Vom Krankenbett zum Ironman

Rainer Coordes beim Challenge Triathlon in Roth. Foto: Coordes

Füssen – Ein Verkehrsunfall vor 25 Jahren machte Rainer Coordes beinahe zum Invaliden. Doch er gab nicht auf und setzte seine Triathlonkarriere fort. Um für Rücksichtnahme im Straßenverkehr zu werben, will er nun in einer Woche von Flensburg nach Füssen radeln und dabei Spenden sammeln.

Weil sie laut Zeugen nach einem Feuerzeug gesucht hatte, verlor die Autofahrerin die Kontrolle über ihr Fahrzeug, fuhr mit 70 km/h auf die Gegenfahrbahn und den Radweg, auf dem gerade Coordes unterwegs zur Arbeit war. Das Auto hatte nach dem Crash einen Totalschaden, Coordes wurde schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Obwohl er einen Helm getragen hatte, erlitt der Hildesheimer einen Schädelbruch und viele weitere Frakturen. Der 24-Jährige war damals schon Triathlet und in einem Team der zweiten Bundesliga aktiv. „Die Ärzte meinten damals, wenn ich nicht so gut trainiert gewesen wäre, wäre ich zum Krüppel geworden“, sagt Coordes heute. 

Dennoch war der Weg zurück steinig. Acht Wochen lag er im Krankenhaus, danach folgten sechs Wochen Reha. Insgesamt war er ein Dreivierteljahr arbeitsunfähig. Auch privat traf es den jungen Mann in einer schwierigen Situation. Er steckte mitten in der Meisterprüfung, seine Ehefrau war im fünften Monat schwanger. Aber, „ich bin ein Steh-auf-Männchen“, sagt Coordes. Er war damals in einem Alter, in dem man „voll fit ist“. Als er dann plötzlich in einem Krankenbett lag, „von 100 auf Null”, dachte er sich , „ nein, das kann es nicht gewesen sein.“ Coordes kämpfte sich zurück und bestritt drei Jahre später seinen ersten Langdistanz-Triathlon. Dem folgten 19 beendete Ironmans und Challenge-Triathlons, unzählige Sprint-, Kurz-, Mitteldistanz-Triathlons, einige Volksläufe von fünf Kilometer bis zum Marathon und einen Ausflug auf die Triathlon-WM-Kurzstrecke in London 2013.

Für Aufmerksamkeit im Straßenverkehr werben

Bis heute lebt Coordes allerdings mit Folgeschäden. „Ich habe kleinere Handicaps, bin ein bisschen wetterfühliger“. Außerdem kann der Fotograf seine Arme nicht mehr gerade ausstrecken. „Ein Schwimmtrainer würde verzweifeln an mir“, scherzt der 49-Jährige. Heuer wird Coordes 50. Jahre alt, sein Unfall jährt sich zum 25. Mal. Beim Lauftraining kam er vor kurzem zufällig auf die Strecke, auf der damals der Crash passiert ist. Dabei entwickelte sich die Idee zu seiner persönlichen Deutschlandtour, mit der er für mehr Rücksicht und Aufmerksamkeit im Straßenverkehr werben möchte. „Dazu wird auch ein Spendenkonto bei der ZNS – Hannelore-Kohl-Stiftung eingerichtet sein, denn es gibt Menschen, die hatten nicht soviel Glück wie ich oder noch keinen Fahrradhelm.“ 

Am Karfreitag fährt er deshalb mit dem Auto von Hildesheim nach Flensburg und von dort geht es dann mit seinem Triathlonrad und einem Begleitfahrzeug Richtung Süden. Laut Google betrage die Strecke 993 Kilometer. Da er allerdings mit technischen Problemen kämpft, werde erst die Realtität zeigen, wie viele Kilometer er im Endeffekt zurücklegen wird, erklärt Coordes.

200 Kilometer am Tag radeln

Insgesamt rechnet Coordes mit einer Strecke um die 1000 Kilometer. Sein Plan sei etwa acht Stunden täglich zu radeln und dabei knapp 200 Kilometer zurückzulegen, damit er am Dienstag, 22 April, zwischen 17.30 und 18 Uhr im Hof des ehemaligen Klosters St. Mang in Füssen ankommt. Auf seine Deutschlandtour hat er sich nicht anders vorbereitet als auf einen Ironman. Allerdings habe er das Schwimmen weggelassen, so der Fotograf. „Vergangenen Donnerstag bin ich aus dem Stand 150 Kilometer gefahren, ohne am nächsten Tag platt zu sein. Ich glaube, dass das gut klappen wird“, sagt der 49-Jährige. Über seine Fahrt wird er täglich in seinem Blog berichten, der ab 14. April online ist. 

Informationen zu Rainer Coordes gibt es unter www. rainer-coordes.de. Genaueres zur Stiftung finden Interessierte unter www.hannelore-kohl-stiftung.de. kk

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