Ab 2016 werden Eltern in Füssen bei Erziehungsfragen unterstützt

Familienstützpunkt kommt nach Füssen

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Isabel Costian

Füssen – Ein Familienstützpunkt (FSP) wird 2016 in Füssen eingerichtet. Darin sollen Familien in Fragen der Erziehung gestärkt werden. Ein tolles Projekt, darin waren sich die Füssener Stadträte am Dienstag im Sozialausschuss einig.

Allerdings gibt es dabei auch Haken, meinten die Stadträte Dr. Martin Metzger (BFF) und Andreas Ullrich (FW), die als einzige dagegen stimmten. 

Auch sogenannte normale Familien geraten heutzutage immer mehr an die Grenze ihrer Belastbarkeit, machte Petra Mayer, Leiterin des Jugendamtes im Landratsamt Ostallgäu, im Sozialausschuss klar. Zusammen mit Isabel Costian, die im Jugendamt des Landratsamtes Ostallgäu für die Familienbildung zuständig ist, stellte sie das Projekt den Stadträten vor. 

Das Alltagswissen der Eltern, was Sinn rund ums Kind macht, sei weniger geworden, so Costian. Zudem haben Experten beobachtet, dass Kinder mehr verwöhnt und überbehütet werden. Auch wird eher mit den Kindern diskutiert anstatt klarer erzieherischer Handlungen. 

Daneben haben Eltern hohe Ansprüche an ihre Erziehung, aber nur wenig Zeit und Kraft sich damit zu beschäftigen. Damit diese Familien erst gar nicht in eine Notlage geraten, hat sich der Landkreis 2013 für die Teilnahme am Förderprogramm zur strukturellen Weiterentwicklung kommunaler Familienbildung und von Familienstützpunkten des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales beworben. 

Dafür musste der Landkreis ein Konzept zur Familienbildung erstellen, wozu auch Familienstützpunkte gehören, die dezentral im Landkreis errichtet werden, erklärte Costian. 

Mehr Alleinerziehende 

Die sollen in Buchloe, Füssen, Marktoberdorf und Obergünzburg an bereits bestehenden Einrichtungen wie Jugendzentren oder Kindertagesstätten angeschlossen werden. Hier steht ein Sozialpädagoge den Eltern in allen Fragen der Erziehung zur Seite und vermitteln sie an die passenden Beratungseinrichtungen. Der Sinn dabei sei, „das, was da ist zu nutzen und zu stärken“, erklärte Costian. 

Dabei soll die Eltern-Kind-Beziehung gestärkt werden und Eltern können sich ein Netzwerk mit anderen Betroffenen aufbauen können. 

Die Füssener scheinen solch eine Unterstützung besonders nötig zu haben. Denn laut der neuesten Sozialraumanalyse leben hier doppelt so viele Hartz-IV-Empfänger als im Land-kreisdurchschnitt und deutlich mehr Kinder im Hartz-IV-Bezug als andernorts. 

Daneben wächst jeder vierte Minderjährige in Füssen bei einem alleinerziehenden Elternteil auf. Und die Hilfen des Jugendamtes werden in Füssen deutlich häufiger beansprucht, als dass es durchschnittlich im Landkreis der Fall ist, machte Costian klar. 

Das alles erzeuge Druck bei den Familien. Daneben seien die vielen Flüchtlinge eine ganz neue Herausforderung. Die hätten „ganz andere Vorstellungen“, was die Kindererziehung angeht, so Costian. „Wenn das Grundsätzliche schon auseinandergeht, ist es schwierig zusammenzufinden.“ In Füssen gebe es zwar verschiedene familienbildende Angebote, wie das AWO-Familienforum oder der OASE-Treff, aber die sind nicht allen bekannt, meint Costian. 

Auch ein Gesamtüberblick fehlt. Daneben gebe es keine Angebote für Familien mit Jugendlichen. 

Bringt das was? 

In dem Familienstützpunkt in Füssen soll sich eine Fachkraft acht Wochenstunden lang mit den Familien beschäftigen. 

Das sei viel zu wenig, fand Metzger. „Es ist sehr in Frage zu stellen, ob das was bringt.“ Da man doch sehe, dass Füssen ein Brennpunkt sei, könne man gleich die Wochenstundenzahl aufstocken. 

Doch dem erteilte Mayer eine Absage. Man könne zwar nicht aus dem Vollen schöpfen, aber für ein Präventivangebot seien die Investitionen doch sehr hoch. Außerdem habe sich in den Modellstützpunkten in Kaufbeuren, „ganz viel daraus entwickelt“, so Costian, obwohl hier nur sechs Wochenstunden zur Verfügung stehen. 

Weniger mit der Zeit als mit den Kosten hatten Ursula Lax (CSU) und Andreas Ullrich (FW) ein Problem. Das Landratsamt bezuschusst zwar die Personalkosten mit maximal 12.000 Euro pro Jahr und für familienbildende Angebote, wie beispielsweise ein Familien-frühstück, stellt es ein jährliches Budget von 2000 Euro zur Verfügung. 

Die Raum- und die Sachkosten sowie die Anschaffung der Erstausstattung für den Familienstützpunkt bleiben jedoch an der Stadt Füssen hängen. Da es sich hier um ein Angebot für die Region handelt, schlug Lax vor, die Kosten auf die Kommunen zu verteilen, deren Bewohner die Hilfe in Anspruch nehmen. 

Doch die werden wohl gar nicht so hoch ausfallen. Denn laut Costian und Bürgermeister Paul Iacob (SPD) hat sich die AWO bereiterklärt den Stützpunkt im Familien-Café zu integrieren. Zahlen zuerst prüfen Auch eine geeignete Fachkraft, die ihre Stundenzahl aufstocken könnt, steht bereit. 

„Es ist alles da. Die Räume stehen uns kostenlos zur Verfügung“, so Iacob. Pro Jahr würden dann wohl nur noch 3000 bis 4000 Euro anfallen. Über die exakten Ausgaben soll dann aber trotzdem der Finanzausschuss abstimmen. Dennoch blieb Ullrich bei seiner Meinung: „Ich tue mir hart, das zu befürworten, wenn nicht harte Zahlen vorliegen.“

Katharina Knoll

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