Hailer erinnert an Geschichte des Heimathausvereins

20 Jahre Heimathaus

Sigrid Kraus und Walter Sirch als „A‘(lb) Traumpaar“.

Nesselwang – Mehr als 50 Mitglieder begrüßte Vorstand Oswald Kainz bei der Jahreshauptversammlung des Nesselwanger Heimathausvereins im Pfarrheim Sankt Andreas. Unter ihnen war auch Gründungsmitglied und Ehrenvorstand Manfred Hailer. Vor 20 Jahren, am 24. März 1995, war der Verein gegründet worden.

„Die aktuelle Besucherzahl dieses Jahr liegt bei 560 bis zum 1. November“, so Oswald Kainz. Damit sei eine leicht rückläufige Tendenz zu verzeichnen, was der Vorstand auf das gute Sommerwetter schob. Seit der Eröffnung des Heimathauses waren damit mehr als 19.500 Gäste in der ehemaligen Handwerkssölde zu Gast und informierten sich über Leben und Arbeiten im Allgäu im frühen 19. Jahrhundert. Im Januar war die „BayernTour“ mit Carolin Reiber zu Gast in Nesselwang und machte dabei auch einen Filmbeitrag über das Heimathaus. Dabei kam das alte Waffeleisen wieder zu Ehren.

Enttäuscht zeigte sich Kainz über die Besucherresonanz beim Bundesfinale „Jugend trainiert für Olympia“. Der Verein hat in den Räumen des Hauses zwei Vorträge organisiert, die sich mit heimatkundlichen Themen befassten. Ein Vortrag wurde von Ehrenvorstand Manfred Hailer zu Nesselwanger Themen abgehalten. Das auch Steine reden können, stellte Peter Nasemann in seinem Vortrag dar.

Viel Arbeit bereitete der Kachelofen aus dem Jahr 1807 in der Wohnstube. Dass eine Sanierung notwendig ist, wurde bei Reinigungsarbeiten festgestellt. Aufgrund der mehr als 200-jährigen Nutzung war er ausgebrannt, wie eine Fachfirma feststellte. Eine komplette Erneuerung des Brennraums war notwendig. Die Kosten dafür waren mit etwas weniger als 10.000 Euro angesetzt. „Durch 120 Stunden Eigenleistung durch Mitglieder, bei denen der Kachelofen bis in Höhe des Brennraums komplett abgebaut werden musste, konnten die Kosten auf etwas mehr als 7000 Euro gesenkt werden“, so Kainz in seinem Rückblick.

„Vor 20 Jahren waren wir alle 20 Jahre jünger. 20 Jahre sind eine lange Zeit“, erinnerte Bürgermeister Franz Erhart in seiner Ansprache zum Vereinsjubiläum. „Seither ist viel passiert. Der Markt hat als Hausherr mehr als 200.000 Euro investiert“, so Erhart weiter. „Wir haben damit aber ein wunderschönes Heimathaus hingebracht. Aber erst die Nachwelt wird ahnen, was Ihr geleistet habt“, lobte er die Mitglieder.

Ehrenvorstand Manfred Hailer ließ in einem Rückblick die Entstehung des Heimathauses noch einmal Revue passieren. „Mitte der 70-er Jahre wurde nach einem Marktgemeinderats-Beschluss begonnen, im Dachboden des Feuerwehrhauses alte Dinge zu sammeln“, so Hailer. „Die Suche nach einem geeigneten Haus gestaltete sich schwierig. Der alte Pfarrhof, zwei Häuser in Voglen und Bayerstetten wären geeignet gewesen, aber nicht in der idealen Lage oder nicht zu erwerben“, erinnerte sich der Ehrenvorstand und Ehrenbürger.

1994 kaufte der Markt nach einem Beschluss des Gemeinderats schließlich das Haus in der Füssener Straße, das Hailer geerbt hatte. Im März 1995 fand auch die Gründungsversammlung des Heimathaus-Vereins mit 62 Interessierten statt. Zum ersten Vorstand wurde Hailer gewählt. Die Arbeiten am Haus begannen noch im selben Jahr. Zuerst musste das Dach abgedichtet und saniert werden. „Im hinteren Teil hat es sich um bis zu 60 Zentimeter abgesenkt“, beschrieb Hailer den Zustand.

In Etappen wurde das Gebäude saniert und erhielt sein jetziges Aussehen. „Erst wenn wir uns sicher waren, haben wir was aufgerissen und haben es auch wieder zugemacht“. So befinden sich die Räume größtenteils noch im Originalzustand, so wie die Decke von 1912 in der Wohnstube. Insgesamt sind im Haus vier Kachelöfen aus der Entstehungszeit zu finden sowie zwei sogenannte Sesselherde, die anfangs noch offene Feuerstellen waren und erst später Abdeckungen aus Stahlplatten erhielten. Der Stall ist nach wie vor im Originalzustand. Hier fanden sechs Kühe und ein Ochse darin Platz.

„Eigentlich sollte nur der Putz erneuert werden“, beschrieb Hailer die Planungen an der Außenfassade. Sehr zu Überraschung aller kam dabei das jetzt sichtbare Fachwerk heraus. Auch wurden Steine der im 16. Jahrhundert ausgebrannten Nesselburg an den Hausecken aus Tuffstein gefunden. „Die dürften in einigen Häusern in Nesselwang verbaut sein“.

Zum Abschluss betrachteten die Kabarettisten Sigrid Kraus und Walter Sirch noch leicht überspitzt die Welt des kleinen Mannes. Aus alltäglichen Eheprobleme und Situationen wie beim Autofahren oder am morgendlichen Frühstückstisch, wurden Allgäuer Kabarett in Mundart. Viel Applaus erhielten deshalb die heiteren Problemlösungen des „A‘(lb) Traumpaares.“

hoe

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