"Motorradfahren ist da viel gefährlicher"

Kreisboten-Redakteurin startet zu ihrem ersten Segelflug über Füssen

1 von 23
Spektakuläre Aufnahmen aus der Luft gelingen Kreisboten-Redakteurin Katharina Knoll bei ihrem ersten Segelflug über Füssen und Umgebung.
2 von 23
Spektakuläre Aufnahmen aus der Luft gelingen Kreisboten-Redakteurin Katharina Knoll bei ihrem ersten Segelflug über Füssen und Umgebung.
3 von 23
Spektakuläre Aufnahmen aus der Luft gelingen Kreisboten-Redakteurin Katharina Knoll bei ihrem ersten Segelflug über Füssen und Umgebung.
4 von 23
Spektakuläre Aufnahmen aus der Luft gelingen Kreisboten-Redakteurin Katharina Knoll bei ihrem ersten Segelflug über Füssen und Umgebung.
5 von 23
Spektakuläre Aufnahmen aus der Luft gelingen Kreisboten-Redakteurin Katharina Knoll bei ihrem ersten Segelflug über Füssen und Umgebung.
6 von 23
Spektakuläre Aufnahmen aus der Luft gelingen Kreisboten-Redakteurin Katharina Knoll bei ihrem ersten Segelflug über Füssen und Umgebung.
7 von 23
Spektakuläre Aufnahmen aus der Luft gelingen Kreisboten-Redakteurin Katharina Knoll bei ihrem ersten Segelflug über Füssen und Umgebung.
8 von 23
Spektakuläre Aufnahmen aus der Luft gelingen Kreisboten-Redakteurin Katharina Knoll bei ihrem ersten Segelflug über Füssen und Umgebung.

Füssen – „Von Null auf 100 sind wir schneller als ein Porsche, weit unter drei Sekunden“, erklärt mir Harald Kurpjuwait, als er mir den Fallschirm umschnallt und mir hilft, auf den vorderen Sitz im Cockpit zu klettern.

Dort, wo sonst nur Piloten oder Flugschüler sitzen, sei die Sicht klasse, erklärt sein Vereinskollege. Allgemein sei der Start mit der Winde aber nicht so angenehm. Sollte ich jetzt vielleicht doch Angst bekommen? Nein. Ich bleibe erstaunlich cool und freue mich auf meinen ersten Segelflug, den mir der Flugsportverein Marktoberdorf während seiner Schnupper-Segelfluglehrgangs-Woche am Flugplatz in Füssen ermöglicht. 

Um in die Luft zu gehen, klingt Haralds Kollege das Seil der Winde in unseren Segelflugoldtimer ein, einen Bergfalke Baujahr 1958. Dessen Cockpit ist schmaler, als ich erwartet habe, und überraschend dünn. Es besteht nur aus einem bespannten Stahlrohrgerüst. Und als Harald die Plexiglas-Haube schließt, komme ich mir vor wie im Treibhaus. Die Sonnenstrahlen, die auf uns knallen, treiben mir die Schweißperlen auf die Stirn. Doch die Hitze ist schnell vergessen, als die Winde am anderen Ende der Startbahn beginnt, ihr 1000 Meter langes Seil aufzurollen.

Um abheben zu können, muss entweder ein motorisiertes Flugzeug oder eine Seilwinde den Segelflieger in die Höhe ziehen. Im Klartext heißt das: Segelfliegen ist ein Teamsport. „Wenn einer fliegen will, müssen andere am Boden was dafür tun“, erklärt der 59-Jährige. „Das muss laufen wie ein Uhrwerk.“ 

350 Meter in die Höhe

Von Null auf 100 km/h in unter drei Sekunden, erinnere ich mich an Haralds Worte, als wir mit ca. 110 km/h über die Startbahn rasen. Ich werde in den Sitz gepresst und auch mein Magen fühlt sich an, als mache er Bekanntschaft mit einer Wirbelsäule. Bereits nach wenigen Metern verlieren wir den Bodenkontakt. Und nach rund 30 Sekunden ist der Spuk ganz vorbei, auch wenn es sich viel länger anfühlt. Wir haben unsere Flughöhe von 350 Metern erreicht, so dass sich das Seil der Winde ausklingt. 

