Freunde König Ludwigs II. treffen sich in Schwangau

Das Tagebuch des Leibarztes

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Sepp Schleicher referiert beim Treffen der Freunde König Ludwigs II. über bisher unveröffentlichte Unterlagen des königlichen Leibarztes Max Schleiß von Löwenfeld.

Schwangau – Zum 16. Mal haben sich jetzt die Freunde König Ludwigs II. in Schwangau getroffen.

Neben einem Ausflug im Ludwigsland standen auch zwei Vorträge auf dem Programm der Königstreuen, die sich 2002 erstmals rund um den Todestag des bayerischen Märchenkönigs trafen. Diesmal ging es um die „Ludwig Verschwörung“, ein Buch von Oliver Pötsch, sowie um bisher unveröffentlichte Unterlagen und Skripten des Leibarztes Ludwigs II., Max Schleiß von Löwenfeld. 

Das Buch als solches ist schon eine Besonderheit: Ein blauer Einband, verziert mit Elfenbeinschnitzereien, die Schwäne zeigen und Lohengrin in einem Schuber.

Auch die Tatsache, dass der einstige Besitzer es von König Ludwig II. am Valentinstag 1873 geschenkt bekommen hat, macht es wertvoll. Die größte Besonderheit aber ist sein Inhalt. Verrät er doch einiges über den Besitzer, noch mehr aber über König Ludwig II. 

Der Besitzer war Dr. Max Schleiß von Löwenfeld, einer der Leibärzte des bayerischen Märchenkönigs. Er hat in diesem Buch, fast wie in einem Tagebuch, die Zeit mit dem König und auch danach, dokumentiert. Allerdings in der für einen Arzt typischen Handschrift, wie Sepp Schleicher gleich zu Beginn seines Vortrags erzählte. 

So muss die Aufarbeitung des Tagesbuches, das dazu eine eigene Geschichte birgt, einer Kryptoanalyse gleich gekommen sein – seitenweise Wellenlinien, so Schleicher, in denen kaum ein Buchstabe auszumachen ist. 

Viele Informationen

 Schleicher ist ein treuer Ludwig-Fan. So stellte sich der Psychotherapeut aus der Oberpfalz vor. Er sammelt, was er über Ludwig findet, etwa das Buch Elmar Schmids über Friedrich Wilhelm Pfeiffer, dem Maler der Reitpferde König Ludwigs II. Und Schleicher erzählte, wie er sich auf die Spuren Ludwigs II. begab, mit seinem eigenen Pferd die Plätze aufsuchte, die im Buch dargestellt sind. 

Damals sei es um ihn geschehen gewesen, erinnerte sich Schleich an einen Begebenheit auf dem Schachen. Dabei sei er an ein anderes Buch geraten, „Die Tötung König Ludwigs II. von Bayern“ von Sigfried Wichmann. Eine Begebenheit, die langfristig zu den Erkenntnissen, die Schleicher seinen Zuhörern präsentierte, führen sollte. Denn Wichmann, Konservator an der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, war Besitzer zahlreicher Dokumente aus der Zeit Ludwigs. 

Er dokumentierte sogar den inzwischen verschollenen Triptychon, der den toten König kurz nach dessen Ableben im Bootshaus in Schloss Berg zeigen soll. Es ist eine Fülle von Informationen, die Schleicher seinem Publikum präsentierte, seine eigene Arbeit wie die Wichmanns, der auf eigene Kosten das Buch verlegte. 

Schleicher nahm Kontakt auf. Er wollte Wichmann kennen lernen und mehr über die Dokumente erfahren, die Wichmann besitzen könnte. Nach dem Tod Wichmanns Ende 2016 konnte Schleicher die Dokumente entgegennehmen, wenngleich nicht alle mehr vorhanden waren. Zumindest die beschriebenen Briefe, Grundlage für Wichmanns Arbeit, fehlten. 

Dafür aber stürzte sich Schleicher auf das Tagebuch und entziffert die Einträge. Und wurde doch noch fündig: Im Futter des Buches fand er den Entwurf eines Briefes, den der Leibarzt drei Tage vor Ludwigs Tod an den deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck aufgesetzt hatte. Und in dem er die Integrität der Urteilskraft Ludwigs verteidigte, seine Einschätzung des Gesundheitszustandes Ludwigs wiedergab und über die wahren Verräter schrieb. 

Ein unbekanntes Bild 

Schleicher zeichnete mit Hilfe des Leibarztes und dessen Erinnerungen erstmals ein neues und zu Teilen unbekanntes Bild Ludwigs, das aber auch den Leibarzt, vor allem nach dem Tode Ludwigs, charakterisiert. Es ist der Kürze der Zeit, gerade einmal sechs Monate, geschuldet, dass vieles noch nicht verifiziert ist, etwa der Brief an Bismarck, und weiterer Arbeit bedarf. Aber auch so konnte Schleicher das Treffen der Freunde König Ludwigs bereichern und dürfte wohl bald auch, neben dem Buch Wichmanns und dessen Erkenntnissen, auch ein eigenes zur Sammlung der Bücher über König Ludwig hinzufügen.

gau

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