Finanzminister Albert Füracker macht sich ein Bild von der Sanierung Schloss Neuschwansteins

Das Märchenschloss wird herausgeputzt

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Minister Albert Füracker besichtigt Schloss Neuschwanstein und macht sich ein Bild von den Restaurierungsarbeiten.
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Minister Albert Füracker besichtigt Schloss Neuschwanstein und macht sich ein Bild von den Restaurierungsarbeiten.
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Minister Albert Füracker besichtigt Schloss Neuschwanstein und macht sich ein Bild von den Restaurierungsarbeiten.

Schwangau – Es ist die „größte und anspruchsvollste Innenrestaurierung“ die die bayerische Schlösser und Seenverwaltung seit 100 Jahren ausführen lässt.

Seit einem guten Jahr wird Schloss Neuschwanstein innen wie außen saniert und große Teile des Mobiliars restauriert. Bis 2022 sollen gut 20 Millionen Euro investiert werden. Nun hat sich der oberste Schlossherr, Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU), vor Ort über die Arbeiten informiert. Derzeit sieht es gar nicht märchenhaft aus auf Schloss Neuschwanstein, jenem Märchenschloss König Ludwigs II., das quasi mit dem Tod des Bayernherrschers 1886 fertiggestellt wurde. 

Der Betrachter bekommt einen kleinen Eindruck, wie es hier vor 132 Jahren während der Bauarbeiten ausgesehen haben könnte. Der Torbau und die Auffahrt zum großen Haupttor sind eingerüstet, überall stehen Materialcontainer und Arbeiter sind an der Fassade mit deren Reinigung beschäftigt. 

Im Innern können die Besucher gerade noch die letzten Blicke auf den originalen Sängersaal erhaschen, ehe dessen Wände demnächst mit Fotoplanen abgehängt werden, hinter denen die Restauratoren ihrer diffizilen wie anspruchsvollen Arbeit nachgehen werden. Und wer ganz genau hinsieht, bekommt einen Eindruck, welche Aufgabe noch vor den Spezialisten aus der Schlösserverwaltung liegt. 

Bernd Schreiber, Präsident der bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, ließ es sich nicht nehmen, seinen obersten Dienstherren persönlich durch Schloss Neuschwanstein zu führen. Dabei bekam Füracker die Problematik vor Augen geführt, mit der sich die Restauratoren konfrontiert sehen. 

Dazu gehören neben 1,5 Millionen Besuchern pro Jahr vor allem das alpine Klima mit seinen Temperaturunterschieden und der entsprechenden Sonnen-, vor allem aber UV-Einstrahlung – Auslöser für eine Vielzahl der Schäden im Schloss. Schnee und Frost haben dagegen an der Fassade gearbeitet, weshalb nicht nur die Dächer, sondern auch Stützmauern und eben die Torbaufassade saniert werden. Ziel ist laut Füracker ein „gepflegtes gealtertes Erscheinungsbild und eben kein neues Neuschwanstein“. 

8000 Besucher am Tag

So müssen allein über 2000 Objekte der Inneneinrichtung restauriert werden – und das bei laufendem Führungsbetrieb. Denn das Schloss einfach schließen während der Arbeiten, die sich über gut vier Jahre hinziehen werden, könne und wolle die Verwaltung nicht. Dabei sei es der Anspruch, dass der Freistaat die Kulturgüter in einem Zustand erhalte und an die nächsten Generationen weitergebe, wie „es der Stolz der Bayern“ sei. 

Bis zu 8000 Besucher am Tag würden eine deutliche Sprache sprechen, sagte der Staatsminister. Im Rahmen der größten und anspruchsvollsten Sanierung in der Geschichte des Schlosses werden insgesamt 2329 Positionen, restauriert, darunter 93 Räume, 65 Gemälde, 355 Möbel und 228 Textilien und Lederobjekte sowie 322 kunsthandwerkliche Objekte, Holzbauteile, Natur- und Kunststeinobjekte und 664 Fenster und Außentüren. Bei den Arbeiten können die Restauratoren bereits erste Erfolge vorweisen. So bekam Minister Füracker einen Eindruck davon, wie das empfindliche Mobiliar aufgearbeitet wird, exemplarisch an einen Spiegeltisch vorgeführt. 

