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Rechner-Erfinder Konrad Zuse: »Er war ein Pionier«

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Von: Chris Friedrich

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Manfred Paul
Manfred Paul © Chris Friedrich

Füssen – Vor 80 Jahren begann das Computerzeitalter, ausgehend von Hopferau. Dem Rechner-Erfinder Konrad Zuse ist auch Manfred Paul begegnet. Paul war damals ein junger Doktor der Mathematik und machte Karriere als erster Informatik-Professor an einer deutschen Universität. Heute verbringt seinen Ruhestand in Füssen, wo ihn der Kreisbote besuchte.

Wer glaubt, „die Informatik“ habe es an den deutschen Hochschulen schon immer gegeben, attestiert indirekt den Pionieren wie dem seinen Ruhestand in Füssen genießenden Professor Dr. Manfred Paul ihren nachhaltigen Erfolg. Diplomierte Mathematiker wie der heute 89-jährige Paul und Ingenieure wie Konrad Zuse (1910-95) mit bäuerlicher Werkstatt in Hopferau sind dafür verantwortlich, dass Technik nahezu alle Lebensbereiche in modernen Staaten veränderte. Die Auswirkungen bekam auch Pauls Ehefrau Maja zu spüren, die im kaufmännischen Bereich tätig war und lernen musste, einen Computer zu bedienen. Paul und Zuse pflegten geschäftliche Kontakte, wie sich der Wahl-Füssener erinnert.

Informatik dient der systematischen Verarbeitung von Informationen, besonders der automatischen Verarbeitung mithilfe von Computern. Dass Zuse in Hopferau seinen Apparat „Z4“ – Nachfolger des zerstörten, aber patentierten Z3 – bis ins Jahr 1941 zum Laufen brachte, fand nicht unter den Augen der Dorfbewohner statt. Hochschullehrer Paul, der mit Computerpionier Zuse in den 1950er Jahren Geschäftsbeziehungen pflegte, erklärt als Zeitzeuge im Gespräch mit unserer Zeitung in Füssen-West: Dieser Konrad Zuse sei ein „außerordentlich fähiger Ingenieur seiner Zeit gewesen“. Den technisch hochbegabten Berliner, den es ins Allgäu verschlagen hatte, steckte man in die Schublade „verrückter Erfinder“. Paul sagt voller Anerkennung: „Was Zuse damals konstruiert hatte, war eine tolle Leistung. Er war ein Pionier.“

Um technischen Fortschritt zu erzielten, tauschten sich schon damals Hochschulteams mit erfindungsreichen Einzelpersonen aus. Mathematiker Dr. Paul arbeitete als junger Wissenschaftler. Ihm brachte der Abschluss eines Technikvertrags mit dem Erfinder Zuse Geld, mit dem er sein erstes Auto – einen VW-Käfer – finanzierte. „Unser Kontakt erfolgte damals nur zwei oder drei Mal auf Geschäftsbasis, nicht privat. Es ging um Vereinbarungen über den Kauf eines Programms zur Übersetzung von Programmen in mathematisch-technischer Formelsprache in den Code eines Computers“, blickt Paul zurück.

Lange nicht anerkannt

Selbstverständlich verfolgten beide unabhängig voneinander, was sich im Feld der neu aufgestellten technischen Wissenschaft so alles tat. Hierzu gab es Veröffentlichungen. Paul weist darüber hinaus auf Weg weisende internationale Tagungen hin, zum Beispiel die 1968 in Garmisch. Die Diskussion, wem es als Erstem in der Welt gelingen konnte, einen funktionstüchtigen, vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren Rechner, und somit den ersten funktionsfähigen Computer zu bauen, sei unter internationalen Experten geführt worden. „Lange Zeit wurde Zuses geniale Leistung nicht anerkannt“, sagt Paul. „Längst jedoch steht unzweifelhaft fest, dass es Zuse war, dem hier eine Pionierleistung gelungen ist.“

Zuses persönliches Dilemma laut Paul: er konnte als Ingenieur 100-prozentig überzeugen, „ein nachhaltig erfolgreicher Geschäftsmann war er nicht!“ Wie Paul unterstreicht, sei es schön, dass man an Zuse, den es aus Hopferau weiter zog, im Allgäu erinnert. Was vor 80 Jahren ungläubiges Staunen hervorrief, lässt sich im Schloss zu Hopferau in einer Doku-Schau nachvollziehen. Der Erfinder hatte seine Motivation, eine solche Apparatur zu bauen, damit begründet: er sei selbst zu faul zum Rechnen.

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