Kontaktstelle für Demenzhilfe in Füssen

Kontaktstelle eröffnet

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Kunsttherapeutin Tanja Zenitti (Mitte) im Gespräch mit BRK-Fachfrau Annett Krüger und Peter Schreiter aus dem Füssener Kreis der pflegenden Angehörigen nach der Eröffnung der Kontaktstelle Demenzhilfe.

Füssen – Die Kontaktstelle Demenzhilfe hat am Montag das Bayerische Rote Kreuz im Seniorenheim St. Michael in Füssen eröffnet. Hier beantwortet Annett Krüger alle Fragen rund um die Demenzhilfe. Bei der Eröffnung näherten sich die Versammelten mit Vorträgen dem Thema „Demenzerkrankung”.

Peter Schreiter aus der Gruppe der pflegenden Angehörigen in Füssen hatte die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, in einer solchen belastenden Situation Hilfe zu erfahren. Schreiter gab im Seniorenheim St. Michael vor 50 Fach-Leuten einen Einblick, der sehr persönlich das Zusammenleben mit einer plötzlich an Demenz erkrankten Person schilderte. „Es wurde häufig gefragt, wie es meiner Mutter geht.“ Auf die Idee, zu fragen, wie es ihm als Pflegender – beileibe kein Profi – denn gehe, sei nicht ein Einziger gekommen, fügte Schreiter hinzu. 

Bei den Beispielen aus dem Pflegealltag, wie er professionelle Hilfe erhalten habe, tauchte mehrfach ein Name aus dem Mitarbeiterkreis des Bayerischen Roten Kreuzes auf: Annett Krüger. Sie ist für die Ratsuchenden aus dem Füssener Land ab sofort auch die Ansprechpartnerin bei der am 21. September eröffneten Kontaktstelle rund um Fragen zur Demenzhilfe im Allgäu. „Ich habe jetzt in Füssen kein extra Büro, sondern mache Hausbesuche, nachdem wir telefonisch einen Termin vereinbart haben“, erläutert sie auf Nachfrage des Kreisboten. Anrufe werden vom BRK-Seniorenheim – dem Sitz der Kontaktstelle Füssen – an die Fachfrau weitergeleitet. Keiner muss künftig direkt in Marktoberdorf anrufen, um Annett Krüger zu erreichen. In Füssen ist sie schon bekannt, da sie auch den Demenzbegleiter-Kurs geleitet hatte. Hier werden ehrenamtliche Mitarbeiter geschult. 

Das Bayerische Rote Kreuz hat nach Auswahl durchs Landratsamt Ostallgäu – erklärte Annett Krüger den Sachverhalt – „die Trägerschaft für die Füssener Kontaktstelle übernommen“. Der 21. September ist der „Welt-Alzheimer-Tag“, an dem passend die nächste Allgäuer Kontaktstelle für Demenzhilfe eröffnet wurde. Darauf und den damit verbundenen Leitsatz „Vergiss mich nicht“ wies Thomas Hofmann eingangs hin. Der BRK-Kreisgeschäftsführer moderierte die Eröffnungsveranstaltung, die sich mit Hilfe von Kurzreferaten dem Thema „Demenzerkrankung“ von unterschiedlichen Seiten näherte. 

Als ein Mitglied in der Vernetzung von Pflegediensten, Kassen, Kommunen, Vereinen und Gruppen, wie die Nachbarschaftliche Unterstützung und Zeitvorsorge (NUZ) in Pfronten, sieht sich auch Dr. Claus Uecker mit seinem Teams der Abteilung Geriatrie an der Klinik Füssen. Der medizinische Teil sei „hier das Einfachste“, so der Chefarzt. „Die eigentlichen Probleme der von Demenz betroffenen Person beginnen, wenn sie wieder Zuhause leben will.“ Er sei „zuversichtlich, dass es gemeinsam gelingt, die Patienten nicht nur gut zu versorgen, sondern ihnen nun auch durch Unterstützung zu ermöglichen, am gesellschaftlichen Leben weiterhin teilzu-nehmen.“ 

Aufklärung ist wichtig 

In Füssen sind heute fast schon 30 Prozent der Bürgerinnen und Bürger älter als 60 Jahre, wie Ilona Deckwerth (SPD), Vorsitzende Seniorenbeirat, die Zuhörer informierte. Füssen habe hier eine „besondere Qualität, weil die Seniorenheime offene Begegnungen fördern“. Aus Bewohnern und Nicht-Bewohnern setzt sich auch der Teilnehmerkreis bei den kreativen Samstagvormittagsstunden mit der Kunsttherapeutin Tanja Zenetti zusammen, die das „offene Atelier“ im Seniorenheim St. Michael ins Leben gerufen hat. 

In diesem hellen Arbeitsraum, der als Galerie dient, wurde die Füssener Kontaktstelle auch mit einem Grußwort von Bürgermeister Paul Iacob (SPD) eröffnet. Er gab den Hinweis auf eine mögliche Prävention. Ziel sei, „im gesunden Gleichgewicht alt werden zu dürfen“. Weil der Wechsel zwischen Klarheit und der völligen Verwirrtheit der erkrankten Person die pflegenden Angehörigen täglich belaste, sei Aufklärung enorm wichtig, betonte AOK-Beraterin Angelika Ulrich in ihrem Statement. 

Alexander Zoller vom Landratsamt Ostallgäu wies mit Nachdruck darauf hin, dass alles für die wichtige Grundversorgung getan werde. Stephan Vogt betonte im Namen der Allgäu GmbH, dass „wir alle von Erfahrungen aus Vorarlberg lernen können“. Er brachte als Geschenk 1000 Tisch-Sets mit, die in Wort und Bild für eine nähere Beschäftigung mit dem Thema Demenz sensibilisieren. Als sich die Landkreise und kreisfreien Städte in der Region dazu entschlossen, gemeinsam die Demenzversorgung zu verbessern und mit wohnortnahen Angeboten betroffene Personen und ihre Angehörigen zu erreichen, wählten sie als Kooperationspartner zum einen die Allgäu GmbH und dazu noch Partner vor Ort aus. 

In den Beiträgen der Eröffnungsveranstaltung, die nach 90 Minuten in Gespräche bei Kaffee und Kuchen übergingen, klang an, dass bei den betroffenen Personen nicht alle Fähigkeiten verloren gingen. Ein lebendiges Beispiel gab bei der musikalischen Umrahmung Adelgunde Röhrle ab. Sie spielte den von Frank Sinatra bekannt gemachten Song „Strangers in the Night“ am Klavier, erntete herzlichen Beifall und betonte vor ihrer Zugabe: „Ich werde bald 100 Jahre alt.“ cf

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