Schleierfahnder verzeichnen mehr Delikte in fast allen Bereichen

Mehr Kontrollen – Mehr Treffer

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Sigmund Gast

Landkreis – Mehr Fahndungstreffer und mehr Straftaten: 2016 hat die Schleierfahndung Pfronten einen Anstieg der Delikte in fast allen Bereichen verzeichnet. Denn die Fahnder waren öfter auf den Straßen unterwegs, weil sie ihre Memminger Kollegen weniger am Flughafen unterstützen mussten.

„Wenn wir mehr Kontrollen machen, bleibt auch mehr hängen“, erklärte Sigmund Gast, Dienststellenleiter der Schleierfahndung Pfronten, bei der Vorstellung des Jahresberichts.

Den Pfrontener Beamten gelangen insgesamt 475 Fahndungstreffer (2015: 469). Daneben deckten sie 779 Straftaten (2015: 743) auf. Einen Anstieg von 26 Prozent verzeichneten die Fahnder bei den Drogenaufgriffen. Derzeit werden demnach vor allem synthetische Drogen vermehrt auf dem Markt gebracht, erklärte Gast. Dazu gehören beispielsweise „Legal Highs“ oder auch hochgezüchtete Cannabisprodukte.

Ein besonderer Fang gelang den Beamten im vergangenen November auf der A7 am Grenztunnel bei Füssen. Dort kontrollierten die Polizisten einen VW Tiguan, mit dem zwei gebürtige Kasachen mit deutscher Staatsangehörigkeit unterwegs waren. Als sie sich mit dem Fahrer unterhielten, schlug den Beamten bereits starker Cannabisgeruch entgegen. Doch das war noch nicht alles. Im Kofferraum und Fußraum des Wagens entdeckten sie vier Kartons mit insgesamt 199 Marihuana-Zuchtpflanzen. 

Einen „außergewöhnlich hohen Zuwachs“ verzeichneten die Pfrontener und Lindauer Fahnder auch bei den Verkehrsdelikten. Diese wuchsen im gesamten Gebiet von 221 Fälle in 2015 auf 294 in 2016 an. Auch die Pfrontener Beamten registrierten hier eine Steigerung von 36 Prozent. Das dürfte laut dem Dienststellenleiter aber hauptsächlich auf die vermehrten Kontrollen zurückzuführen seien. 

Andere Routen 

Weniger zu tun hatten die Ostallgäuer Fahnder dagegen im Bereich Ausländerrecht. Hier verzeichneten sie einen Rückgang um 15 Prozent: von 410 Fällen in 2015 auf 345 Fälle im vergangenen Jahr. „Die Schleuserrouten haben sich nach Süd-Ost-Bayern verlagert“, erklärte Gast. Die Regionen um Passau, Freilassing, Bad Reichenhall oder Kiefersfelden seien hauptsächlich davon betroffen. Außerdem sei jetzt vermehrt die Bundespolizei mit nationalen Grenzkontrollen und verstärkten Einreisekontrollen betraut. Deckten die Pfrontener Schleierfahnder 2014 noch 70 Schleusungen auf, so waren es 2015 nur noch 13. Und im vergangenen Jahr reduzierte sich ihre Zahl auf zwei. 

Allerdings sieht Gast hier schon wieder eine Kehrtwende. „Es landen wieder mehr Flüchtlinge in Italien an. Die kennen die Route über den Fernpass.“ Dabei spielen auch die Fernbusreisen eine immer größere Rolle. „Mit recht wenig Geld kommt man von Italien nach Deutschland“, weiß der Dienststellenleiter. 

Einsatzstunden steigen 

Bereits sieben Schleusungen haben die Pfrontener Fahnder in diesem Jahr entdeckt. Dabei spiele „Kommissar Zufall“ eine entscheidende Rolle. „Man muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein und die richtigen Leute kontrollieren“, sagt der Erste Polizeihauptkommissar. Das zeigt ganz deutlich ein Fall aus der Vorweihnachtszeit 2016. Eine Streife der Fahndung war auf der Rückfahrt von einem Einsatz, als den Polizisten ein Auto auffiel, das auf dem Seitenstreifen der A7 anhielt. Der Fahrer verdrückte sich zum Pinkeln hinter die Büsche. Den Beamten kam die ganze Situation komisch vor, weshalb sie den Fahrer und seine sechs Begleiter überprüften. Und einen Treffer landeten: Die sechs Personen im Auto hatten nicht die nötigen Dokumenten, um nach Deutschland einreisen zu dürfen. „Hätte der Fahrer nicht hinter die Büsche müssen, wären die Kollegen vorbeigefahren“, so Gast. 

Doch für solche Erfolge müssen die Fahnder auf den Straßen unterwegs sein. Und dafür bleibt ihnen 2017 wieder weniger Zeit. Denn auch beim Flughafen Memmingen ist eine Kehrtwende in Sicht: Dort werden mehr Flüge vor allem in Nicht-Schengen-Staaten angeboten. Und „für die Kontrollen sind wir zuständig“, so Gast. „Mehr Personal wird gebunden. Bei der personell angespannten Situation ist das nicht so einfach.“ Denn die Beamten der Fahndung würden zwar für den normalen Dienst in Pfronten ausreichen. Nicht aber für die Zusatzbelastung am Allgäu-Airport. Doch eine Entlastung ist erst einmal nicht in Sicht. „Mit einem personellen Defizit haben alle Dienststellen in Bayern zu kämpfen. Bis das aufgestockt wird, wird es dauern.“ 

Katharina Knoll

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