Rekord-Etat für Pflichtaufgaben

Einen „Rekordhaushalt“ von 24,5 Millionen Euro hat Kämmerin Brigitte Antretter am Donnerstag vergangener Woche dem Pfrontener Gemeinderat präsentiert. Der Vermögenshaushalt, aus dem die Gemeinde ihre Investitionen bestreitet, ist mit 9,3 Millionen Euro so stark wie noch nie und mehr als doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr. Extravaganzen kann sich die 13-Dörfer-Gemeinde trotzdem nicht leisten: das Geld fließt fast ausschließlich in anstehende Pflichtaufgaben. Unterm Strich vergrößert Pfronten sogar seinen Schuldenberg.

Die Fraktionsvorsitzenden, die traditionell den Haushalt kommentierten, waren sich einig: Antretter hat ganze Arbeit geleistet, die Nettoneuverschuldung von rund 731 000 Euro sei gerechtfertigt. Einstimmig sagten die Räte Ja zu dem über 400 Seiten starken Zahlenwerk. Hervorstechend ist vor allem der über neun Millionen Euro schwere Vermögenshaushalt. „Ein Kraftakt“, urteilte die Kämmerin angesichts der Größe Pfrontens. Geprasst wird dennoch nicht, denn die Liste der Projekte, die dieses Geld verschlingen, ist gar nicht mal lang. Da wären allen voran die Ortsumfahrung Kappel, die nach 40 Jahren nötigen Kanalbauarbeiten, die Hochwasserschutzmaßnahmen, die Sanierung des Eisstadion-Daches. Für Rücklagen wird daher nichts über bleiben, im Gegenteil. Eine Million Euro Schulden tilgt die Gemeinde, nimmt aber 1,7 Millionen an Krediten auf, so dass die Verbindlichkeiten nun insgesamt 13,5 Millionen Euro oder 1712 Euro pro Einwohner betragen. Das Steueraufkommen bezeichnete Antretter als nur mittelmäßig hoch, die Gewerbesteuereinnahmen seien mit zwei Millionen Euro weiterhin mager. Wie in den vergangenen beiden Jahren liegen sie hinter der Einkommensteuer auf Platz zwei. Die niedrigen Steuereinnahmen der vergangenen Jahre führten heuer jedoch zu einer um eine Million niedrigeren Kreisumlage zudem bekommt Pfronten erstmals seit 2004 wieder Schlüsselzuweisungen, die rund 350.000 Euro ausmachen. Der Verwaltungshaushalt, aus dem die Gemeinde quasi ihre laufenden Kosten finanziert, ist nicht wie vergangenes Jahr in Schieflage geraten. Aus ihm fließt heuer ein Überschuss von rund einer Million Euro in den Vermögenshaushalt. „Wir haben mutige Entscheidungen durchgebracht, was sich in der Krise ausgezahlt hat“, kommentierte Bürgermeister Beppo Zeislmeier (SPD) das finanzielle Tal der vergangenen zwei Jahre. Der gestiegene Hebesatz der Kreisumlage freute den Rathauschef jedoch nicht, er sieht auch die Kreisverwaltung in der Verantwortung: „Die Kreiskliniken müssen auf Reihe gebracht werden“, mahnte Zeislmeier, der auch Kreisrat ist. CSU-Fraktionsvoritzender Peter Scholz lobte die Arbeit der Kämmerin, mahnte jedoch Handlungsbedarf beim Ortsbus an. Zeiten und Routen müssten überarbeitet werden. „Leider arbeitet das Blockheizkraftwerk im Alpenbad noch nicht und bringt noch keine Entlastung“, erklärte er darüber hinaus. Dr. Otto Randel (Pfrontener Liste) bezeichnete das Zahlenwerk als „solide, vorsichtig und überschaubar“, verlieh jedoch seinem „gedämpften Optimismus“ angesichts drohender Risiken Ausdruck. Die Nettoneuverschuldung scheine vertretbar, Stirnrunzeln verursachten jedoch die Zuschüssefür Skizentrum und die Sanierung der Lifte bei seiner Fraktion. Einen gewissen Optimismus verspürte SPD-Fraktionschef Klaus Frick angesichts des Vermögenshaushalts. Gewundert haben ihn die Schlüsselzuweisungen, „die kommen immer dann, wenn es eh schon wieder bergauf geht“, meinte er. „Es freut uns schon, was in Kappel passiert“, gab der Kappeler und Freie Wähler-Fraktionschef Heinz Heer an. Er plädierte dafür, Handel Gewerbe und Industrie zu stärken.

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