Bürger kritisiert fehlende Rücksicht auf Radfahrer in der Mariahilfer Straße

Fahrradstraße: "Das ist ein Schildbürgerstreich"

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Anwohner beklagen, dass die Mariahilfer Straße von Autofahrern nicht als Fahrradstraße akzeptiert werde.

Füssen – Mit der Ausweisung der Mariahilfer Straße als erste Fahrradstraße auf Probe betrat die Stadtverwaltung im September 2016 auf hartnäckiges Drängen des „Arbeitskreis Rad“ Neuland. Doch auch eineinhalb Jahre später scheint die Bedeutung einer solchen Fahrradstraße in den Köpfen der Füssener noch nicht angekommen zu sein

Das kritisierte jedenfalls Anwohner Reinhard Thurnhofer vergangene Woche in der Bürgersprechstunde des Stadtrates. Die Polizei bestätigt seine Einschätzung zumindest teilweise. Sinn und Zweck einer Fahrradstraße sind, die Sicherheit für Radfahrer zu erhöhen. So dürfen Radfahrer in Fahrradstraßen auch nebeneinander fahren, wie Thomas Meiler, Verkehrsexperte der Füssener Polizei, auf Nachfrage des Kreisbote erläuterte. „Die Radfahrer haben ein bisschen mehr Rechte.“ 

Grundsätzlich gilt in als Fahrradstraße ausgewiesenen Straßen eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h für alle Fahrzeuge. Mit dem Auto darf eine Fahrradstraße dagegen nur befahren werden, wenn dies durch Schilder gesondert erlaubt wird. Das ist in der Mariahilfer Straße der Fall. 

Und genau hier liege das Problem, kritisierte Thurnhofer vergangene Woche in der Bürgersprechstunde im Anschluss an die reguläre Stadtratssitzung. In ihrer jetzigen Form sei die dortige Fahrradstraße „ein Schildbürgerstreich“, ereiferte er sich. „Diese Straße wird von den Autofahrern nicht als Fahrradstraße akzeptiert!“ Deshalb schlug er vor, zusätzlich ein Tempo-30-Schild aufzustellen oder eine entsprechende Grafik auf die Straße zu malen. 

Das sehe der Gesetzgeber jedoch nicht vor, erläuterte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Eine Fahrradstraße bedeute immer eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h für alle Verkehrsteilnehmer, erklärte er. Außerdem, so Thurnhofer, sei die neue Fahrradstraße seinerzeit bei ihrer Einführung nicht genug der Öffentlichkeit erklärt worden. Daher sollte dies im städtischen Blatt „Blickpunkt Rathaus“ noch einmal in einem gesonderten Artikel erläutert werden, forderte er. 

Darüber hinaus stelle sich ihm die Frage, warum die Mariahilfer Straße nicht in den verkehrsberuhigten Bereich im Füssener Westen miteinbezogen werde. Das hätte den Vorteil, dass dort automatisch Tempo 30 und Rechts-vor-Links gelten. Iacob sicherte ihm zu, dass das Thema noch einmal im „Blickpunkt Rathaus“ aufgegriffen werden soll. Davon abgesehen, sei eine mögliche Einbindung der Mariahilfer Straße in den verkehrsberuhigten Bereich bereits in Planung und werde womöglich schon in der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses im April behandelt werden können. 

"Weder positiv noch schlecht"

Doch wie bewertet die Füssener Polizei das Experiment Fahrradstraße in der Mariahilfer Straße? Zunächst einmal gar nicht. „Unsere Erfahrung ist weder positiv noch schlecht“, so Verkehrsexperte Thomas Meiler. Bislang gebe es keine Meldungen oder Beschwerden. Grundsätzlich gelte aber, dass es die Möglichkeit von Fahrradstraßen erst seit wenigen Jahren gebe und diese daher wohl noch nicht im Bewusstsein aller Verkehrsteilnehmer angekommen sei. „Viele kennen die rechtliche Bedeutung einer Fahrradstraße gar nicht“, sagte er. Selbst die Fahrschulen würden erst allmählich beginnen, das Thema in der Ausbildung zu behandeln. Wer bereits vor einigen Jahren den Führerschein gemacht habe, könne also womöglich mit dem Begriff Fahrradstraße gar nichts anfangen.

Matthias Matz

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