Das bekomme ich jedoch gar nicht mit. Auch das flaue Gefühl ist verschwunden, zu spektakulär ist die Aussicht. Vor mir glitzert der Forggensee türkis bis auf die weißen Dreiecke, die auf ihm schaukeln. Wie eine braune Schlage windet sich der Lech an seinem Zulauf durch das türkise Meer. Etwas weiter hinten teilt der Staudamm bei Roßhaupten als weißes Band das Blau. In einem deutlich dunklerem Blauton hebt sich daneben der Bannwaldsee ab, dazwischen leuchten saftige hellgrüne Wiesen. Weiter hinten sticht zudem ein weißes Spielzeugschloss inmitten dunkelgrüner Wälder am Fuße des Säulings ins Auge, unweit daneben ein Schlösschen in orange. Letzte Schneereste zieren die weit höheren Berge im Hintergrund. Alles scheint so nah beieinander zu liegen, nur einen Katzensprung von einander entfernt. 

Harald drückt den Steuerknüppel nach rechts und schon ziehen wir einen Kreis über Füssen. Unter mir hebt sich die Feldkirche St. Ulrich und Afra aus einem dunklen Häusermeer ab und das Hohe Schloss scheint plötzlich einen großen Schornstein bekommen zu haben. Deutlich zu sehen sind auch die beiden Skisprungschanzen in Bad Faulenbach. Wie ein dunkles Loch wirkt dagegen das Dach des Bundesleistungszentrums. 

Währenddessen gibt mir Harald, der nicht nur Pilot, Flugzeugtechniker und Fallschirmwart sondern auch Fluglehrer ist, einen Crashkurs im Segelfliegen. „Wenn wir den Steuerknüppel nach vorne drücken, sinken wir“, erklärt er, während die dunklen Bäume auf uns zurasen. Kurz darauf sehe ich nur noch blau und mein Magen hat erneut ein Date mit meinem Rücken. „Wenn wir den Steuerknüppel zu uns herziehen steigen wir“, informiert der Fluglehrer sein Tun. „Und schwerelos“, fügt Harald hinzu, während er den Steuerknüppel plötzlich nach unten drückt und mein Magen zu schweben scheint. 

Solche Flugmanöver kommen vor allem beim Kunstflug zum Einsatz. Dabei können die Piloten unter anderem Loopings, Rollen, einen „Turn“ oder auch die sogenannte kubanische Acht fliegen. „Man muss nur den Schwung halten. Man hat ja keinen Antrieb“, informiert der Fluglehrer. Den holt man sich beim Abwärtsflug für die nächste Figur. 

Suche nach Thermik

Eine andere Disziplin ist das Streckenfliegen. „An einem normalen Tag ist von 300 bis 800 Kilometer alles möglich.“ Ist der Segelflieger in der Luft, sucht er sich warme Luft, die nach oben steigt, die sogenannte Thermik. Wo die ist, türmen sich sogenannte Kumuluswolken am Himmel auf. 

Dort zieht der Segelflieger seine Kreise, um an Höhe zu gewinnen. Hat sich die warme Luft abgekühlt, sucht er sich die nächste Thermik. Auf diese Weise kann er den ganzen Tag in der Luft bleiben und so hoch steigen, wie das Wetter eben erlaubt. „Über 3000 Meter brauchen wir Sauerstoff“, so Harald. „2000 bis 3000 Meter sind über den Bergen aber keine Seltenheit.“ Schließlich müssten die Flugzeuge über die Bergkämme kommen, um weiterzufliegen. Doch heute Nachmittag ist die Thermik nicht mehr so toll.

 Recht bald fährt Harald deshalb die Landeklappen aus. Diese regulieren die Sinkgeschwindigkeit, damit der Flieger genau da aufsetzt, wo der Pilot hin will. „Jetzt müssen wir nur noch die Landebahn treffen“, erklärt Harald, während die grüne Wiese immer schneller auf uns zukommt und schon kurze Zeit später setzt das Flugzeug überraschend sanft auf der Landebahn auf. Mit dem restlichen Schwung rollen wir schließlich zur Flughalle. „Gefährlich ist es nicht“, meinte der 59-Jährige. Kommt es zu Unfällen, seien die meist auf technische Versäumnisse zurückzuführen. „Skifahren oder Motorradfahren ist da viel gefährlicher.“

Katharina Knoll

Auch interessant

Meistgelesen

Bundespolizei stoppt illegale Einreise von Syrern
Bundespolizei stoppt illegale Einreise von Syrern
Füssener Tunnel müssen gewartet werden
Füssener Tunnel müssen gewartet werden
Polizisten retten Hund
Polizisten retten Hund
Unterhalb des Füssener Franziskanerklosters sollen wieder Wohnhäuser entstehen
Unterhalb des Füssener Franziskanerklosters sollen wieder Wohnhäuser entstehen

Kommentare