"Frei Bier" begeistert das Publikum

Doppelte Premiere

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Mitunter turbulent geht es bei „Frei Bier“ auf der Bühne zu. Das Stück wird am heutigen Samstag und morgigen Sonntag nochmals aufgeführt.
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Mitunter turbulent geht es bei „Frei Bier“ auf der Bühne zu. Das Stück wird am heutigen Samstag und morgigen Sonntag nochmals aufgeführt.
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Mitunter turbulent geht es bei „Frei Bier“ auf der Bühne zu. Das Stück wird am heutigen Samstag und morgigen Sonntag nochmals aufgeführt.
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Mitunter turbulent geht es bei „Frei Bier“ auf der Bühne zu. Das Stück wird am heutigen Samstag und morgigen Sonntag nochmals aufgeführt.
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Mitunter turbulent geht es bei „Frei Bier“ auf der Bühne zu. Das Stück wird am heutigen Samstag und morgigen Sonntag nochmals aufgeführt.
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Mitunter turbulent geht es bei „Frei Bier“ auf der Bühne zu. Das Stück wird am heutigen Samstag und morgigen Sonntag nochmals aufgeführt.
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Mitunter turbulent geht es bei „Frei Bier“ auf der Bühne zu. Das Stück wird am heutigen Samstag und morgigen Sonntag nochmals aufgeführt.
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Mitunter turbulent geht es bei „Frei Bier“ auf der Bühne zu. Das Stück wird am heutigen Samstag und morgigen Sonntag nochmals aufgeführt.

Lechbruck – Es war in doppelter Hinsicht eine Premiere: Erstmals hat der Obere Lechgauverband ein Theaterstück aufgeführt.

Auf der Bühne standen Darsteller aus einem halben Dutzend Trachten-und Theatervereinen zwischen Wildsteig und Seeg. Gezeigt wurde das von Walter Sirch geschriebene Stück „Frei Bier“. Rund 250 Zuschauer genossen die Premiere in der Lechhalle. Interessierte können das Stück übrigens nochmals am heutigen Samstag und morgigen Sonntag (22. Und 23 April) jeweils um 20 Uhr genießen. 

Auf der Gsteig hat es gescheppert, ein Rums, der im ganzen Dorf zu hören war. Ausgerechnet am 66-ger-Abend. Natürlich müssen alle raus und helfen – der Feuerwehrkommandant, der Tierarzt, der Wirt vom Ochsen und der Sägewerksbesitzer sowie der Dorfschupo.

 Wir schreiben das Jahr 1993, als in der Dorfwirtschaft noch geraucht werden durfte, die Zeit vor der großen Inflation – es gab noch die gute alte D-Mark – und dafür noch nicht die lästigen, ständig bimmelnden Handys. „Die Welt war noch in Ordnung“, beschrieb Walter Sirch, Gauvorstand und Urheber des Theaterstückes, die Rahmenbedingungen für seine Geschichte, die sich in drei Akten entwickelt. 

Die fünf Hauptakteure haben wir schon kennengelernt, dazu kommt noch Mario, der Eisbollajongleur, manchmal liebevoll auch als Eisbollatandler gerufen, seines Zeichens Eisdielenbesitzer. Ein bestens integrierter und akklimatisierter italienischer Allgäuer, der es mit den sturen Allgaier Dickschädeln zu tun hat. Und mit des Dorfwirts hübscher Tochter Gabi, die auch in ihn verliebt ist. 

Dazu kommen noch zwei bessere Hälften, Amalie und Rosa, sowie die Bedienung Uschi und ein korrekter, dem Gerstensaft nicht abgeneigter Hauptwachtmeister. Im oberen Lechgau wird viel und gerne Theater gemacht respektive gespielt; oft im Trachtenverein, manchmal auch als eigenständige Gruppe, oder wie in Lechbruck, gerade wiederbelebt.

