Resonanz des Publikums übertrifft alle Erwartungen

Mehrere Hundert Zuhörer bei Vortrag über NS-Zeit in Breitenwang

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Mehr als 400 Interessierte folgen der Einladung des Breitenwanger Kulturausschusses und besuchen den Vortrag von Historiker Dr. Richard Lipp über die NS-Zeit in der Gemeinde. Auch die Jugend ist dabei gut vertreten.

Breitenwang– Das hätte sich kaum jemand träumen lassen. Ein Vortrag von Dr. Richard Lipp über die NS-Zeit in der Gemeinde sprengte alle Erwartungen.

Der Kulturausschuss lud zu der Veranstaltung mit dem bekannten Historiker aus Reutte ein und über 400 Menschen aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten waren gekommen, um sich von der schrecklichen Zeit unter dem Nazi-Regime im Außerfern berichten zu lassen. In jahrelanger Recherche beschäftigte sich Lipp mit den Ereignissen.

Er durchforstete unzählige Archive über die Vorkommnisse in den Jahren von 1938 bis 1945. Um zu erklären, weshalb sich Lipp auf diese Gegend des Außerferns konzentrierte: Im Ballungsraum Reutte-Breitenwang taten sich die Nationalsozialisten besonders hervor. 

Noch vor der Reichsprogromnacht im November 1938 hatten sich einige Außerferner gleich nach dem „Anschluss“ an das Nazi-Regime unter den neuen Macht- habern gefügt und begonnen Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerung zu verüben.

Die „Entjudung“, wie sie von den unseligen Machthabern gefordert wurde, nahm somit früh ihren Anfang und betraf im Außerfern acht Familien. Eine davon war die Familie des kaufmännischen Direktors von Plansee. Mit der sogenannten Arisierung des Metallwerks Plansee begann auch die Verfolgung der jüdischen Mitarbeiter. 

Sie fanden ihr im Schicksal in Zwangsarbeit. Vor allem Menschen aus der Ukraine hatten im, für das Regime wichtigen Rüstungsbetrieb, unter schlechten Bedingungen für die Rüstung der Nazis zu arbeiten. Betriebsinhaber Dr. Paul Schwarzkopf emigrierte nach Amerika und wurde dort als vermeintlich deutscher Spion integriert.

Nach der Vertreibung der Barmherzigen Brüder aus dem Krankenhaus Kreckelmoos erlebte die kirchliche Verfolgung mit der Hinrichtung des Breitenwanger Kooperators Jakob Gapp ihren Höhepunkt. Gapp wurde 1987 nachträglich selig gesprochen. Breitenwang verlor seine Selbstständigkeit, geriet unter Bürgermeisterhoheit von Reutte. 

Am Plansee gab es nicht nur eine Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau, sondern es spielten sich auch mysteriöse Ereignisse ab. So war zum Beispiel die gesamte bayerische Königsfamilie am Plansee interniert und die kroatische Exilregierung in Verwahrung gehalten. Französische Geiseln fristeten dort in Erwartung auf Gegenleistungen. 

Neben den bekannten Maßnahmen wie der Zwangsarbeit wurden überdies Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisierungen gegen „unwertes Leben“ vorgenommen. Dokumente belegen die brutalen Methoden in dieser Zeit. 

Vom Andrang selbst überrascht

Unter der Führung des späteren Bürgermeisters von Breitenwang, Florian Kerber, etablierte sich jedoch im Großraum Reutte eine Wiederstandgruppe, die im Metallwerk die Kriegsproduktion sabotierte. 

Der Historiker berichtete ausführlich über die Gräueltaten, die in der Gemeinde passierten. Ein Referat gegen das Vergessen. „Vom Riesenandrang zu meinem Vortrag im Veranstaltungszentrum von Breitenwang war ich mehr als überrascht. Dass vor allem auch viel Jugend und Schüler dabei waren stimmt mich positiv. Es scheint die Bereitschaft da zu sein, aus der Vergangenheit zu lernen“, sagte Lipp nach seinem Vortrag.

niko

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