Hatte das Holz über die Jahre eine dunkle Patina angesetzt – wie man inzwischen weiß, den falschen oder zu aggressiven Pflegemitteln geschuldet –, konnte die Restaurierungsabteilung der Schlösserverwaltung das Ursprüngliche und dessen Farbe wieder herausarbeiten. Mit fast 50 eigenen Spezialisten ist diese Abteilung der Schlösserverwaltung übrigens eine der größten Deutschlands. Das Schloss werde deshalb nach den Arbeiten wieder sehr viel heller und auch in Teilen farbiger erscheinen, so Präsident Schreiber. Das könne bereits an Wandgemälden in der ehemaligen Königswohnung im Torbau beobachtet werden. 

Hier hatte König Ludwig während der Bauarbeiten des Schlosses immer wieder übernachtet. Wasser durch das undichte Dach, aber auch die Nutzung der Öfen, hatte die originalen Gemälde zerstört bzw. einen dunklen Film darüber gelegt. So kommen nach den Reinigungsarbeiten die ursprünglichen Farben wieder zum Vorschein. Das Wandgemälde selbst, so Elke Umminger vom Büro für Denkmalpflege, werde nur dort, wo Schäden vorhanden sind, farblich neu angelegt. Zu sehen bekommen wird der Schloss-Besucher die Räume des Königs trotzdem wohl nie – zu umständlich ist der Weg dahin über die Dächer des Torbaus. 

Neue Lüftungsanlage

Doch es sind nicht nur die Spuren falscher Pflege oder der Nutzung, sondern auch der unzähligen Besucher im Laufe der Jahre, die nun ausgebessert werden müssen. Nicht nur, dass sich die Besucher des Schlosses nicht zurückhalten können und hier und da ein Stück „mitgehen“ lassen, wie man etwa in der künstlichen Grotte sehen kann, wo die Tropfsteine abgebrochen werden. 

Auch der Schweiß von 8000 Besuchern am Tag hinterlässt Spuren, weshalb nun eine Lüftungsanlage für ein gemäßigtes Raumklima sorgen soll. Dass die Arbeiten dabei immer wieder von Überraschungen begleitet werden, berichtete Heino Oehme, einer der Verantwortlichen der Restaurierungsarbeiten. So sehen die Experten mittlerweile mit Hilfe einer Spezialkamera der Uni Bayreuth in die Wandschichten hinein. Ohnehin hat die Schlösserverwaltung mit der Restaurierung des Opernhauses in Bayreuth den Maßstab für die Arbeiten in Neuschwanstein vorgegeben.

Wobei Oehme aber auch betonte: „Besser geht es nicht bei den Möbeln“, so der Fachmann. König Ludwig hatte vor allem für die Prunkräume, die gerade saniert werden, nur Eichenholz bei Mobiliar und Einbauten verwenden lassen. 

Bilder werden gereinigt

Der nächste Schritt wird die Reinigung der Wandgemälde im Sängersaal sein, wo derzeit die Fenster restauriert werden. Dann werde ein Gerüst an der Wand hochgezogen, so Oehme, das mit Fotoplanen abgehängt wird. So können die Besucher den Saal auch während der Arbeiten betreten und die Kunstwerke bestaunen. Die Arbeiten sollen aber vor allem in der Nebensaison sowie abends und nachts stattfinden, kündigte Präsident Schreiber an. Zu den Kosten meinte Füracker, dass allein die Fassadensanierung, die heuer, spätestens aber im Frühjahr abgeschlossen sein soll, 1,4 Millionen Euro kosten wird. In Summe wurden die Arbeiten bis 2022 mit 20,14 Millionen Euro veranschlagt. 

gau

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