Keine Aufstauung ohne Sanierung

Forggensee-Staudamm bei Roßhaupten muss im Frühjahr repariert werden

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Der Staudamm bei Roßhaupten im nördlichen Bereich des Forggensees muss saniert werden. Dadurch kann es im Sommer zu Beeinträchtigungen kommen.

Roßhaupten – Tausende Touristen und Einheimische werden Sommer für Sommer vom Forggensee und dessen vielfältigen Freizeitmöglichkeiten angelockt. In diesem Jahr müssen sie aber womöglich mit erheblichen Einschränkungen rechnen: Der 64 Jahre alte Staudamm bei Roßhaupten muss nach Angaben der Betreiberfirma Uniper Kraftwerk GmbH saniert werden.

Da die Sicherheit im Vordergrund stehe, bleibt der Forggensee im aller schlimmsten Fall deshalb in diesem Sommer trocken. Dieses Worst-Case-Szenario soll aber nach Möglichkeiten verhindert werden und gilt als unwahrscheinlich. 

Wie alle wasserbaulichen Anlagen unterliegt auch die Talsperre Roßhaupten regelmäßigen und intensiven Kontrollen. Dafür sind insgesamt 50 Messstellen installiert, die laufend ausgelesen und ausgewertet werden. Die Auswertung der Messreihen seit 2015 und ergänzende Beobachtungen im Januar haben nach Auskunft der Betreiberfirma ergeben, dass die Dammdichtung jetzt erneuert werden muss.

 Aktuell gehe zwar keine Gefahr von den Schäden aus. Aber: „Ein Wiederaufstau ist ohne Maßnahme nicht mehr möglich“, heißt es in einer Pressemitteilung der Uniper. Vor diesem Hintergrund habe Uniper mit Fachleuten und den zuständigen Behörden ein mehrstufiges Sanierungskonzept entwickelt. So bleibe die Sicherheit gewährleistet und der See könne – zumindest bei planmäßigem Verlauf der Arbeiten – in den Sommermonaten weitgehend für die touristische Nutzung zur Verfügung stehen. 

Der angestrebte Zeitplan stehe allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass die Behörden den Plänen zustimmen. Grundsätzlich könne ein Wiederaufstau jedoch erst nach der Umsetzung der geplanten Reparaturmaßnahmen stattfinden. 

Konkret sieht die für April bis Juni angedachte ersten Phase der Sanierungsarbeiten laut Uniper gezielte Zement-Injektionen in den Dammuntergrund vor. Durch diese Vorab-Injektionen von Zement an zahlreichen ausgewählten Stellen soll der Untergrund gefestigt und für die Einbringung einer Erdbetonschlitzwand vorbereitet werden. Zusätzlich sollen weitere Messgeräte für ein begleitendes Monitoring eingebracht und ergänzende Informationen über den Baugrund zur Planung der zweiten Phase gewonnen werden. 

Zwei Bauphasen

In einer zweiten, von Juli bis Jahresende, vorgesehen Bauphase soll von der Dammkrone eine Erdbetonschlitzwand eingebracht werden – ein Verfahren, das sich international oder auch zum Beispiel bei der 2012 vorgenommenen Sanierung des Damms am Sylvensteinspeicher bewährt habe. Diese zusätzliche Abdichtung durch eine Betonschlitzwand über die gesamte Länge des Damms von 320 Metern mit einer Dicke von ca. 80 Zentimetern und einer Tiefe von maximal 75 Metern werde bis zu 40 Meter tief unter dem Dammfuß in den Untergrund ragen. 

Diese zusätzliche Dichtwand wird nach Überzeugung der Uniper für die nächsten Jahrzehnte des Betriebs die Funktionstüchtigkeit des Damms garantieren. Die Zement-Injektionen der Phase 1 sollen es möglich machen, den Wiederaufstau des Forggensees schon vor Abschluss aller Arbeiten vornehmen zu können. „Die Vorabinjektionen sind die Voraussetzung für einen Vollstau im kommenden Sommer.“

Da diese erste entscheidende Phase des Sanierungskonzeptes Zeit in Anspruch nehmen wird, sei es wahrscheinlich nicht möglich, ein Aufstauen des Sees wie üblich zum 1. Juni zu garantieren. „Abhängig vom Baufortschritt in Phase eins und dem Wasserdargebot rechnen wir mit Verzögerungen von mehreren Wochen“, heißt es dazu von Uniper. 

Sicherheit an erster Stelle

Die Entscheidung über einen Aufstau könne ohnehin grundsätzlich erst nach den Injektionen und der Auswertung der weiteren in diesem Bauabschnitt gewonnen Informationen erfolgen. „Im Hinblick auf die große touristische Bedeutung des Forggensees wählt Uniper mit der beschriebenen Vorgehensweise mit den vorgelagerten Injektionen die beste, schnellste aber auch kostenintensivste Variante, die einen Wiederaufstau im Sommer und eine Dammsanierung im laufenden Betrieb des Sees ermöglichen soll“, betont Carsten Gollum, Leiter der Kraftwerksgruppe Lech. 

„Grundlage aller Entscheidungen ist unsere Sicherheitsphilosophie, die keine Kompromisse zulässt. Wir werden deshalb über den Aufstau allein nach Sicherheitsgesichtspunkten entscheiden.“ Heißt: Sollten die Experten aufgrund der Injektions- und Erkundungsarbeiten zu einer negativen Einschätzung kommen, werde der Aufstau abgebrochen oder erfolge gar nicht. 

Der Sicherheit geschuldet sind auch notwendige Straßensperrungen während der Bauzeit. Da alle wesentlichen Bauarbeiten von der Dammkrone aus vorgenommen werden, dort große Baumaschinen zum Einsatz kommen und diverse An- und Abfahrten mit Material und Werkzeugen erfolgen werden, werde derzeit ein Umleitungskonzept für Autos und Lkws erarbeitet. Dieses Konzept werde dann rechtzeitig und umfassend kommuniziert. 

Info-Pavillon

Um die Rad- und Wanderwege nicht zu unterbrechen, soll es für Fußgänger und Radfahrer Möglichkeiten zur Überquerung des Damms geben. Es ist außerdem vonseiten der Betreiberfirma vorgesehen, vor Ort einen provisorischen Informationspavillon einzurichten, um Besuchern, Informationen über die technisch interessanten Details der Baumaßnahme zu geben. Vor-Ort-Termine für die Presse sollen entsprechend des Baufortschritts ebenso stattfinden. 

Auf der Internetseite der Uniper (https://www.uniper.energy/de/dammprojekt-rosshaupten) ist darüber hinaus eine Web-Seite mit den jeweils aktuellen Informationen zu Baufortschritt und Umleitungen eingerichtet. Die Gesamtkosten der Maßnahme werden mit rund 20 Millionen Euro beziffert. Mit der Wiederherstellung von Straße und Radweg über den Damm und der Freigabe für den allgemeinen Verkehr im Frühjahr 2019 soll die Baustelle dann abgeschlossen sein.

red/mm

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