"Bahnhofsfreunde" holen das Landesamt für Denkmalpflege nach Füssen

Schandfleck oder historisches Denkmal?

+
So schaut derzeit der Füssener Bahnhof aus. 1976 wurde das Gebäude zum letzten Mal saniert.

Füssen – Die einen halten ihn für ein Stück Zeitgeschichte, die anderen für einen Schandfleck: Der Bahnhof in Füssen scheidet die Geister. Heuer feiert er sein 125-jähriges Jubiläum, doch wenn es nach der Stadt und auch vieler Bürger geht, soll er nicht viel älter werden.

Die Stadträte haben bereits grünes Licht für den Abriss und einen Neubau gegeben. Um das zu verhindern, hat eine Gruppe von Füssenern eine Petition beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (LfD) eingereicht. Eine Delegation besuchte vor kurzem nun Füssen, um zu prüfen, ob es sich hier um ein denkmalschutzwürdiges Gebäude handelt. 188 Unterschriften bekamen die sogenannten Bahnhofsfreunde bisher für ihre Online-Petition an das LfD zusammen. Darin baten sie um Unterstützung, damit der „letzte Bahnhof im Stil des Bayerischen Klotzes nicht dem Abrissbagger zum Opfer fällt.“ 

Denn der Prinzregenten-Bahnhof sei „weitaus ansprechender als irgendein Beton-Glas-Bauwerk, welches nur für circa 30 Jahre konzipiert wird“. Da Füssen „von seiner Historie“ und „seiner einmaligen Landschaft“ lebe, baten sie das LfD darum, sich für die Rettung und Sanierung des Bahnhofes einzusetzen. 

Als Teilerfolg verbuchten die Bahnhofsfreunde jetzt den Besuch des LfDs zusammen mit dem Füssener Bauamtsleiter Armin Angeringer, dem Kreisbaumeister Anton Hohenadl und dem Immobilienleiter des Bauherrens Hubert Schmid, Markus Zendath. Denn solange die Denkmalprüfung nicht abgeschlossen sei, könne die Firma den Bahnhof nicht abreißen, so die Bahnhoffreunde auf ihrer Facebook-Seite. Doch die soll nur rund zwei Wochen betragen, erklärte Angeringer auf Nachfrage.

 Außerdem kann die Firma zur Zeit sowieso nicht zu bauen anfangen, solange die Stadt Füssen nicht einen überarbeiteten Bebauungsplan für den Bereich Luitpoldstraße verabschiedet. Den Besuch des LfD sieht die Baufirma gelassen, wie Zendath erklärte. Denn er hält es für „höchst unwahrscheinlich, dass der Bahnhof unter Denkmalschutz steht“. Auch „dem einen oder anderen hat das (beim Besuch des Bahnhofs – Anmerk. der Redaktion) ein müdes Lächeln ins Gesicht gezaubert“. Schließlich habe das Landratsamt den Bauantrag für einen Neubau genehmigt und in dem Zuge auch den Denkmalschutz überprüft, was Angeringer auf Nachfrage bestätigte. 

Das Ziel seiner Firma sei nach wie vor „einen neuen Bahnhof zu bauen. Die Stadt muss dafür aber ihre Hausaufgaben machen“, sagte der Immobilienleiter. Zendaths Optimismus könne er nachvollziehen, erklärte der Bauamtsleiter. Denn die Denkmalswürdigkeit des Bahnhofs könne man mit einem Fragezeichen versehen, wenn man ihn beispielsweise mit Einzeldenkmälern in der Altstadt vergleicht. Denn der Bahnhof sei ein sogenanntes „Typenbauwerk“, wie es in großer Zahl in ganz Deutschland errichtet wurde. 

1930 wurde er komplett umgebaut und 1976 noch einmal saniert. Ob die alten Fenster und Bodenbeläge für eine positive Denkmalsprüfung ausreichen, darüber möchte Angeringer aber „keine Einschätzung abgeben“. Der damalige Architektenwettbewerb basierte auf der Prämisse den Bahnhof „komplett zu beseitigen“, so der Bauamtsleiter. Wenn der Bahnhof aber als Einzeldenkmal eingestuft wird, könne er nicht „ohne weiteres abgerissen werden.“ „Dann müssen wir wieder von Null anfangen“.

Katharina Knoll

Meistgelesen

Derblecken auf hohem Niveau
Derblecken auf hohem Niveau
Rückzug mit Ansage
Rückzug mit Ansage
20 Jahre Dienst am Menschen
20 Jahre Dienst am Menschen
Außerferner Sozialdemokraten stellen ihre Pläne für die Zukunft vor
Außerferner Sozialdemokraten stellen ihre Pläne für die Zukunft vor

Kommentare