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Seeger Bürgermeister Markus Berktold muss in U-Haft - Rathaus steht unter Schock

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Von: Riccarda Gschwend, Matthias Matz

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Markus Berktold
Wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs ist der Seeger Bürgermeister Markus Berktold am Mittwoch vorläufig festgenommen worden. © Archiv/Bernhard Schmid

Der Seeger Bürgermeister Markus Berktold ist wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs vorläufig festgenommen worden. Hier lesen sie die neuesten Entwicklungen.

Seeg/Nürnberg – Wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs hat die Kripo Kempten am gestrigen Mittwoch den Seeger Bürgermeister Markus Berktold vorläufig festgenommen. Mittlerweile sitzt der Rathauschef in U-Haft.

Dem CSU-Politiker wird vorgeworfen, zusammen mit dem ehemaligen Leiter des Seeger Caritasheims die Pflegekasse um insgesamt 1,1 Millionen Euro betrogen zu haben. Berktold ist seit Januar 2020 als Geschäftsführer des Caritasheims und dessen Nachfolgeorganisationen tätig.

Markus Berktold muss in U-Haft

Wie Oberstaatsanwalt Matthias Held, Sprecher der zuständigen Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG), am späten Nachmittag mitteilte, hat eine Haftrichterin heute Haftbefehl gegen den Seeger Bürgermeister Markus Berktold erlassen. Das heißt, der CSU-Kommunalpolitiker muss in Untersuchungshaft (U-Haft)

Der bereits bestehende Haftbefehl gegen den ehemaligen Leiter des Seeger Caritasheims wurde demnach ebenfalls vollzogen. Offenbar wird bei beiden Beschuldigten Fluchtgefahr wegen der zu erwartenden hohen Strafe im Falle einer Verurteilung gesehen. Beide Beschuldigten werden Held zufolge noch heute in verschiedene Gefängnisse gebracht.

Laut dem Behördensprecher drohen Angeklagten bei gewerbsmäßigem Betrug bei einer Verurteilung pro Fall sechs Monate bis zehn Jahre Haft.

Entsetzen im Seeger Rathaus

Im Seeger Rathaus ist das Entsetzen seit Bekanntwerden des Falls groß.

Geschäftsstellenleiterin Carolin Chilian war am Mittwochmorgen die Person, die der Polizei im Seeger Rathaus die Tür aufgesperrt hat. „Ehrlich gesagt dachte ich zuerst, es geht um einen Besprechungstermin. Mit einer Durchsuchung rechnet man ja nicht“, schildert Chilian die Situation gegenüber unserer Zeitung.

Caritasheim Seeg
Das ehemalige Caritasheim in Seeg. © Gerber

Sie ist erst seit Januar als Geschäftsstellenleiterin im Amt. Bis zum Nachmittag seien die Polizeibeamten dann vor Ort gewesen, um Unterlagen zu sichten. Die IT-Sicherung habe noch bis in die Nacht hinein gedauert.

Den Arbeitstag am heutigen Donnerstag startete man in der Verwaltung mit einer Personalversammlung, um alle Mitarbeiter zu informieren und auf den neuesten Stand zu bringen. Die Geschäfte sollen möglichst normal weiter laufen. „Wir haben ja auch noch unsere normale Arbeit“, sagt Chilian. Die Razzia und der Betrugsverdacht hätten ja nichts mit dem Rathaus und der Verwaltungsgemeinschaft Seeg zu tun, sondern richteten sich gegen die Privatperson Markus Berktold.

Wie es im Rathaus weiter geht, hängt nun laut Chilian davon ab, ob es ein Amtsenthebungsverfahren oder eine Suspendierung des amtierenden Bürgermeisters geben wird. Zweiter Bürgermeister von Seeg ist Lorenz Schnatterer. Dieser wartet nun auf weitere Anweisungen aus dem Landratsamt. „Solange werde ich die Amtsgeschäfte als Zweiter Bürgermeister in Abstimmung mit unserer Geschäftsstellenleiterin wahrnehmen“, erklärt er. „Wie es anschließend weitergeht, können wir hoffentlich zeitnah abstimmen und werden die anstehenden Aufgaben, zusammen mit unserem Ratshausteam, motiviert angehen.“

CSU-Kreisvorsitzende Angelika Schorer ist geschockt

Die Ostallgäuer CSU-Kreisvorsitzende Angelika Schorer äußerte sich gegenüber dem Kreisboten geschockt angesichts der vorläufigen Festnahme des CSU-Mannes Markus Berktold. „Das sind ganz schwerwiegende Vorwürfe“, sagte sie am Donnerstagnachmittag. Die CSU im Ostallgäu habe in ihren Reihen einen solchen Fall noch nie gehabt.

