Ziegelbergweg wird zur Verkehrsberuhigten Zone

Wünsche der Bürger berücksichtigt

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Der Ziegelbergweg, der nach links führt, und die Bürgermeister-Dr. Moser-Straße, die nach rechts abzweigt, werden künftig zum Verkehrsberuhigten Bereich. Dafür hat sich der Stadtrat mehrheitlich ausgesprochen.

Füssen – Das kommt nur selten vor: Der Stadtrat lobte am Dienstagabend die Stadtverwaltung. Grund: Diese hat bei den Ausbauplänen des Ziegelbergwegs und der Bürgermeister-Dr. Moser-Straße die Anregungen der Anwohner aufgenommen.

Deshalb segnete das Gremium auch mehrheitlich die Pläne ab. Doch ganz ohne Kritik ging es dann doch nicht: Die Anwohner wollten die Stellplätze weiter reduzieren, erklärten die Freien Wähler Füssen (FWF). Das lehnten jedoch einige Stadträte ab.

 Die nun vorgestellten neuen Pläne sehen vor die gesamte Bürgermeister-Dr. Moser-Straße und den Hauptteil des Ziegelbergwegs als Verkehrsberuhigten Bereich zu gestalten. Damit sich die Anwohner nicht an den Kosten für den Pendlerparkplatz am Ziegelbergweg beteiligen müssen, soll dieser erst in einem zweiten Bauabschnitt umgesetzt werden, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD).

 Das kritisierte allerdings Andreas Ullrich (FWF): „Wir schieben die Maßnahme und hinterher zahlen es doch die Bürger.“ Dass es hier keine andere Lösung gebe, wolle er gerne schriftlich haben. „Dann glaub ich das.“ Für viele Anwohnern seien die neuen Pläne jedoch „in Ordnung“, meinte Iacob. Um das abzuklären, habe die Stadtverwaltung etwa 20 ins Rathaus eingeladen, die sich bei der großen Infoveranstaltung durch „Wortmeldungen ausgezeichnet haben“, so der Rathauschef.

Doch die Anwohner hätten sich lieber eine große Veranstaltung gewünscht, merkte Dr. Anni Derday (FWF) an. „Wir wissen gar nicht, nach welchen Kriterien die Leute eingeladen wurden“, so Derday. Bei manchen sei gar der Eindruck entstanden, dass „nur handzahme Leute eingeladen wurden, die nicht beißen“, erklärte Dr. Christoph Böhm (CSU).

Günstiger als gedacht

 „Eine große Versammlung war zeitlich nicht machbar“, antwortete Iacob. Denn die Arbeiten am Kanal werden laut dem Rathauschef heuer auf jeden Fall in Angriff genommen.

Wenn die Straßenarbeiten in dieser Sitzung nicht verabschiedet würden, „bringen wir das heuer nicht mehr fertig.“ Dann müsste die Stadt zwei Mal die Straße aufreißen und die Kosten für die Anwohner würden steigen.

Durch die neuen Pläne soll das Straßenbauprojekt günstiger werden: Hätte die ursprüngliche Planung inklusive Pendlerparkplätze ca. 905.000 Euro gekostet, belaufen sich die Kosten jetzt inklusive Pendlerparkplätze auf rund 865.000 Euro, erklärte der für die Planung verantwortliche Tiefbauingenieur Gerald Blumrich.

Wie viel die Anwohner davon zahlen müssen, hänge von der Grundstücksgröße und der „Massivität der Bebauung“ ab, erklärte Stadtkämmerer Tobias Rösler. Die Kosten werden wohl zwischen 1200 Euro bis über 10.000 Euro liegen, schätzt er. Diese könnten auch in Raten beglichen werden, so Iacob. „Das ist gar keine Frage.“

Insgesamt lobten die Räte diesmal das Vorgehen der Stadtverwaltung. Sie habe „auf gute Art und Weise die Wünsche der Bürger aufgenommen und eingearbeitet“, meinte Derday. „Das finde ich ganz hervorragend.“ Dennoch seien die Pläne noch nicht perfekt. „Die Bewohner sagen, sie brauchen nicht so viele Parkplätze“, sagte die FWF-Fraktionsvorsitzende. Derzeit sind 32 eingeplant.

Die Anwohner befürchten aber, dass dadurch mehr Pendlerverkehr entstehe.

Mehrheit für Parkplätze 

Davon hielt Bürgermeister Iacob allerdings nichts. „Es müssen öffentliche Parkplätze da sein, sonst kriegen wir Probleme.“ Die brauchen schließlich auch die Anwohner, wenn sie Gäste einladen. „Einen Funken Gemeinschaftsgedanke mitzutragen muss schon da sein.“

Auch Dr. Martin Metzger (BfF) warnte davor, hier Parkplätze wegzunehmen. Denn durch die Schulen, den Hort und den Kindergarten herrsche dort „ein ziemlicher Parkraumdruck“, so Metzger. Wenn man nun in der Bürgermeister-Dr.-Moser-Straße die Stellplätze reduziere, werde der Druck noch erhöht. „Dort wird gnadenlos geparkt.“ Die Stadträte Lothar Schaffrath (SPD) und Heinz Hipp (CSU) sprachen sich ebenfalls für die Stellplätze aus. Zudem warf Ingenieur Blumrich ein, dass diese nur aufgemalt werden. „Nichts ist für die Ewigkeit.“

Nach dem Ausbau könne man immer noch prüfen, an welcher Stelle Parkplätze sinnvoll seien. Außerdem erklärte er auf Anfrage von Andreas Ullrich (FWF), dass man die Hilteboldstraße für den Gegenverkehr öffnen könnte, wenn man sie zu einer verkehrsberuhigten Straße mache. Die Polizei halte das für „wünschenswert“, so Blumrich.

 Rücksicht auf Kino

 Eine weitere Idee brachte Ilona Deckwerth (SPD) ins Spiel. Sie wollte wissen, ob man die Verkehrsberuhigte Zone auch bis zum Kino ausweiten könnte. Das sei zwar prinzipiell möglich, so Blumrich. Aber durch die 40 Parkplätze herrsche dort ein großer An- und Abfahrtsverkehr. „Das ist eher eine Verkehrsfläche. Da wohnt keiner“, so Blumrich.

Auch Niko Schulte (CSU) hielt nichts davon. Schließlich sollten nicht nur die Interessen der Anwohner, sondern auch das vom Alpenfilmtheater berücksichtigt werden. „Das Kino hat viel investiert“, sagte Schulte. Trotzdem setzten sich die Stadträte am Ende knapp mit 11:9 Stimmen durch, den Verkehrsberuhigten Bereich bis zur Einmündung Rupprechtstraße, über den Ziegelbergweg und die Hilteboldstraße auszuweiten. Zudem stimmten sie jeweils mit 19:1 Stimmen dafür, die Hilteboldstraße für den gegenläufigen Verkehr zu öffnen und die Pendlerparkplätze am Ziegelbergweg erst einmal nicht auszubauen.

Andreas Ullrich sprach sich als einziger dagegen aus. „Wir sind auf einem guten Weg. 90 Prozent sind gelöst“, erklärte er. Aber: „Es sind noch so viele Fragen offen, deshalb werde ich nicht zustimmen.“

Katharina Knoll

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