"Das ist wirklich eine Wahnsinnssumme"

Sanierung der Grund- und Mittelschule Füssen wird nochmal um rund acht Millionen Euro teurer als gedacht

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Mehrere Millionen Euro teurer als gedacht, wird die Sanierung der Füssener Grund- und Mittelschule.

Füssen – Die Sanierung der Grund- und Mittelschule wird noch einmal deutlich teurer als gedacht: Gingen die Planer anfangs von 34 Millionen Euro aus, mussten sie im Oktober 2019 ihre Schätzung auf 43,5 Millionen Euro erhöhen. Nun steht fest: Die Sanierung wird rund 51,4 Millionen Euro kosten.

Das liegt vor allem daran, dass die Planer für die genauen Kostenberechnungen aktuelle Ausschreibungsergebnisse herangezogen haben – und die fallen um rund 3,7 Millionen Euro höher aus. Doch für die Stadt ist die ganze Sache alternativlos. Das machten sowohl Stadtverwaltung als auch Planer am Dienstag in der Sitzung des „Ferienausschusses“ deutlich.

„Die Zahlen ändern sich nicht ohne Grund“, erklärte Philip Leube von „f64 Architekten“, als er den Stadträten die Entwurfspläne und die Kostenberechnung vorstellte. Nachdem die Architekten die Bauwerkskosten nach den aktuellen Preisen berechnet haben, sind diese um rund 3,7 Millionen Euro in die Höhe geschossen. Bei der Schätzung hatten die Planer noch Kostenkennwerte und die Bruttogeschossfläche herangezogen. Die jetzigen Preise seien aber realistisch, erklärte der Architekt. „Wir erwarten, dass Sie das für das Geld umsetzen können.“

Gleiches gelte für den Verbau, also der Absicherung der Aushubarbeiten. Die positionsgenaue Berechnung haben hier zusätzliche Kosten von 420.000 Euro ergeben.

Da unter anderem die Keller vergrößert, die Mensa verlängert, die Flure verbreitert und ein zusätzliches Spielgerätelager eingeplant wurden, vergrößert sich die Bruttogeschossfläche. Und das allein verursacht zusätzliche Kosten von 708.900 Euro, erklärte Leube. Um im laufenden Schulbetrieb arbeiten zu können, müssen die Arbeiter die Gebäude provisorisch abschließen. Diese Wände müssen nicht nur dem Wetter trotzen, sondern auch dem Brandschutz entsprechen. Gleichzeitig werden zusätzliche Gerüsttreppen als zweiter Rettungsweg nötig. Dadurch steigen die Kosten um 142.000 Euro an.

„Das sind acht Millionen Euro Unterschied seit der ersten Vorstellung.“ Christine Fröhlich, Stadträtin

Mehr muss die Stadt und die Förderstellen auch bei der Haustechnik und der Küchenausstattung (296.000 Euro) sowie bei der technischen Ausstattung der Klassen- und Fachräume (192.000 Euro) ausgeben. Zudem erhöhen sich die Kosten für die Freianlagen. Hier wurde nicht nur der Umgriff vergrößert, sondern auch die Entwässerung muss neu gemacht und die Grundleitungen erneuert werden. Daneben gibt es eine bessere Ausstattung, so dass die Anlage durch Abstellplätze für Fahrräder und Tretroller, Bushaltestellen, Parkanlagen und Spielsachen zum „vielseitig nutzbaren Erlebnisraum wird“, erklärte Leube.

Höhere Förderung

Dadurch belaufen sich die Gesamtkosten aber nun auf rund 51,4 Millionen Euro anstatt der zuvor geschätzten rund 43,5 Millionen Euro. Diese Summe muss die Stadt aber nicht allein stemmen. „Zum Glück wird der Deckel der Förderung noch nicht erreicht. Deshalb steigert sich auch die Förderung“, von rund 19,2 auf etwa 22,9 Millionen Euro. Das bedeutet, dass die Stadt etwa 28,6 Millionen Euro (anstatt rund 24,3 Millionen Euro) aus eigener Tasche bezahlen muss.

