Schloss Neuschwanstein

E-Ticket lässt auf sich warten - Homepage wirbt mit Reservierung zu hoher Gebühr

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Ausschließlich im Ticketcenter in Hohenschwangau können Besucher derzeit Eintrittskarten für die Hohenschwangauer Schlösser erwerben.

Schwangau – Wer König Ludwigs II. Märchenschloss besichtigen will, muss vor allem in den Sommermonaten viel Zeit mitbringen. Nun gibt es allerdings eine Onlinebestellplattform, wo Besucher Tickets mit einer saftigen Provision ordern können, wie die Gemeinde Schwangau jüngst erfahren hat.

Bis zu 8000 Gäste besuchen Schloss Neuschwanstein täglich. Angesichts der Öffnungszeiten von neun bis 18 Uhr eine logistische Herausforderung. So müssen Besucher die Eintrittskarten immer noch persönlich am Ticketcenter in Hohenschwangau abholen. Doch schon am Vormittag, das Ticketcenter öffnet derzeit um 7.30 Uhr, können sogar die Nachmittagsführungen ausgebucht sein. Ärgerlich für den, der nur einen Tag für die Schlösser eingeplant hat und dann zu spät kommt. 

Schon lange drängen daher nicht nur die Gemeinde und auch der Wittelsbacher Ausgleichsfonds, endlich Onlinetickets für die Königsschlösser anzubieten. Die Idee: Man loggt sich auf der Homepage des Ticketcenters ein und kann bequem mit Kreditkarte oder Überweisung Tickets für die gewünschte Uhrzeit und den favorisierten Tag kaufen. Anschließend erhält man eine E-Mail , die man ausdruckt oder es wird ein E-Ticket aufs Handy geschickt, mit dem man ins Schloss kommt – so wie man es etwa bei Kinoeintrittskarten kennt. 

Dass man seitens der Bayerischen Schlösserverwaltung daran arbeitet, äußerte Bernd Schreiber, Präsident der BSSV, beim Besuch des Bayerischen Finanzministers Albert Füracker. 

Umso interessanter ist da die Homepage der in den Niederlanden registrierten Firma Bio Web Design, neuschwansteintickets.de. Über die Seite Ticketbar könnte man, so wird der Eindruck erweckt, Tickets für den Besuch erwerben. Neben allgemeinen Informationen über das Schloss und den Einlass heißt es auf der Seite: „Tickets für das Schloss Neuschwanstein sind auf zwei Arten erhältlich“. Zum einen im Ticketcenter in Hohenschwangau. Oder Online-Tickets: „Glücklicherweise können Sie seit kurzem bequem Tickets online reservieren. Mit diesen Tickets können Sie Wartezeiten umgehen und selbst den Zeitpunkt Ihres Besuches bestimmen. Reservieren Sie einige Tage im Voraus. Sie bezahlen für diesen Service nur einen kleinen Aufpreis. Tickets für Neuschwanstein können Sie hier kaufen“. Und hier wird der Besucher dann auf die Seite Ticketbar weitergeleitet. Für nur 18,25 Euro, so steht es am Kopf der Seite, könne man Schloss Neuschwanstein besichtigen und erhalte eine Führung. Am Ende derselben Seite heißt es dann allerdings, dass die Eintrittsgebühr zum Schloss Neuschwanstein 14,75 Euro betrage und eine Informationsbroschüre 3,50 Euro. 

Regulär kosten die Eintrittskarten für die Schlösser 13 Euro. Onlinereservierungen sind aber auch hier, auf der Homepage des Ticket Centers Hohenschwangau, möglich. Und die Reservierungsgebühr beträgt dabei nur 1,80 Euro pro Person. 

Wie lange es diese Seite gibt, ist nicht bekannt. Zufällig wurde man im Schwangauer Rathaus darauf aufmerksam und informierte auch die Schlösserverwaltung von diesem Angebot. 

Buchung funktioniert nicht 

Dort, auf der HomepageNeuschwanstein.de heißt es denn auch: „Bitte beachten Sie, dass die Firma Ticketbar kein offizieller Vertriebspartner ist und eine Einlösung der angebotenen Tickets nicht gewährleistet werden kann!“. 

Die Tickets gibt es aber ohnehin (noch) nicht: wer auf Ticketbar versucht, Eintrittskarten zu erwerben, kommt nicht weiter. Zwar kann man die Uhrzeit und die Zahl der Tickets einstellen, die man gerne erwerben oder reservieren möchte (die Seite ist in zwölf verschiedenen Sprachen abrufbar und es sind Kreditkartensymbole angegeben, die als Zahlungsmittel anerkannt werden), aber es kann kein Tag eingegeben werden. 

Allerdings sind auf der Seite von Ticketbar, dem Onlineshop, der in Andorra registriert ist, 46 Städte weltweit aufgeführt, zu denen entsprechende Besuchstouren und Museumseintritte angezeigt werden. Hier sind dann auch Buchungen möglich, etwa eine Tour durch Schloss Versailles oder der Besuch des Eiffelturms, kombiniert mit einer Stadtführung. Wenn Eintrittskarten für eine konkrete Sehenswürdigkeit angeboten werden, etwa die St. Pauls Kathedrale in London, werden Aufschläge wie im Fall Neuschwanstein erhoben. 

Konzept wurde abgelehnt 

Gedanken macht man sich in Schwangau vor allem wegen des erst noch zu erstellenden Angebots der Onlinetickets. Neben der Infrastruktur, die angesichts der 1,5 Millionen Tagesbesucher in Hohenschwangau an ihre Grenzen stößt, eines der drängenderen Probleme, um das sich auch die Schlösserverwaltung und damit der Freistaat kümmern sollte, wie Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke (CSU) jüngst erst wieder bei Fürackers Besuch im Schloss ansprach. Rathauschef Rinke hatte dazu auch einen Vorstoß für eine Mobilitätsplattform im Rahmen der Offensive „digitales Alpendorf“(der Kreisbote berichtete) unternommen. Wie Rinke jetzt berichtete, wurde das vorgelegte Konzept allerdings abgelehnt.

Oliver Sommer

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