Museumsleiter Englert erzählt im Interview, warum die barocke Uhr im Kosterhof wieder läuft

Die ersten Klänge nach 200 Jahren

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Seit vergangener Woche läuft die Uhr über dem Hof des ehemaligen Benediktinerklosters St. Mang wieder. Doch von ihr die Zeit abzulesen, ist nicht ganz einfach.

Füssen – Zum Jubiläum „300 Jahre Barockkloster St. Mang“  kam jetzt ein ganz besonderes Ereignis. Bürgermeister Paul Iacob (SPD) nahm die barocke Uhr im Klosterhof nach über zweihundert Jahren Pause wieder in Betrieb. Wie es dazu kam, erzählt Füssener Museumsleiter Dr. Anton Englert im Interview.

Die barocke Uhr im Klosterhof funktioniert wieder. Wem ist dafür besonders zu danken? 

Englert: „Ermöglicht wurde dies durch eine großzügige Spende der traditionsverbundenen Füssener Uhrmacherfamilie Prinz, von der die Firma Wollnitza in der Altstadt geführt wird. Unter Uhrmachermeister Ralph Prinz feiert in unserem 300. Jubiläumsjahr des Klosters auch die Firma Wollnitza ein eigenes Jubiläum. Sie wurde nämlich vor 125 Jahren in Schlesien gegründet.“ 

Mit welchen Kosten war die Inbetriebnahme der barocken Uhr verbunden? 

Englert: „Dieser Betrag liegt unter 3500 Euro, wobei der allergrößte Teil dieser Summe vom Sponsor kam. Das städtische Bauamt brauchte nur drei Feuchtraumsteckdosen im Dachboden zu installieren. Für diesen sichtbaren Bürgersinn und Handwerksstolz der Füssener Spenderfamilie sind wir sehr dankbar.“ 

Sie und der Leiter des Mindelheimer Turmuhrenmuseums, Wolfgang Vogt, haben erst im Klosterhof und später beim Rundgang bis hinauf auf den Dachstuhl die Geschichte der Uhr lebendig werden lassen. Was ist – in Kurzform dieser Erläuterungen – wichtig zu wissen? 

Englert: „Das von Thomas Barensteiner zwischen 1718 und 1723 geschaffene zentrale Uhrwerk des Klosters St. Mang wurde im Zuge der Säkularisation von 1803 ausgebaut und ist seither verschollen. Seitdem zeigten die zahlreichen Zifferblätter im Klosterhof, in der Klausur und im Festsaal des Klosters keine Zeit mehr an. Herr Vogt hatte letztes Jahr den Füssener Bürgermeister Paul Iacob auf die Möglichkeit hingewiesen, die drei Uhrzeiger am und im Torhaus des Klosters wieder in Betrieb zu nehmen. Ralph Prinz, der bereits die Turmuhr im Hohen Schloss betreut, ließ sich sofort von der Idee begeistern und sagte eine Spende zu.“ 

Wer genau löste die komplexe technische Aufgabe zur Wiederinbetriebnahme der barocken Uhr im Klosterhof? 

Englert: „Anfang diesen Jahres ergänzte einer der letzten deutschen Turmuhrenmacher, Markus Burmeister aus Sigmarszell, die barocke Mechanik der drei Uhrzeiger am Klosterhoftorhaus mit historischen und neu hergestellten Ersatzteilen und schloss sie an ein elektrisches Motorzeigerwerk und eine Takt gebende Funkuhr an. Dabei wurde die Auflage der Denkmalschutzbehörde eingehalten, dass die historischen Bauteile vollständig erhalten bleiben.“ 

Bei der Wiederinbetriebnahme spielte, wie Sie erwähnt hatten, sogar eine Internetauktion eine Rolle. Könnten Sie diesen Sachverhalt nochmals skizzieren? 

Englert: „Sehr gern. Ein originelles Detail an der Wiederinbetriebnahme ist, dass der Turmuhrenmacher auf seiner Suche nach einem fehlenden Kronrad für die Deckenuhr ein passendes, mehrere Jahrhunderte altes, handgeschmiedetes Exemplar mit 36 Zähnen im Internet ersteigern konnte.“ 

Nun können Besucher der Bibliothek, des Museums, und die Angestellten der Stadt im Klosterhof bequem nach der elektronisch aus Mainflingen bei Frankfurt gesteuerten historischen Uhr schauen. Allerdings dürfte das Ablesen der Zeitangabe etwas verwirren. Woran liegt das genau? 

Englert (lacht): „Ja das stimmt. Der Grund dafür ist: oben werden die Viertelstunden, unten die Stunden angezeigt. Man muss also die Zeit so ablesen, wie man spricht: z.B. ,Dreiviertel Vier´. Die dazugehörige Glocke ist leider nicht mehr vorhanden. Für den Glockenschlag sorgt aber die ebenfalls funkgesteuerte Uhr der St. Mang Kirche.“ 

Danke für das Gespräch 

Chris Friedrich

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