Der "Berufsorientierungstag" zeigt Schülern ihre Möglichkeiten auf

Noten entscheiden nicht immer

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Eine Gruppe von Füssener Realschülerinnen übt schon mal ein paar Handgriffe, die im Klinikalltag in den Pflegeberufen zur Routine gehören.

Füssen – Die Polizei war nicht da. Daher wird sich der 16-jährige Michael selbst Infos über die Ausbildungsmöglichkeiten bei den „Freunden und Helfern“ besorgen.

An drei Stationen beim „Berufsorientierungstag“ der Realschule bekam der Füssener aber ein Paket an vielen anderen Fakten serviert: über Hotelberufe, technische Ausbildungsgänge und die Staatliche Fachoberschule in Kaufbeuren. Sein Fazit im Rahmen der Tour in Richtung Berufseinstieg: „Industriemechaniker ist auch interessant.“ 

138 Realschülerinnen und -schüler aus Füssen und Umgebung hatten sich an ihrer Schule – nach Angaben von Lehrer Stefan Huber – beim Berufsorientierungstag für jeweils drei Stationen entschieden. Dabei kamen die Jugendlichen in Kontrakt mit den Ausbildungsbetrieben. Insgesamt 17 Stationen, die in Klassenzimmer aufgebaut waren, standen den Jugendlichen dabei zur Auswahl. Berufsberater Wolfgang Gabler bot darüber hinaus kürzere Einzelgespräche in der Schulbibliothek an.

 Der Fachmann, der mit den Jugendlichen in der Phase ihrer beruflichen Orientierung über ihre Interessen und Neigungen spricht, ist ein regelmäßiger Ansprechpartner an der Schule. Nur ein Mal im Jahr besteht hingegen die Gelegenheit, mit Ausbildern und Azubis direkt vor Ort locker in Kontakt zu kommen. In einer überschaubaren Gruppe begann beispielsweise die 14-jährige Lucia aus Schwangau ihre Info-Tour beim Füssener Hotelier Norbert Schöll. 

Den Fragen zu den vier Ausbildungsberufen Hotelkauf- und -fachleute, Konditor und Koch stellte sich aus Schölls Hotel Schlosskrone und Kurcafé-Team auch Meister Marcus Kleiner. 

Wichtiges Praktikum 

Alle sechs Ausbildungsplätze im technischen Bereich „sind 2017 schon besetzt“: Diese Info gab auf Nachfrage des Kreisbote Christoph Draesner, Leiter der Ausbildung der Firma Zetka Stanz- und Biegetechnik. Darunter sei auch eine junge Frau. Draesner betonte: „Wir sehen es sehr gern, wenn Schülerinnen für eine technische Ausbildung entscheiden.“ 

Bei „geeigneten Nachwuchskräften“ spielten die Noten, wie er betonte, nicht unbedingt die Hauptrolle. Zetka halte es für wichtig – wie andere regionale Ausbildungsbetriebe auch – eine Bewerberin oder einen Bewerber „als Praktikanten kennen zu lernen“. Gegenüber unserer Zeitung unterstrich Draesner: „Wir gehen in Sachen Ausbildung stärker in die Öffentlichkeit.“ 

Gutes Einkommen

Für praktische Workshop-Atmosphäre sorgte Stephan Steck von der Berufsfachschule für Krankenpflege in Kaufbeuren. In der Gruppe der Schülerinnen ließ er nach einem Überblick über Gesundheitsberufe Übungen zur Hygiene machen. Er räumte dabei auch mit einem Vorurteil auf: Mit Blick aufs Gehalt werde „meist die Situation in den Altenheimen gesehen. Die Verdienstmöglichkeiten in der Pflege sind jedoch bei Gott nicht schlecht.“ Vor allem durch Zuschläge und gezielte Weiterbildung könne das Gehalt wachsen. 

Gesundheits- und Krankenpfleger werden an den Kliniken in Füssen und Pfronten praktisch ausgebildet. „Bewerbungen sind noch möglich. Start ist am 1. September“, so Ausbildungsleiter Steck auf Nachfrage. „In Füssen gibt es sechs, in Pfronten zwei noch zu besetzende Plätze.“ Auf der von Lehrer Huber zum dritten Mal organisierten Berufsorientierungsmesse war ein klarer Trend zu erkennen: erneut gibt es genügend Jugendliche für die Übergangsklasse von der Realschule zum Gymnasium. Stark nachgefragt ist mit Abschluss Mittlere Reife aber auch die Fachoberschule in Kaufbeuren.

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