Angelika Schorer Pressefoto
Angelika Schorer ist nach eigener Aussage geschockt angesichts der Vorwürfe gegen ihren Ostallgäuer Parteikollegen. © Büro Schorer

Allerdings gelte auch für Berktold, der für die CSU im Ostallgäuer Kreistag sitzt, zunächst die Unschuldsvermutung. Sie hoffe auf eine schnelle Klärung der Vorwürfe durch die Ermittlungsbehörden. „Ich wünsche mir eine lückenlose Aufklärung“, so Schorer.

Dass der Fall Berktold Auswirkungen auf den anstehenden Landtagswahlkampf der heimischen Christsozialen haben könnte, glaubt sie nicht. „Das ist das Vergehen einer Einzelperson“, sagte sie. Einen Bezug zur Partei gebe es nicht. Sie gehe davon aus, dass Berktold sein Kreistagsmandat bis zur Klärung des Falls ruhen lässt.

+++ Ursprunggsmeldung +++

Kripo nimmt Bürgermeister Markus Berktold wegen Betrugsverdachts vorläufig fest

Wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs hat die Kripo Kempten am Mittwoch den Seeger Bürgermeister Markus Berktold vorläufig festgenommen. Dem CSU-Politiker wird vorgeworfen, zusammen mit dem ehemaligen Leiter des Seeger Caritasheims die Pflegekasse um insgesamt 1,1 Millionen Euro betrogen zu haben.

Das bestätigte Oberstaatsanwalt Matthias Held, Sprecher der Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG) in Nürnberg, gegenüber dem Kreisboten.

Neben Berktold wurde im Zuge einer Razzia auch ein ehemalige Leiter des Seeger Caritasheims festgenommen. Beide sollen am Donnerstagmittag der zuständigen Ermittlungsrichterin in Nürnberg vorgeführt werden. Diese muss entscheiden, ob der Kommunalpolitiker, der auch für die CSU im Ostallgäuer Kreistag sitzt, weiter in Haft bleibt

Ermittelt wird zudem gegen eine nicht weiter genannte Frau.

Konkret verdächtigt die ZKG Berkthold und den Ex-Heimleiter, zwischen Mai 2020 und dem Juni des vergangenen Jahres mehrmals Scheinrechnungen erstellt und so unrechtmäßig die Erstattung von coronabedingten Mehraufwendungen bei der zuständigen Pflegekasse abgerechnet zu haben – selbst dann noch, als das Heim schon längst geschlossen war. Dabei sollen die beiden gewerbsmäßig gehandelt haben, so der Vorwurf.

So sollen die beiden Ausgaben etwa für Corona-Tests, Hygienehandschuhe oder den coronabedingten Ausfall von Mitarbeitern abgerechnet haben, obwohl diese Kosten niemals angefallen sind, erläuterte Held auf Nachfrage.

Den dadurch der Pflegekasse und dem „Pflege-Rettungsschirm” entstandenen Schaden beziffert die ZKG auf rund 1,1 Millionen Euro.

Schwere Vorwürfe gegen Markus Berktold

Ferner werfen die Ermittler dem Heimleiter vor, bis Ende 2021 durch Scheinrechnungen über 110.000 Euro an Firmengeldern zu seinen Gunsten veruntreut zu haben. Dabei soll ihm die Frau in mehreren Fällen geholfen haben.

Ohnehin stand offenbar zunächst vor allem der ehemalige Leiter des Caritasheims im Fokus der Ermittler, wie Oberstaatsanwalt Matthias Held erläuterte. Gegen ihn hatte die Ermittlungsbehörde bereits im vergangenen Jahr einen Haftbefehl beantragt, den das Amtsgericht Nürnberg einen Tag vor Heilig Abend ausstellte.

Erst im Zuge der Durchsuchung mehrerer Einrichtungen – darunter das Cariatsheim und das Seeger Rathaus – hätten die Ermittler am gestrigen Mittwoch Erkenntnisse gewonnen, die schließlich auch zur vorläufigen Verhaftung Berktolds führten. „Es haben sich weitere Umstände ergeben“, sagte Held.

Im Zuge der Razzia haben die Ermittler Held zufolge auch zahlreiche Unterlagen und Dokumente sicher gestellt. „Diese werden derzeit gesichtet und ausgewertet”, teilte der Behördensprecher mit. Ferner seien Arrestbeschlüsse vollzogen und Gegenstände und Konten gepfändet worden.

In Gang gesetzt hatte die Ermittlungen ein nicht näher genannter Firmenmitarbeiter. Dieser hat der Staatsanwaltschaft zufolge Anzeige erstattet.

Bei der Razzia am gestrigen Mittwoch waren neben dem zuständigen Oberstaaatsanwalt der ZKG rund 50 Beamte der Kripo Kempten im Einsatz.

Der Jurist Markus Berktold war 2014 erstmals zum Bürgermeister von Seeg gewählt worden. Bei der Kommunalwahl 2020 bestätigten die Seeger ihn im Amt. Außerdem sitzt der Kommunalpolitiker für die CSU im Ostallgäuer Kreistag.

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