Regensburg als Vorbild

Die Füssener Stadtverwaltung und der Stadtrat wollen Ordnung in die Gestaltung der Altstadt bringen. In den kommenden Monaten soll eine neue Werbeanlagen- und Sondernutztungssatzung entstehen, die dafür sorgt, dass das Erscheinungsbild der Geschäfte inklusive Werbung und Auslagen der historischen gerechter werden. Das brachte der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag vergangener Woche auf den Weg. Als Vorbild soll ein Gestaltungshandbuch der Stadt Regensburg dienen.

Die bisherige Werbeanlagensatzung wird nicht geändert, sondern abgeschafft, stellte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) klar: „Was wir bis jetzt haben ist passé“. Für eine neue Satzung will sich die Stadt Zeit nehmen, hat sich aber bereits ein Vorbild auserkoren – die Stadt Regensburg. Die hat mit einem ganzen Gestaltungshandbuch Ordnung in ihre drei Quadratkilometer umfassende Altstadt gebracht, wie Tanja Flemming von der Regensburger Stadtverwaltung im Ausschuss erklärte. Neonröhren sind in Regensburgs Altstadt beispielsweise tabu. Wer den Namen seines Geschäfts beleuchten will, muss ihn indirekt mit Lampen anstrahlen. Auch die Laden-Schilder selbst sind reglementiert: 40 Zentimeter hoch und aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt dürfen sie an der Fassade zu lesen sein. Wer quer zum Gebäude einen Leuchtkasten anbringt, dem droht ein Bußgeld. Auch hier gilt: der Schriftzug muss indirekt beleuchtet werden, selber leuchten ist verboten, „sonst leuchten am Ende nur die Werbeschriften in der Altstadt“, erläuterte Flemming. Dreieckständer, so genannte Kundenstopper, sind als Werbemittel komplett untersagt. Für Gaststätten gilt: Das Menü auf einer Kreidetafel ist okay, solange die Tafel nicht noch nebenbei für anderes als eine Brauerei wirbt. Waren vor den Geschäften müssen überschaubar sein – und das im wahrsten Sinne des Wortes. 1,40 Meter ist die maximale Höhe für Auslagen. Kompromisse sind möglich, denn Postkartenständer in 1,40 Metern gibt es nicht zu kaufen. Wer höhere aufstellt, muss dafür die Breite seiner Auslagen zurückfahren. Schmale Geschäfte dürfen laut Flemming in Regensburg einen größeren Teil ihrer Breite für Auslagen nutzen, als von vornherein breitere Geschäfte. Bei den Auslagen wird Füssen ein Problem lösen müssen, das bereits seit Jahren besteht und ungelöst ist. Denn direkt an den Gebäuden hat man Steinplatten statt dem üblichen Kopfsteinpflaster verlegt. Das soll Kinderwägen, Rollstühlen und Rollatoren eine ruckelfreie Fortbewegung gewährleisten. Genau auf diesen Platten machen sich derzeit jedoch die Warenkörbe- und Ständer breit. Ein gut zu befahrender Mittelstreifen wäre nach Ansicht von Hannelore Semmlin-Leix (SPD) aber keine Lösung, sie halte die Menschen mit Behinderung von den Geschäften fern. In der Tat, so Flemming, sei die Barrierefreiheit ein Problem, sie „ist nicht immer möglich“. Für die Regensburger Altstadtgastronomen gelten noch weitere Regeln: Ihre Bestuhlung im freien muss filigran sein, Bierbänke sind nicht erlaubt, ebenso wenig wie Werbung auf den Schirmen. Hier gestand Flemming auch Fehler in der Vergangenheit ein. Die Bauverwaltung habe über Jahre auf einem ganz bestimmten Stuhlmodell bestanden, heute sei man da kulanter. Es gibt allerdings in der Oberpfalz-Metropole einen Bestandschutz, wie Stadtrat Herbert Dopfer (Füssen-Land) auf Nachfrage erfuhr. Die Ladenbesitzer wurden nicht gezwungen, ihre Werbeanlagen wegzuwerfen und gemäß den neuen Vorgaben neu anzuschaffen. „Es gibt aber einige Anlagen aus den 60er und 80er Jahren, die wir heute so nicht mehr genehmigen würden“, erklärte Flemming. In den Entwicklungsprozess will Bürgermeister Paul Iacob erst die Interessensverbände wie etwa den Bund der selbständigen oder die Füssener Werbegemeinschaft einbeziehen, bevor Entscheidungen getroffen werden.

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