"Schon sehr früh aufklären"

Podiumsdiskussion mit Schülersprecherin Nadine Keller (rechts) und den Suchtberatern Bernadette Bonczinski und Nikolaus Augenstein aus Kaufbeuren (von links) zusammen mit Moderatorin Brigitte Protschka. Foto: Claus

Breites Interesse bei der Eröffnung der Ausstellung „Blau – heiter bis tödlich" in der Füssener Erich-Kästner-Schule, begleitet von einem einleitenden Trommelwirbel der Schulcombo: Über 50 Vertreter von Schulen, Vereinen und Institutionen besuchten am Montagabend die Präventionsveranstaltung gegen Alkoholmissbrauch, eine Gemeinschaftsaktion der Arbeiterwohlfahrt Füssen-Schwangau, der DAK Gesundheitskasse und der Erich-Kästner-Schule in Füssen.

Moderiert von der AWO-Vorsitzenden Brigitte Protschka, berichteten verschiedene Referenten zum Thema Alkohol, über dessen Gebrauch bzw. Missbrauch. In einem sehr persönlichen Erfahrungsbericht von Paulus Gruber, einem pensionierten Polizeibeamten aus Dillingen, erfuhren die Zuhörer über die leidvolle „Begegnung" mit dem Alkohol und seinem „schleichenden Übergang" zum Alkoholiker. Er schilderte in der Folge sehr authentisch seinen mühsamen Weg heraus aus der Abhängigkeit und führt nach seinen eigenen Worten seit nunmehr 20 Jahren „ein freies und freudvolles Leben ohne Alkohol". Sozialpädagoge Nikolaus Augenstein, Verantwortlicher für das Alkoholpräventionsprojekt HALT (Hart Am LimiT), das zusammen mit der Stadt und der Kinderklinik Kaufbeuren sowie der Suchtberatungsstelle der Caritas realisiert wird, beleuchtete das Problem im Umgang mit alkoholisierten Jugendlichen. Sein Rat: „Es ist sehr wichtig, dass Eltern sehr früh anfangen aufzuklären“. Es genüge nicht, nur Verbote auszusprechen, sondern diese Verbote müssten auch begründet und mit den Kindern beziehungsweise Jugendlichen diskutiert werden. Das koste Zeit, die es sich aber lohnt aufzubringen. Ähnlich äußerte sich Bernadette Bonczinski als Suchtberaterin der Caritas Kaufbeuren. Alkoholkonsum entstehe nicht durch Gruppendruck sondern sei eine selbstständige Entscheidung jedes Einzelnen und habe mannigfaltige Ursachen (u. a. Schule, Elternhaus, Leerstelle). Interessant war auch das Kurzinterview mit Nadine Keller, Schülersprecherin an der Erich-Kästner-Schule, mit der Frage nach ihrem Eindruck, warum Jugendliche sich oftmals so heftig betrinken. „Ist es Neugierde, Frust und welche Rolle spielen die Erwachsenen als Vorbild" so die Frage an sie. „Die Jugendlichen lassen schon mal ‚die Sau raus’ aber in der Regel ist Alkohol nicht das Thema Nummer eins in unserer Altersklasse", so die 15-Jährige, die auch Mitglied bei der Faschingsgarde in Hopferau ist. Sie forderte von Jugendlichen auch untereinander beim „Erlebnis" Alkoholmissbrauch nicht wegzuschauen, sondern Zivilcourage zu zeigen.

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