Manche machen „Bauerntheater“, andere Gruppen holen die großen Klassiker auf die Bühne oder verschönern die Weihnachtszeit mit selbstgeschriebenen Stücken, die oft genug mit einem Augenzwinkern Land und Leute karikieren und immer ein Happyend haben. 

In diese Tradition hat Sirch sein Stück eingereiht. Nimmt der Gauvorstand als Starkbierredner kein Blatt vor den Mund und hat Einblick in das, was sich in den Dörfern abspielt, nutzte der Marktoberdorfer sein Wissen diesmal, um eine Geschichte um einen Unfall und einen quasi Mundraub zu schreiben.

Dazu verarbeitete er noch eine Liebesgeschichte, entwarf den Charakter einer Nachrichtensprecherin und setzte einen schlitzohrigen, aufs Finanzielle schauenden und dabei manchmal scheiternden Ochsenwirt in den Mittelpunkt – Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen wären rein zufällig. 

Quasi ein Mundraub

So also hat Sirch seine Geschichte angelegt und dazu Spieler aus dem ganzen Gau zusammengebracht. Neben Lechbruck auch aus Hopfen und der Hopferau, Stötten, Sulzschneid, Trauchgau, Rieden und Wildsteig. 

Dazu noch Akteure hinter den Kulissen aus Bernbeuren und den anderen Gemeinden. Weshalb die Zuschauer verschiedenste Dialekte zu hören bekommen werden, versprach Sirch eingangs. So entwickelte sich die Geschichte: Es rumst und ein Kühllaster mit argentinischem Rindfleisch liegt quer über der Straße. 

Kann man die Berge von Gefrierbeuteln mit dem guten Fleisch einfach liegenlassen? Auch auf die Gefahr hin, dass das verwesende Fleisch das Grundwasser gefährdet? 

Als guter Christenmensch doch nicht! Und so sammeln die Beteiligten das Fleisch und deponieren es in der Kühlung vom Ochsenwirt. Für die fünf Stammtischfreunde gibt’s daraufhin Freibier, Schädelweh inklusive. Und fürs brave Töchterchen die Gelegenheit, dem Vater den Freund als einen Wunder vollbringenden Schwiegersohn schmackhaft zu machen.

Denn die Polizei rückt an, vom lieben Töchterchen anonym informiert, um das geklaute Fleisch zu suchen.

Ende gut, alles gut

Zwei Akte dauert es, vom quasi Mundraub bis zu dem Punkt, an dem die Liebenden zusammenkommen können. Geschickt eingefädelt von Gabi und mit Unterstützung der Bedienung Uschi, die so viel mehr kann als nur volle Ascher leeren und Bier zu servieren. Damit wäre das Theater, so stellen Gabi und ihr Mario fest, vorbei. Doch einen letzten Akt gibt es noch, um die Verlobung zu feiern und um den Wirtsleut‘ eine Lektion zu erteilen. 

Eine Lektion, die aber auch Uschi, Gabi und Mario lernen müssen, wie sich zum Ende herausstellt. Und auch wenn der Wirt die ganze Nacht am Häusle zugebracht hat, gehört er doch zu denen, die am Schluss lachen können. Und der Sägewerksbesitzer „wird zum Mannsbild“, wie der Wirt seiner Frau gegenüber anerkennend feststellt. So heißt es nach knapp zweieinhalb Stunden: Ende gut, alles gut. 

Drei Akte, in denen manch ein Zuschauer Szenen aus dem wirklichen Leben zu sehen bekam und andere wiederum einen Lachanfall angesichts der Sätze und Anspielungen. Zweieinhalb Stunden, in denen er selbst auch Tränen habe lachen müssen, wie Sirch feststellte. Der Autor und Regisseur hatte in der letzten Reihe Platz genommen und zum ersten Mal sein Stück, als Zuschauer, genossen. Und meinte, befragt zu seinem Eindruck schließlich: „Guat machat s‘es“.

Oliver Sommer

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