„Ab hier wird Deutsch gesprochen“

Reutte: In Kindergärten soll Deutsch gesprochen werden

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Der Aufruf von Reuttes Bürgermeister Luis Oberer, dass in den Kindergärten der Gemeinde künftig nur noch Deutsch gesprochen werden soll, birgt Zündstoff.

Reutte – Die Problematik des von Kindern und Eltern verursachten Sprachgewirrs in Reuttener Kindergärten ist nicht neu und bereits häufiger im Gemeinderat diskutiert worden. Und so versteht der überwiegende Teil der Bevölkerung die Aufregung um die „Ab hier wird Deutsch gesprochen“ Schilder in den Kindergärten nicht.

Sie sind solidarisch mit Bürgermeister Alois Oberer, der seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Kindergartenangestellten mit der Aufforderung nachkam.

In den Sozialen Medien hatte die Anordnung des Reuttener Bürgermeisters in der vergangenen Woche dagegen für heftige Diskussionen gesorgt. Das „Deutschgebot“ werde von manchen „wissentlich missverstanden“, meint Bürgermeister Oberer. Er sehe sich aber von vielen Reaktionen aus der Bevölkerung durchaus bestätigt. Doch um was geht es überhaupt?

In der vorvergangenen Woche hatte der Reuttener Rathauschef in den Kindergärten Schilder aushängen lassen, auf denen zu lesen war: „Ab hier wird Deutsch gesprochen“. Hintergrund ist das mitunter babylonische Sprachwirrwarr in den Betreuungseinrichtungen. Neben Migrantenkindern geht es vor allem um Kinder türkischer Familien, zugezogen oder schon länger im Land. Die Bekanntmachung sei zum Vorteil der Kinder, zum besseren Verständnis für das Personal. Der Auftrag zur Integration, die ja bekanntlich mit dem Erlernen der Sprache beginnt, werde von vielen nicht ernst genommen. Für die Kindergartenpädagoginnen sind Äußerungen auf Türkisch aber nicht verständlich. Eine Sprachförderung komme zwar intensiv zum Einsatz, aber die Eltern sollten ein Vorbild sein und Deutsch sprechen, wenn sie sich im Kindergarten aufhalten, wünschen sich die Kindergartenpädagoginnen. Während ihnen die fremde Sprache bei Kindern, die teils erst ans Deutsche herangeführt werden müssen, normal erscheint, hält sich die Freude bei den Erwachsenen in Grenzen. Oft wird nicht verstanden, was gesprochen wird, wenn die Kinder gebracht oder abgeholt werden. Vor allem im Übergabe- und Ankleidebereich scheint Türkisch die Landessprache zu sein.

Kritik von Oberer

Im Kindergarten „Tauschergasse“ beträgt der Anteil der Kindergärtler mit nichtdeutscher Muttersprache aktuell fast 65 Prozent. In den Kindergärten Prof.-Dengel-Straße und „Mary-Schwarzkopf“ in Mühl ist es nicht viel besser, wurde doch auch auf eine Durchmischung geachtet. In anderen Orten im Bezirk ist das deutlich anders. Die Zahl sinkt schnell unter zehn Prozent, in nicht wenigen Gemeinden der Talschaften ist Deutsch sogar die einzige Sprache die im Kindergarten zu hören ist.

Auf Unverständnis bei Oberer stößt in diesem Zusammenhang der Umstand, dass Landes- und Bundeszuschüsse für Sprachförderungen reduziert worden sind. Reutte werde die Sprachförderung im Vorschulalter aber nicht zurückfahren können und die fehlenden Mittel selbst aufbringen. Andere Gemeinden, die Zuschüsse nicht brauchen, wollen die Reuttener sogar unterstützen. Das von vielen kritisierte „Gießkannenprinzip“ bei Förderungen und Zuschüssen lasse das aber nicht zu.

Mit Händen und Füßen

Gemeinderätin Daniela Rief, selbst Kindergartenpädagogin, hatte darauf hingewiesen, dass bei Elternabenden, Elterngesprächen und in den Sprachfördergruppen immer wieder versucht werde, den Eltern die Wichtigkeit der Sprachkompetenz zu vermitteln. Dass sie eine wichtige Vorbildfunktion für ihre Kinder hätten. Viele Eltern würden aber weiterhin nur Türkisch sprechen, wenn sie in den Kindergarten kommen, und ihre Kinder in großen türkischen Gruppen dann eben auch.

Dazu komme: Viele Kinder würden in diesem Alter oft kein einziges deutsches Wort verstehen, die Pädagoginnen mit Händen und Füßen gestikulieren müssen, um sich verständlich zu machen. Das alles gehe in Richtung Parallelgesellschaft, befürchten viele und sind daher voll an der Seite von Bürgermeister Oberer, der mit der schriftlichen Nachricht „ab hier wird Deutsch gesprochen “ einen Akzent setze.


Hans Nikolussi

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