Diskussion flammt neu auf

Loch Ness im Gemeinderat Reutte

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Dr. Richard Lipp, Historikerund Archivar, versorgt den Gemeinderat mit Fakten aus österreichischen Statistiken.

Reutte – In Zehnjahresschritten immer wieder Thema ist im Außerferner Bezirkshauptort die Frage der Stadterhebung. Historiker Dr. Richard Lipp, Reuttener und kompetenter Fachmann der Materie, brachte es am Donnerstag im Gemeinderat auf den Punkt, als er die Angelegenheit als „Loch-Ness-Geschichte“ bezeichnete.

Im Gemeinderat scheint sich nichtsdestotrotz eine Mehrheit für eine Stadterhebung abzuzeichnen. 

Wieder einmal, diesmal auf Einladung von Bürgermeister Alois Oberer, brachte der Historiker Lipp Fakten aus den Statistiken aufs Tapet und informierte das Gemeindeparlament. Und das nicht zum ersten Mal, wie er betonte. Schon 1979 zur 500-Jahre-Markt-Reutte-Feier hatte man darüber nachgedacht, den Hauptort Stadt werden zu lassen. 

Das wiederholte sich in Dekaden bis in die Gegenwart. Es fanden immer wieder Diskussionen über „Für und Wider“ statt, ohne allerdings konkrete Ergebnisse zu zeitigen. Das Beharrungsmoment der Bevölkerung schien einfachzu stark. „Des isch alla schu so gwesa“, war dabei das Hauptargument und die Gemeindeführung wollte da bislang nicht anecken und ließ somit alles beim Alten. 

In der Ära Wiesenegg kam dann noch ein politisches Argument der Gegner zum tragen: Einem Sozialisten „gönnte“ man keine Stadterhebung, obwohl vorher wohl konservative Gemeindeoberhäupter durchaus die Möglichkeiten dazu gehabt hätten.

Es wurde also in der Vergangenheit viel diskutiert aber wenig informiert. Das soll sich nun ändern, waren sich alle Fraktionen im Reuttener Gemeinderat in der jüngsten Sitzung am vergangenen Donnerstagabend einig. Erneut die Grundlage dazu lieferte Lipp mit seinem Ausführungen. Ohne komplexe Information für die Bevölkerung allerdings ginge es überhaupt nicht, waren alle der Meinung. 

Ausnahme Reutte

Im Gemeinderat scheint allerdings die Richtung schon klar zu sein. Die Ratsmitglieder konnte den Ausführungen Lipps viel abgewinnen und sich vorstellen, einer Stadterhebung positiv gegenüber zu stehen. Die Fakten dafür: Von 39 österreichischen Metropolregionen sind 38 Hauptorte Städte, Ausnahme Reutte. Von den rund 2100 Gemeinden Österreichs liegt Reutte nach Einwohnerzahlen an 159. Stelle und die Mehrheit der 186 Städte im Alpenland haben weniger Einwohner als Reutte. 

Dazu komme: Außerhalb Österreichs kann kaum jemand mit der Ortsbezeichnung Markt etwas anfangen. Der Ausdruck lässt sich nicht übersetzen, Besucher fragen immer wieder nach Fisch- oder Krämermarkt, die Gemeinde ist in keinem Stadtführer vertreten. Nach den Ausführungen des Reuttener Historikers wäre es höchst an der Zeit endlich den Schritt zur Stadterhebung zu setzen. Für eine Stadt würden die erhöhten Chancen im Marketing in vielen Bereichen sprechen. 

Auch Kunden würden lieber in einer Einkaufsstadt dem „Shoppen“ frönen und das Vermarkten von Kultur und vielem mehr würde einer Stadt leichter fallen, war man sich einig. 

Werden Bürger befragt? 

Eine Volksbefragung der Reuttener Bürger in dieser Richtung sah der Großteil der Mandatare dagegen eher kritisch. Auch die Gemeinderäte von SPÖ und Grüne sprachen sich wie die Bürgermeisterfraktion dagegen aus. Die gewählten Volksvertreter sollten doch in der Lage sein, das Richtige zu veranlassen, war der Tenor an diesem Abend im Gemeindeparlament.

Auch die Opposition im Gremium unter Vize Klaus Schimana scheint einer Stadterhebung nicht abgeneigt zu sein, will dazu aber doch die Bürger befragen. Es sei eben nicht nur eine wissenschaftliche Entscheidung, sondern auch eine emotionale, meinte man aus dieser Richtung. Man ortet aber auch dort eine Mehrheit „Pro-Stadt“ und erhoffe dadurch eine Rückenstärkung für den Gemeinderat.

niko

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