Schnelle Bergung in der Nacht

Reuttener Flugrettung: Mehr Einsätze bei Nacht

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Von Jänner bis Juni 2020 flogen die beiden top-modernen Notarzthubschrauber der ARA Flugrettung bereits 101 Einsätze bei Dunkelheit, um Menschenleben zu retten. So ein Nachteinsatz stellt für die vierköpfigen ARA-Crews jedes Mal auf´s Neue eine Herausforderung dar.

Reutte – Die beiden Notarzthubschrauber der ARA Flugrettung mussten im ersten Halbjahr 2020 trotz der Corona-Krise zu zahlreichen Einsätzen abheben. Insgesamt absolvierten die Flugrettungs-Profis in Fresach (Kärnten) und Reutte zusammen 901 Einsätze, teilte die Flugrettung in der vergangenen Woche mit.

Vor allem die Nachfrage nach den im Vorjahr gestarteten Nachtflugaktivitäten ist enorm: von Jänner bis Juni gab es insgesamt 101 Einsätze bei Dunkelheit. Die gemeinnützige ARA Flugrettung ist mit ihren beiden Notarzthubschraubern vom Typ H 145 im ersten Halbjahr 2020 zu insgesamt 901 Einsätzen gestartet. Das bedeutet gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres eine Zunahme von rund drei Prozent. 

„Ein direkter Vergleich mit dem Vorjahr ist allerdings kaum möglich. Denn einerseits haben uns unsere Nachtaktivitäten zusätzliche Alarmierungen beschert und andererseits hat die Covid-Krise speziell in den Monaten März, April und Mai aber für einen deutlichen Rückgang der Einsätze gesorgt“, erläutert der Geschäftsführer der ARA Flugrettung, Thomas Jank, die diesjährige Halbjahresbilanz. Das Einsatz-Plus trotz Covid ist also primär darauf zurückzuführen, dass die rot-weiß-roten Flugrettungs-Profis seit Herbst 2019 auch bei Dunkelheit im Einsatz stehen (der Kreisbote berichtete). 

Die Dienstzeiten verlängerten sich dadurch von täglich zwölf auf nunmehr 16 Stunden. Denn das Schicksal kennt bekanntlich keine Nachtruhe. „Unsere neuen Einsatzzeiten werden von den Leitstellen intensiv genützt. Das ist wohl der beste Beweis, dass eine professionelle notfallmedizinische Versorgung aus der Luft auch in der Nacht absolut notwendig ist“, freut sich Jank über die erfolgreiche Ausweitung der Dienstzeiten. 

Obwohl sich die Einsatzzahlen während des vorläufigen Höhepunkts der Covid-Krise in den Monaten März, April und Mai stark rückläufig entwickelt haben, war die ARA Flugrettung auch während dieser Zeit stets voll einsatzbereit. „Vor allem aus wirtschaftlicher Sicht war das keine einfache Zeit. Während die Vorhaltekosten naturgemäß unverändert geblieben sind, gab´s bei den Einnahmen einen kräftigen Einbruch. Dennoch haben wir nie daran gedacht, unsere Operation einzuschränken oder gar vorübergehend auszusetzen“, blickte Jank zurück. 

Aktuell zeigt die Kurve der Einsatzzahlen aber wieder steil nach oben. „Wir rechnen im wahrsten Sinne des Wortes mit einem heißen Einsatz-Sommer. Denn bereits in den letzten Wochen haben die Freizeitaktivitäten speziell im alpinen Gelände signifikant zugenommen“, berichtete Andreas Grießer, stellvertretender ARA-Geschäftsführer. „Es vergeht fast kein Tag, an dem wir nicht einen verunfallten Mountainbiker oder E-Biker bergen müssen.“ 

In solchen Fällen kämen dann regelmäßig die Vorzüge der fix am Hubschrauber angebauten Rettungswinde zur Geltung. „Durch sie bringen wir extrem schnell notärztliche Versorgung zum Patienten und können diesen auch entsprechend rasch wieder abtransportieren. Manchmal gewinnen wir dadurch genau jene Minuten, die über Leben oder Tod entscheiden“, erklärte der stellvertretende Geschäftsführer Grießer. 

Fliegende Intensivstation

Beim hochmodernen und nachtflugtauglichen Notarzthubschrauber H 145 handelt es sich um eine fliegende Intensivstation, die in Österreich nicht nur in Sachen Windenbergungen derzeit das Maß aller Dinge sei, sondern aufgrund der enormen Platzkapazitäten speziell in Kärnten auch immer öfter für Intensiv- und Inkubatortransporte angefordert werde. Für die gemeinnützige ARA arbeiten aktuell 80 Personen: 12 Piloten, neun Windenoperator (HEMS-TC), 21 Flugretter, 32 Notärzte und sechs Verwaltungskräfte. Geflogen wird obligatorisch mit einer vierköpfigen Crew (Pilot, Windenoperator, Flugretter, Notarzt), die bei Bedarf sogar noch um weitere Spezialkräfte (Bergretter, Fachärzte, Intensivpfleger, Hundeführer bei Lawineneinsätzen) ergänzt werden kann. 

Die ARA Flugrettung wurde 2001 gegründet. Das Unternehmen mit Sitz in Klagenfurt, das mit dem Kärntner Roten Kreuz kooperiert, gehört zum DRF Luftrettungs-Konzern und betreibt in Österreich aktuell mit Fresach (Kärnten) und Reutte zwei Standorte.

kb

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