Beethovens Beziehungen zu Füssen

Riedmiller und Weber erläutern musikgeschichtliche Bezüge beim Treffpunkt Geigenbau

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Historische Instrumente in Händen: Thomas Riedmiller (v. l.), Cordula Weber, Hans Joachim Weber und Dr. Anton Englert am Rande des Vortrags „Beethoven und der Füssener Geigenbau“ im Colloquium.

Füssen – Das Colloquium war kürzlich vollbesetzt, als der ehemalige Füssener Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller und der Geigenbaumeister Hans Joachim Weber aus Bidingen beim ersten Vortrag des Festival „vielsaitig“ über eine Zeit des Umbruchs in der Musik berichteten.

Der Fokus lag dabei auf einer bestimmten Größe der Musikgeschichte, dem deutschen Komponisten und Pianisten Ludwig van Beethoven.

So hatten sich etwa 30 Besucher zu dem Vortrag der beiden Referenten eingefunden. „Beethoven und der Füssener Geigenbau“ lautete der Titel des Vortrags von Riedmiller und Weber. Ein Bericht mit „Zitaten auf verschiedenen Streichinstrumenten“, gespielt von Webers Ehefrau Cordula. So kündigte es Dr. Anton Englert, Leiter des Stadtmuseums Füssen, bei seiner Begrüßung an.

Für Laien war es schließlich keine einfache Kost, die Riedmiller und Weber dabei präsentierten, während mit fundiertem Wissen ausgestattete Interessenten ihre helle Freude daran gehabt haben dürften. In erster Linie belegte Riedmiller in seinen fachmännischen Schilderungen die relativ große Schnittmenge des Musikgenies Ludwig van Beethoven und der Geigenbauerstadt Füssen. „Wo Beethoven nachweislich mit dem Füssener Geigenbau in Berührung kam“, formulierte es Riedmiller. Dabei zeigte der frühere Kulturamtsleiter nicht nur mehrere Verbindungspunkte zwischen dem in Bonn geborenen Beethoven und der Stadt Wien, wohin der Komponist später ging. Im Bonner Hoforchester, zum Beispiel, spielte der Komponist auf einer Bratsche des niederösterreichischen Geigenbauers Sebastian Dalinger.

Riedmiller spannte somit den Beziehungsbogen auch in die Richtung Füssens und seiner Region, aus der viele in der Zeit um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert in Wien ansässige Streichinstrumentenmacher stammten. Darunter war unter anderem der in Prem geborene Johann Georg Thier, bei dem Dalinger gelernt hatte. Und während sich der „um 1800 wahrscheinlich berühmteste Geigenmacher in Wien“, Franziskus Geisenhof aus Füssen, unter diesen befand, spielte auch ein gewisser Fürst Karl Lichnowsky eine Rolle in dem von Riedmiller präsentierten Beziehungsgeflecht zwischen Beethoven, Bonn, Wien und Füssen. Erhielt Beethoven doch von diesem Fürsten, „einer der loyalsten Unterstützer Beethovens“, so Riedmiller, einst eine Wellenbratsche von Johann Anton Gedler geschenkt, der gleichfalls aus Füssen kam.

Den Klang der Bratsche demonstrierte indes Cordula Weber in brillanter Manier. Ihr Mann veranschaulichte wiederum sowohl die äußeren Unterschiede der Bratsche zu anderen Streichinstrumenten ebenso, wie die konstruktiven Differenzen zwischen „eher feinen, zurückhaltenden“ Geigen der Barockzeit und den später gebauten „dominanter durchdringenden“ Instrumenten. Mittels Erläuterungen über Stradivari- beziehungsweise Guarnerigeigen sowie die vorher im Hause Amati hergestellten Instrumente, illustrierte Weber schließlich auch den Übergang zur Musikepoche der Wiener Klassik. Eine Epoche, deren Hauptvertreter Beethoven war.

Alexander Berndt

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