Stadtrat beschließt 900.000 Euro teure Sanierung des Alten Landratsamtes

"Wir kommen nicht drumherum"

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Tief in die Stadtkasse greifen muss die Stadtverwaltung bei der Sanierung des Alten Landratsamtes.

Füssen – Tief in die Kasse greifen muss die Stadt bei der Sanierung des Alten Landrats-amtes. Mindestens 851.266 Euro muss sie in den nächsten beiden Jahren in das Gebäude investieren, damit es überhaupt noch betrieben werden darf, stellte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) am Dienstag im Stadtrat klar.

Doch Füssen will seine Schulden abbauen, da tut jede größere Investition weh. Deshalb fragten sich einige Stadträte, ob sich die Sanierung wirtschaftlich überhaupt lohnt. Decken müssen gedämmt, die Blitzschutzanlage auf den gesetzlichen Stand gebracht und vor allem der Brandschutz muss gewährleistet werden – die „To-Do“-Liste für die kommenden beiden Jahre ist lang und somit teuer. 

Dabei habe man sie auf das „absolut notwendige Maß, was der Gesetzgeber vorschreibt, reduziert“, erklärte Iacob. „Wenn wir das Landratsamt nutzen wollen, dann müssen wir es so umbauen“. Das meiste Geld, 605.214 Euro, gehe dabei für den Brandschutz drauf. 

Hier müssen unter anderem Durchbrüche geschottet werden. Außerdem muss alles für einen zweiten Fluchtweg her, also das Fundament für den Treppenturm, der Treppenturm selbst und seine Beleuchtung, erklärte Architektin Dorothea Babel-Rampp. Da außerdem die Deckenqualität im Altbau „sehr schlecht“ sei, müssten eigentlich sofort alle Decken ertüchtigt werden. Doch da während der Arbeiten die Mieter komplett ausziehen müssen, habe man sich mit dem Landratsamt Ostallgäu darauf geeinigt, dass sie vorerst so bleiben wie sie sind. Erst bei einem Mieterwechsel sollen sie saniert werden. Dafür muss die Stadt aber eine Brandmeldeanlage für 73.899 Euro installieren. 

Doch irgendwann kommt die Deckensanierung auf die Stadt zu, dann fallen noch einmal 518.249 Euro an, sagte Babel-Rampp. Daneben muss die Stadt eine neue Heizung einbauen. Denn nach der neuen Energieeinsparungsverordnung 2014 dürfen alte Heizkessel, die vor dem 1. Januar 1985 eingebaut wurden, ab 2015 nicht mehr betrieben werden, erklärte Gerhard Dietrich von Güttinger Ingenieure. 

Und der Ölkessel im Alten Landratsamt wurde 1984 installiert. Es besteht also „dringender Handlungsbedarf“, so Dietrich. Für die Heizungserneuerung mit Nebenarbeiten fallen 70.067 Euro an. Auch bei der Dämmung der obersten Geschossdecken besteht eine Nachrüstpflicht, was der Stadt 48.189 Euro kosten wird. 

Unsichere Elektrik 

Doch das ist noch nicht alles. Auch die Blitzschutzanlage muss auf den gesetzlichen Stand gebracht werden, erklärte Robert Saguer, Geschäftsführer von Körbl und Feneberg. So haben die Erdleiter zum Teil keine Ableitwiderstände oder müssten sogar komplett neu verlegt werden. Außerdem müssen die elektrischen Verteiler saniert werden, da sie zum Teil nicht berührungssicher sind, so Saguer. Dafür fallen zusammen noch einmal 63.331 Euro an. 

Um das Gebäude barrierefrei zu machen, braucht das Haus außerdem eine Rampe in der Treppenhalle und eine barrierefreie Toilette im Erdgeschoss, erklärte Babel-Rampp. Das kostet der Stadt 40.812 Euro. „Es gibt keine Option, dass wir da drumherum kommen“, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. 

Falls sich das ganze Vorhaben verzögern sollte, bestehe im Extremfall die Gefahr, dass das Landratsamt „die Nutzung des Gebäudes einstellt“, so der Bauamtsleiter. Im Haushalt seien die rund 851.000 Euro gerade „noch einigermaßen darstellbar“. Allerdings sollen sie aufgesplittet werden. 507.870 Euro sollen im Haushalt 2015, 343.395 Euro im Haushalt 2016 verankert werden. 

Zweifel an Schätzungen 

Doch mit diesen hohen Investitionen taten sich die Stadträte schwer. So wollte Gabriel Guggemos (Füssen Land) wissen, wie realistisch diese Schätzungen seien. Denn bei einigen städtischen Projekten seien die Kosten während der Arbeiten „explodiert“. Man habe die Erfahrungen aus den Umbauarbeiten im zweiten Obergeschoss des Neubaus, die am 15. Januar abgeschlossen werden sollen, erklärte Babel-Rampp. Allerdings wisse sie nicht, wie die Leitungen im Altbau ausschauen, die weitere Kosten verursachen könnten. 

Zudem stellten Jörg Umkehrer (Grüne) und Andreas Ullrich (Freie Wähler) die Wirtschaftlichkeit der Pläne in Frage. Schließlich kommen zusammen mit der Ertüchtigung der Decken im Altbau rund 1,3 Millionen Euro auf die Stadt zu, so Ullrich. Dafür müsse die Stadt pro Jahr 70.000 Euro an Mieten einnehmen. Da müsse man sich schon fragen, ob sich das lohnt oder ob die Stadt nicht besser so wie beim Hallenbad handeln sollte, sagte Ullrich. Bei einem Verkauf müsste das Gebäude aber auch saniert werden, argumentierte Angeringer. 

Doch auch Nikolaus Schulte (CSU), der zwar für die Sanierung war, wollte die Mieteinnahmen wissen, damit die Stadträte kalkulieren können. Schließlich wollte man nicht „ins Blaue“ handeln. Die betragen laut Ernst Meßthaler vom Liegenschaftsamt 103.000 Euro netto pro Jahr, was die Stadträte von den Plänen zu überzeugen schien. Sie entschieden sich einstimmig dafür, die Nutzung des Gebäudes zu ändern und es nach den gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen zu sanieren. 

Zusätzlich sollen aber auch die öffentlichen Toiletten in dem Haus saniert werden, was die Stadt zusätzliche 44.291 Euro kosten wird. So kommen in den nächsten zwei Jahren Kosten von rund 900.000 Euro auf die Stadt zu.

Katharina Knoll

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