Standesamt hängt Gitter für Liebesbeweis auf

Liebesschlösser dürfen bleiben

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Seit zwei Wochen hängen die Gitter für Liebesschlösser an der Theresienbrücke und am Maxsteg. Hier beeinträchtigen sie weder die Statik noch schaden dem Geländer.

Füssen – Sie hängen an der Ponte Vecchio in Florenz, der Hohenzollernbrücke in Köln oder der Liebesbrücke in Helsinki – Vorhängeschlösser als Zeichen der ewigen Liebe haben vor rund zehn Jahren ihren Siegeszug durch Europa angetreten.

Doch ihre Masse stellt Städte vor ernsthafte Probleme: Ihre Last beeinträchtigt die Statik der Brücken. Auch in Füssen sorgen sie für Schwierigkeiten. Doch die Stadt hat jetzt eine Lösung gefunden: An drei Gittern am Maxsteg und der Theresienbrücke können Paare ihren Liebesbeweis aufhängen.

Der genaue Ursprung des Brauchs ist zwar unbekannt. Man geht jedoch davon aus, dass er in Italien entstanden ist. Am Ende ihrer Ausbildung sollen Absolventen der Sanitätsakademie San Gorgio in Florenz die Vorhängeschlösser ihrer Spinde am Gitter der Ponte Vecchio befestigt haben. Bald übernahmen das Verliebte in Rom: Sie beschrifteten Schlösser mit ihrem Namen, befestigten sie an der Ponte Milvio und warfen den Schlüssel als Zeichen ihrer ewigen Liebe in den Tiber.

Durch den Roman „Drei Meter über dem Himmel“ wurde der Brauch bekannt und verbreitete sich schnell auf der ganzen Welt – zum Leidwesen vieler Städte.

Beschichtung bröckelt ab

In Füssen begannen die Schwierigkeiten erst im August vergangenen Jahres. Damals weihte die Stadt den neuen Maxsteg über dem Lech ein. Das Problem: Das neue Geländer ist dünner als das alte, so dass Liebesschlösser daran festgemacht werden können. Was Verliebte auch nutzen.

Wenn Besucher nun aber an die Schlösser stoßen, rutschen diese nach unten – und schlagen die Pulverbeschichtung ab. So kann Wasser eindringen und Rost bildet sich, informiert Standesamtsleiter Andreas Rösel. „Bei der feuchten Umgebung rostet das ruck zuck“. Deshalb fuhren bisher Mitarbeiter des Bauhofs einmal pro Woche zum Maxsteg, um die Schlösser abzuknipsen. Trotzdem entstanden bereits Schäden an der Brücke.

Deshalb wollte die Stadt ein generelles Liebesschloss-Verbot aussprechen – so wie einige europäische Städte das bereits getan haben. Rösel war jedoch dagegen: „Das bringt gar nichts.“ Außerdem passt der Brauch gut zu Füssen: Gilt die Stadt doch als „romantische Seele Bayerns“. Stattdessen schlug der Standesamtsleiter vor, Gitter auf festem Grund aufzustellen, damit Verliebte dort ihre Schlösser anbringen können. So beschädigen sie weder das Geländer noch beeinträchtigen sie die Statik.

Finanziert wurde das Ganze aus dem Budget des Standesamts. 500 Euro legte es für drei Gitter sowie den entsprechenden Internetauftritt auf den Tisch, so Rösel. Dadurch wird auch gewährt, dass die Schlösser hängen bleiben, sagt der Standesamtsleiter. Wenn die Gitter voll sind, werden sie vom Maxsteg abmontiert und an das Gelände der benachbarten Aussichtsplattform gehängt. Wie das bei der Theresienbrücke geregelt wird, steht hingegen noch nicht fest.

Bei den benachbarten Fahnen gebe es aber viel Raum. „Da findet sich bestimmt ein Platz“, sagt Rösel.

Anlaufstelle für Schlösser

 Daneben gibt es einen weiteren Service: Mit Hilfe des QR-Codes am Gitter gelangen Interessierte direkt auf die Seite des Standesamts. Dort wird nicht nur das Prinzip erklärt. Interessierte finden auch Anlaufstellen, wo sie Liebesschlösser in Füssen kaufen können und wie eine Heirat in der Lechstadt abläuft.

Damit auch Touristen die Erklärungen verstehen, wird die Seite auf Englisch, Chinesisch und Italienisch übersetzt. Schließlich kommt der Brauch ursprünglich aus Italien. Doch dort ist er in einigen Städten mittlerweile verboten. Wer in Rom beim Aufhängen eines Schlosses erwischt wird, muss mit einer Strafe von bis zu 250 Euro rechnen. Und auch am Ursprungsort, an der Ponte Vecchio in Florenz, riskiert man eine Geldstrafe.

Katharina Knoll

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