Vermieterin: "Ich habe kein Mitleid mehr"

Mietnomaden in Füssen: Mieterin zahlt keine Miete und verschmutzt Wohnung

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Mit einer verdreckten Wohnung bekommen es Vermieter meist zu tun, wenn Mietnomaden aus den vier Räumen ausgezogen sind.

Füssen – Zerkratzte Böden, eine dicke Fettschicht im Ofen und ein Keller bis zur Decke voller Müll: Eigentlich hatte Sabine Müller (Name von der Redaktion geändert) ihre Wohnung erst vor drei Jahren komplett saniert.

Doch jetzt sind sie und ihr Mann erneut am Putzen, Reparieren und Streichen. Daneben stapeln sich auf dem Schreibtisch die Rechnungen, unter anderem vom Anwalt und Gericht. Der Grund: Sabine Müller wurde nach eigenen Angaben Opfer einer sogenannten Mietnomadin. Die ließ nicht nur die Wohnung verlottern, sondern zahlte häufig auch keine Miete. Die Folge: Ein Schaden von über 8000 Euro. 

Aus Mitleid, so die Version von Vermieterin Müller, hatte sie 2016 ihre Wohnung an die Mittdreißigerin vermietet. Diese musste damals aus ihrer bisherigen Bleibe raus und wollte nun mit ihrem Ehemann und den beiden Kindern in die neue, 80 Quadratmeter große Wohnung einziehen. Doch zur Vertragsunterzeichnung kam die Ungarin allein – das Paar hatte sich zwischenzeitlich getrennt. Trotzdem zog sie am 1. April 2016 allein in die 3,5-Zimmerwohnung ein und zahlte auch pünktlich und in bar die erste Miete. 

Doch dann fing für Müller der Ärger an. Die Zahlungen kamen verspätet, nur in Teilen oder gar nicht. Zwar übernahm das Jobcenter die Miete – allerdings nicht in voller Höhe, da die Frau keinen Anspruch auf so eine große Wohnung hatte, so Müller. Sie suchte daraufhin das Gespräch mit ihrer Mieterin, die sich die vier Räume mittlerweile mit Freund und Hund teilte. Doch alle Ermahnungen halfen nichts. 

In solch einem Fall sollte der Vermieter möglichst schnell aktiv werden, rät Annegret Viebig-Sandler, Erste Vorsitzende des Haus- und Grundbesitzervereins Füssen. „Wenn ein Vermieter schon die erste Miete von seinem Mieter nicht bekommt, sollte er sich selbstverständlich umgehend rechtlich beraten lassen, eine Abmahnung mit Kündigungsandrohung dem Mieter zuleiten und spätestens, wenn zwei Monatsmieten nicht eingegangen sind, auch von seinem Kündigungsrecht Gebrauch machen“, so Viebig-Sander. 

Davor sollte er jedoch mit seinem Mieter reden und den Grund abklären. „Wir können jedenfalls nicht empfehlen, hier über viele Monate hinweg die Nicht,-oder Minderzahlung der Miete hinzunehmen ohne tätig zu werden, sondern eine Kündigung auszusprechen, sei es eine fristlose Kündigung bei Zahlungsverzug mit zwei Monaten, sei es eine ordentliche Kündigung, wenn mehr als eine Monatsmiete Rückstand besteht.“ 

Denn je nach Höhe der Miete können hier erhebliche Schäden für die Vermieter entstehen. „Wenn sie eine komplett beschädigte Wohnung zurückerhalten, gehen die Kosten oftmals in die Tausende.“

"Total ungerecht"

Zu diesem Schritt entschloss sich schließlich auch Vermieterin Müller: Im August 2017 folgte die Kündigung des Mietvertrags – aber nicht der Auszug. Deshalb reichte Müller im Dezember 2017 die Räumungsklage ein – und gewann den Prozess. Auf den Kosten dafür blieb allerdings sie sitzen, da ihre Mieterin nicht zahlen konnte. „Das finde ich total ungerecht“, so Müller. „Das ist ärgerlich und kostet so viel Geld. Als Vermieter hat man so wenig Chancen, sich zu schützen.“ 

Zumal für sie selbst die Sache damit noch lange nicht erledigt war, wie Müller hinzufügt. Da ihre Mieterin erklärte, dass sie todkrank sei, machte Müller einen Schritt auf sie zu und erlaubte ihr in der Wohnung zu bleiben, bis sie eine neue gefunden habe – und falls sie die Miete zahle. Dafür half sie ihr auch mit den Anträgen fürs Jobcenter. „Ich hab ein weiches Herz. Aber ihr war alles egal, ob sie das Geld bekommt vom Jobcenter oder nicht“, so die Vermieterin. „Die Frau drückt aufs Mitleid. Sie weint, wenn sie etwas braucht.“

Viele Lügen

Doch genau davon sollten sich Vermieter nicht einwickeln lassen, rät Viebig-Sandler. „Man kann eigentlich nur empfehlen, dass Vermieter nicht zu vertrauensvoll sein sollten und alle möglichen Ausflüchte eines Mieters, der seine Miete nicht bezahlt, hinnehmen.“ An diesem Punkt ist mittlerweile auch Müller angekommen. Auf die vielen Lügen springe sie schon lange nicht mehr an, so die Vermieterin. 

„Ich habe kein Mitleid mehr.“ Denn: „Ich lebe davon. Ich vermiete nicht zum Spaß.“ Schließlich wurde der Räumungstermin für den 19. September 2018 angesetzt. Doch die Ungarin legte Widerspruch ein. Ein neuer Prozess folgte. Zwar lehnte das Gericht den Widerspruch ab, so Müller, doch auf sie kamen dadurch erneut Kosten zu. In der Zwischenzeit habe der Gerichtsvollzieher die Wohnung allerdings geräumt. Und Müller hat für sich selbst Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen: Mittlerweile habe sie eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen und „Vermieter sollten sich mehr Zeit nehmen und genau schauen, an wen sie vermieten.“

Hohe Nachzahlung

Diesen Tipp gibt auch die Erste Vorsitzende von Haus- und Grundbesitzerverein Füssen: „Worauf ein Vermieter in jedem Fall achten sollte ist, dass er sich vor Unterzeichnung des Mietvertrages im Rahmen einer Selbstauskunft des Mieters Kenntnis von dessen finanzieller Situation, insbesondere des regelmäßigen Einkommens verschafft.“ Daneben sollte der Vermieter auf keinen Fall den Wohnungsschlüssel vor Zahlung der Kaution aushändigen.

Ganz ausgestanden ist für Sabine Müller die Sache aber noch nicht. Neben der Renovierung der Wohnung, müsse sie auch eine Nachzahlung von über 1000 Euro für die Nebenkosten der vergangenen acht Monate leisten. Eine weitere Zahlung werde wohl noch folgen. Dass sie das Geld jemals von der Ungarin erstattet bekomme, glaubt Müller nicht. „Die ist verschwunden.“ Auch wenn sie keine Adresse von ihr habe, wisse sie, dass sie schon eine neue Wohnung habe. „Der Vermieter kann einem nur leid tun.“ 

Katharina Knoll

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