Wengert will Region entlasten

Wengert schlägt Ticketbegrenzung für Reisegruppen auf Schloss Neuschwanstein vor

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Schloss Neuschwanstein ist und bleibt Bayerns größter Tourismusmagnet. Rund 1,5 Millionen Gäste besichtigten 2018 das historische Gebäude. Das hat auch Auswirkungen auf die angrenzende Gemeinde Schwangau und die Stadt Füssen.

Schwangau/Füssen –  In den Sommermonaten tummeln sich viele Touristen in Füssen. Die Folge: Viele Einheimische empfinden die Stadt als überlaufen. Da vor allem Reisegruppen negativ auffallen, schlug der Kreisrat Dr. Paul Wengert (SPD) vor, deren Zahl auf Schloss Neuschwanstein zu begrenzen.

„Mit viel Mühe haben wir erreicht, dass wir einer der stärksten Urlaubsdestinationen in Bayern sind“, erklärte Wengert. Seit Jahren verzeichnet Füssen Tourismus und Marketing (FTM) einen stetigen Zuwachs sowohl bei den Übernachtungen als auch bei den Gästezahlen. Im vergangenen Jahr registrierte FTM rund 1,5 Millionen Übernachtungen (ein Plus von 5,2 Prozent im Vergleich zu 2017). Die Gästezahlen beliefen sich auf rund 560.000 (ein Plus von 7,9 Prozent). Doch von den Touristen, die Füssen besuchen, sind zwei Drittel Tagesreisende. Das haben im vergangenen Jahr Untersuchungen der Stadt Füssen, IHK Schwaben, Uni Augsburg und Hochschule Kempten zur Entwicklung der Füssener Innenstadt ergeben (der Kreisbote berichtete). Vor allem die Zahl der Reisegruppen habe in diesem Zusammenhang in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen, so der ehemalige Füssener Bürgermeister Paul Wengert im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Folge: „Viele fühlen sich nicht mehr wohl in der Fußgängerzone“, sagte der Kreisrat – auch wenn er persönlich das ganz anders empfinde. „Ich finde es schön, wenn´s pulsiert.“ 

Wengerts Eindruck haben die Befragungen im Zuge der Innenstadt-Untersuchungen bestätigt: Die Mehrheit der befragten Einheimischen empfindet die Stadt in der Hauptsaison als überlaufen. „Noch ist alles im grünen Bereich“, hatte bei der Vorstellung der Untersuchungen Prof. Dr. Alfred Bauer von der Hochschule Kempten dazu erklärt. „Aber wehret den Anfängen!“ 

Vernünftiges Verhältnis 

Da viele dieser Tagesgäste wegen Schloss Neuschwanstein in die Region kommen und anschließend noch durch Füssen schlendern, schlägt Wengert vor, die Zahl der Reisegruppen, die das Märchenschloss besuchen, zu begrenzen. Würde die Bayerische Schlösserverwaltung nur ein bestimmtes Ticketkontingent für diese bereithalten, würde „auch der Druck aus Schwangau und Füssen herausgenommen werden“, ist der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete überzeugt. Daneben würde sich ein „vernünftiges Verhältnis von Reisegruppen und Individualtouristen“ auf dem Schloss ergeben, dem dies auch gut tun würde. 

Setzen doch die jährlich rund 1,5 Millionen Besucher zusammen mit dem rauen, alpinen Klima dem historischen Schloss und seinem Mobiliar stark zu (der Kreisbote berichtete). Vor allem während der Sommermonate ist der Andrang groß. Bis zu 7000 Besucher schauen sich im August täglich das Schloss an. Dann startet zwischen 9 Uhr und 18 Uhr alle fünf Minuten eine Führung. Deshalb sollte die Besucherzahl an den besonders stark frequentierten Tagen begrenzt werden, schlägt Wengert vor. Wenn es für Reisegruppen nur ein bestimmtes Kartenkontingent gebe, würde sich die Zahl der Reisebusse nicht nur am Schloss, sondern auch in Schwangau und Füssen verringern, so seine Folgerung. 

Daneben hätten Individualtouristen eher die Chance, an Tickets für das Schloss zu kommen. Aktuell können Interessierte täglich 60 Prozent der Eintrittskarten vorab reservieren, die restlichen 40 Prozent gehen in den Tagesverkauf. Und an manchen Tagen können die bereits mittags weg sein. 

Druck erhöht sich 

Das Schloss an einem bestimmten Tag komplett zu schließen, so wie das Kreisrat Hubert Endhardt (Grüne) aus den gleichen Gründen im Mai vorgeschlagen hatte, davon hält Wengert jedoch nichts. „Der Druck würde sich auf die anderen sechs Tage deutlich erhöhen.“ 

Das sieht auch die Bayerische Schlösserverwaltung so. „In der Gesamtbetrachtung würde ein Schließtag pro Woche leider keine deutliche Verbesserung der Situation schaffen“, heißt es von Seiten der Behörde. „Darüber hinaus erwarten internationale Besucher bei hochrangigen Objekten eine tägliche Besichtigungsmöglichkeit zu den ,Standardöffnungszeiten‘.“ 

Keine Unterscheidung 

Und dabei werde nicht zwischen Individualtouristen oder Reisegruppen unterschieden, heißt es dazu weiter aus der Pressestelle der Schlösserverwaltung in München. Das sei kein Kriterium bei der Ticketvergabe. „Das Limit sind die Anzahl der maximalen Führungen, die an einem Tag angeboten werden können.“ Um das Schloss und eine Originaleinrichtung zu erhalten und zu konservieren, lässt die Schlösserverwaltung zusammen mit dem Staatlichen Bauamt Kempten das Schloss derzeit in großem Umfang restaurieren. „Damit kann der große Besucherandrang auf Schloss Neuschwanstein besser organisiert und das Schloss mit seiner Einrichtung bestmöglich erhalten werden“, erklärte eine Sprecherin der Schlösserverwaltung. 

Arbeiten an Buskonzept 

Dem staugeplagten Füssen hilft das allerdings nichts. Ein Buspark-Konzept, wie es das in anderen Tourismusstädten bereits gibt, könnte hier Abhilfe schaffen, meinte Wengert. „Das sollte entwickelt und schnell umgesetzt werden“, so der Kreisrat. Aber: „vor allem an Letzterem habe ich große Zweifel.“ 

Bereits im März hatte die CSU Füssen ein entsprechendes Konzept im Verkehrsausschuss vorgestellt (der Kreisbote berichtete). Das wollte die Verwaltung zusammen mit allen Stadtratsfraktionen weiterentwickeln. Nach Informationen unserer Zeitung hat sich der dafür gegründete Arbeitskreis bisher aber nur einmal getroffen.  

Trotz aller Belastungen appellierte Wengert, den Frust darüber nicht an den Gästen auszulassen. „Wir stehen auch dafür, wie die Gäste Bayern beziehungsweise Deutschland wahrnehmen.“

kk

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