Gewerbepark: Schlichtling will nachträglich Änderungen genehmigen lassen

"Ich finde das einfach frech"

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Das Gelände der Firma Schlichtling im Gewerbepark Allgäuer Land schaut anders aus als ursprünglich geplant. So hat die Firma statt eine Grünfläche anzulegen Bruchsteine verlegt.

Füssen – Zuerst Wirthensohn, jetzt Schlichtling: Auch der Abschleppdienst hat sich nicht an alle Vorschriften des Bebauungsplans gehalten, die im Gewerbepark Allgäuer Land gelten, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer am Dienstag im Bauausschuss.

Und das sorgte bei vielen Stadträten für Ärger. „Ich finde das einfach frech“, sagte Dr. Anni Derday (FWF). „Es wäre anständig vorher zu kommen.“ Eine Meinung, mit der sie nicht allein dastand. 

Ein zu hoher Zaun, zu wenig Bäume, eine Schotterfläche statt Gras und Asphalt statt Rasengittersteinen: Das Grundstück der Firma Schlichtling im Gewerbepark Allgäuer Land unterscheidet sich stark von den Plänen, die die Firma einst bei der Stadt Füssen eingereicht hatte. Diese Änderungen wollte die Firma jetzt nachträglich genehmigen lassen.

So hat sie Teile ihres Grundstücks im Westen und Norden mit Bruchsteinen aufgefüllt statt Gras anzusäen, erklärte Angeringer. Zudem stehen auf dem Areal „nicht einmal ansatzweise“ so viele Bäume wie im Freiflächenplan vorgesehen sind. Und der Zaun überschreitet die vorgegebene Höhe um 50 Zentimeter und wurde zudem mit einer Kunststofffolie als Sichtschutz versehen. Daneben wurden das Areal „großflächig asphaltiert“ anstatt ein wasserdurchlässiges Pflaster zu verlegen, informierte Angeringer.

 Die Begründung des Unternehmens: Betriebliche Belange machen dies notwendig. So müssten beispielsweise Autos zur Unfallbegutachtung abgeschirmt werden. Bei den Sicherheits- und Qualitätsstandards müsste sich die Firma zudem an die Vorgaben des ADAC halten. Eine Begründung, die Angeringer „arg pauschalisiert fand“. So müsse man beispielsweise bei der Folie am Zaun schauen, wo ein Sichtschutz unbedingt nötig sei und wo nicht. 

Das gleiche gelte bei den Stellplätzen. Hier könnte man zu einem ähnlichen Kompromiss kommen wie bei der Firma Wirthensohn (der Kreisbote berichtete). 

Ein Zeichen setzen

Ein Vorschlag für den Angeringer starke Kritik von Derday erntete. Dieser Beschluss des Bauausschusses müsse erst noch überprüft werden, so die Stadträtin. Das hatten zwölf Stadträte im November beantragt. „Deshalb können wir nicht das Ergebnis hinnehmen und sagen, das machen wir hier auch so“, sagte Derday. „Mich ärgert das Ganze total.“ 

Schließlich wusste die Firma schon vor dem Bau, welche Vorgaben sie habe und was praktikabel sei und was nicht. Das seien schließlich nachvollziehbare Gründe für Ausnahmen. Doch die Art und Weise wie die Firma jetzt vorgegangen sei, gehe nicht. Deshalb kam Derday zu dem Schluss: „Wir müssen einmal ein Zeichen setzen. Jeder macht, was er will. Ich komme mir echt überflüssig vor.“ 

Keine sinnvolle Forderung

Eine Haltung, die ihr Fraktionskollege Jürgen Doser teilte. Daneben gehe es auch um Gerechtigkeit für alle anderen Betriebe in der Lechstadt, so Doser. Diese beantragen schließlich auch Ausnahmen. „Alles Gewerbe ist wertvoll“, sagte der Stadtrat. Deshalb sollten die Firmen erst mit der Stadt reden, um eine gemeinsame Lösung zu finden, bevor sie bauen. Sonst „braucht man uns echt nicht.“ 

Das sah auch Dr. Martin Metzger (BfF) so. Er merkte zudem an, dass die Firma keine Begründung vorgelegt habe, warum sie weniger Bäume angepflanzt und ein Geröllfeld angelegt habe. Die ganze Aufregung seiner Kollegen konnte Heinz Hipp (CSU) dagegen nicht nachvollziehen. „Wenn sich der heißgewünschte Wirtschaftsfachmann damit herumschlagen müsste, ja pfiati Gott.“ 

Vor allem die Forderung nach Rasengittersteinen kritisierte Hipp. Die seien nur aufwendig zu pflegen. „Ich verstehe das in einem Fabrikhof überhaupt nicht.“ Trotzdem sprach sich das Gremium mit zwei Gegenstimmen dafür aus bei den Stellplätzen einen Kompromiss zu suchen. 

Zudem sollen die Schotterflächen weg kommen und das Areal soll so gestaltet werden wie im Freiflächenplan vorgesehen ist. Mit der Zaunhöhe erklärte sich das Gremium bei einer Gegenstimme zwar einverstanden. Allerdings müsste man über die Kunststofffolie als Sichtschutz noch sprechen. „Das kann so nicht sein, da gibt es sicherlich andere Möglichkeiten“, meinte der Rathauschef. Zudem sprachen sich die Räte einstimmig dafür aus, dass der Bürgermeister diese Beschlüsse des Bauausschusses in der Sitzung des Zweckverbandes Allgäuer Land vertreten soll.

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