Was trotzdem eine „Wahnsinnssumme“ sei, wie Christine Fröhlich (FWF) fand. „Das sind acht Millionen Unterschied seit der ersten Vorstellung.“ Man spreche hier von einer Nettoneuverschuldung von 20 Millionen Euro. Und die Kosten werden im Laufe der Bauphase wohl noch weiter steigen. Zudem wisse die Stadt aufgrund der aktuellen Corona-Krise nicht, wie der städtische Haushalt in den kommenden ein bis zwei Jahren aussieht. Deshalb fragte sie sich, ob sich die Stadt Füssen das jetzt leisten könne – oder das Ganze nicht besser verschieben sollte. „Ich hinterfrage nicht, ob das nötig ist. Aber es ist sehr viel nötig in der Stadt“, sagte die Stadträtin und verwies auf die Kindergärten, die die Stadt in den kommenden Jahren bauen will.

Dopfer mit Bedenken

Auch Herbert Dopfer (Füssen-Land) hatte wegen des Zeitpunkts Bedenken. Da sich die heimische Wirtschaft wohl erst im kommenden Jahr von der Corona-Krise erholen werde, wollte er wissen, ob es möglich sei, den Baubeginn um ein halbes Jahr nach hinten zu verschieben. Das sei mit Blick auf die Förderung machbar, erklärte Hauptamtsleiter Peter Hartl. Da jedoch die Sommerferien eine große Rolle in der Bauplanung spielen, empfahl Leube die Arbeiten dann um ein Jahr nach hinten zu verlegen.

Noch länger zu warten, wie Fröhlich angedeutet hatte, hielt die Stadtverwaltung aber nicht für sinnvoll. „Die Situation wird nicht besser, wenn wir das vier bis fünf Jahre schieben“, so Hartl. Im Gegenteil: „Es wird eher teurer.“ Denn aktuell seien nicht nur die Finanzierungsmittel sondern auch die Förderrate so günstig wie nie. „In vier bis fünf Jahren gibt es die Fördermittel sicher nicht mehr in der Höhe“, meinte Ursula Lax (CSU). „Ich warne davor, das zu verschieben.“

"Gebäude ist marode"

Geplant ist derzeit im Sommer 2021 mit den Bauarbeiten zu beginnen. 2028 soll der Umbau fertig sein, informierte Leube. Die Stadt werde das Projekt über 30 Jahre finanzieren, erklärte Stadtkämmerer Marcus Eckert. „Wir werden nur das (Kredit – Anmerk. der Red.) aufnehmen, was wir brauchen“, so Eckert – es sei denn die Zinsen würden stark ansteigen. Daneben gab Leube einen Tipp, wenn der Förderantrag bewilligt ist: „Wenn alle Gewerbe auf einmal ausgeschrieben werden, erhält man eine sehr gute Kostensicherheit für den gesamten Bau.“

„Manche Aufgaben muss man sich leisten“, meinte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) zu der Diskussion. Die Sanierung der Grund- und Mittelschule gehöre zur Pflichtaufgabe der Stadt, „zu der haben wir uns entschlossen.“ Die derzeitige Situation dort sei nicht zukunftsfähig.

„Die Situation wird nicht besser, wenn wir das vier bis fünf Jahre schieben.“  Peter Hartl, Hauptamtsleiter

Das unterstrich auch Wolfgang Bader (SPD), der selbst an der Mittelschule unterrichtet. „Das Gebäude ist marode.“ Bis auf den Brandschutz sei dort seit Jahrzehnten nichts mehr getan worden. Treffe Schlagregen das Gebäude auf der falschen Seite, stehe schon mal das Wasser im Klassenzimmer. „Für unsere Kinder ist es dringend notwendig eine renovierte Schule zu bauen, die wieder betriebsfähig ist!“

Ein Neubau – an dieser Stelle oder auf der grünen Wiese – macht aus finanzieller Sicht dagegen keinen Sinn. Dafür müsste die Stadt mindestens elf Millionen Euro mehr ausgeben, haben die Berechnungen der Architekten ergeben.

Deshalb genehmigte der Ausschuss einstimmig die Kostenberechnung und den Entwurfsplan. Letzteren sollen die Architekten um einen Veranstaltungsraum in der Aula bzw. Mensa ergänzen. Diesen Antrag hatte Ilona Deckwerth (SPD) auf Anregung der „Harmoniemusik“ gestellt. Ein Veranstaltungsraum mit mehr als 200 Besuchern komme auch den Schulen zugute. Danach segneten die Räte den Bebauungsplan-Vorentwurf für das Projekt ab, so dass dieser jetzt in die öffentliche Auslegung gehen kann.

Katharina Knoll

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