bei ihnen für einen richtigen Perspektivwechsel gesorgt.“ 

Auch der ehemalige Schulleiter Remigius Kirchmaier ist von dem Modell überzeugt: „Es ist gelungen, vielen Jugendlichen zu einer guten beruflichen Perspektive zu verhelfen.“ Der Grund für eine hohe Vermittlungsquote in die Ausbildung liege neben der intensiven Betreuung der Jugendlichen durch Lehrer und die sozialpädagogischen Betreuungskräfte sicher auch im ProfilPASS begründet. „Weil hierbei unrealistische Berufswünsche korrigiert und die Erfahrungen aus den Praktika in die Ausbildungsplatzsuche einflossen.“

Tanja Hiemer und Julia Grimm sind unter der Telefonnummer 08342/91 11 85 oder unter der E-Mail-Adresse bildung-neuzugewanderte@lra-oal.bayern.de erreichbar.

kb

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