Der Ärger ist groß

Schwanen-Drama bei Füssen: Neun Küken werden über Stauwehr gespült – Sieben davon sterben

Ein Schwanenpaar mit seinen neun Küken auf dem Lech.
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Damals war die Welt noch in Ordnung: Das Schwanenpaar schwimmt mit ihren neun Jungen, die einen Tag vor Muttertag geschlüpft sind, den Lech entlang.
  • Katharina Knoll
    vonKatharina Knoll
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Füssen – 130 direkte Reaktionen, 36 Mal kommentiert und 15 Mal geteilt: Am Dienstag löste die Nachricht, dass der Lech neun Schwanenküken mitgerissen und über eine Stauwehr gespült hat, Empörung in den Sozialen Medien aus. Denn nur zwei Küken überlebten das Unglück. „Ich bin über alle Maße traurig und entsetzt, wie unglaublich dumm die Menschen sind!“, kommentierte eine Leserin.

Nur: Das Wehr am Lech hebt und senkt sich ganz automatisch – und regelt damit die Wasserhöhe des Lechs, erklärte Hans Hack auf Nachfrage des Kreisbote. Der Vorsitzende des BUND Naturschutz Ortsgruppe Halblech, die sich in den vergangenen Jahren um den Schutz des entsprechenden Schwanennests gekümmert hat, ist der Sache nachgegangen.

In den vergangenen Jahren hat das Schwanennest am Lech, das nur ca. 80 Meter vom Wasserkraftwerk Horn entfernt liegt, immer wieder für Aufsehen gesorgt. Hatte in der Vergangenheit ein Fuchs Küken im Nest getötet, wurde heuer das Wasser dem Schwanennachwuchs zum Verhängnis.

Am vergangenen Sonntag hatten die Schwaneneltern mit ihren zwei Wochen alten Jungen noch einen Ausflug auf dem Überlauf des Kraftwerks unternommen, so Hack. Zu diesem Zeitpunkt stand das Wasser so niedrig, dass es nicht über das Stauwehr gelangte. Einen Tag später wurde dieser Bereich anscheinend aber zur tödlichen Falle. Die Schwanenfamilie hatte ihre Runde vom Vortag wohl wiederholt, vermutet Hack. Weil aber nun Wasser über das Wehr floss, gerieten die Küken wahrscheinlich in den Sog dieser Strömung und wurden in die Tiefe gerissen.

Nur ein Küken kehrt zu seinen Eltern zurück

„Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse haben diesen Sturz wahrscheinlich nur zwei Küken überlebt“, sagte Hack. Eine Frau, die regelmäßig am Lech spazieren geht, habe die beiden Jungtiere entdeckt. Sie fing eines ein, das sich im Gebüsch versteckte. Das andere nutzte die Gelegenheit und türmte. „Wo es geblieben ist, konnten wir nicht feststellen“, informiert der Vorsitzende der BUND Naturschutz Ortsgruppe Halblech. Deshalb konnte nur ein Küken den Schwaneneltern übergeben werden.

Um ganz sicher zu gehen, dass es keine weiteren Überlebenden gab, die Hilfe brauchten, suchte die Wasserwacht Füssen die Uferzone bis nach Brunnen ab – jedoch ohne Erfolg.

Wie genau die Tragödie am Montag abgelaufen ist, weiß aber niemand. Zumindest hat sich kein Zeuge bei Hack gemeldet, der in den Medien um Hinweise dazu gebeten hatte.

Nicht machbar

Warum hat man keine Rücksicht auf die Schwanenfamilie nahe des Kraftwerks genommen? Und warum wurden keine Schutzvorkehrungen getroffen? Das fragten sich nun viele in den Sozialen Medien.

„Keine Empathie und kein bisschen Nachdenken, wie man die Schwanenfamilie zum Beispiel mittels Netzen vor dem Wasserwerk schützen könnte“, ärgerte sich beispielsweise eine Userin auf Facebook. Doch so einfach ist die Sache nicht. „Wer fährt vor und holt sie aus dem Netz heraus? Das ist nicht machbar“, sagte Hack zum Thema Netze.

Wenn die Jungen größer sind, macht sich die Schwanenfamilie normalerweise zu Fuß auf den Weg in Richtung Forggensee. Dann geht die Familie am Oberen Stausee an Land und watschelt über den Fußgängerweg in Richtung Bootshafen, wo sie auf Höhe des Hotels Sommers in den Forggensee hineingeht. „Wir haben uns schon Gedanken gemacht, wie wir das Umsiedeln unterstützen können“, erklärte Hack. „Im Notfall hätten wir die Jungen eingefangen.“ Doch soweit ist es nicht mehr gekommen.

Automatischer Ablauf

Wann sich das Wehr am Kraftwerk hebt bzw. senkt läuft ganz automatisch ab, weiß der Vorsitzende der Ortsgruppe Halblech. Ein Sensor am Lechfall registriert, wie viel Wasser sich den Lech hinab bewegt und dementsprechend werde das Stauwehr bewegt. „Das hebt und senkt sich ganz minimal“, weiß Hack. „Wenn die Turbinen voll sind, geht das Wasser über das Wehr drüber“, erklärte der Vorsitzende. „Das wird nicht von Menschenhand gemacht.“

Strömt Wasser über die Staumauer, muss das aber nicht automatisch ein Todesurteil für den Schwanennachwuchs bedeuten. Schließlich sind die Jungen leicht. „Wenn sie weit genug weg sind, um nicht in die Wasserwalze zu gelangen und hinuntergedrückt zu werden, haben sie die Chance, weggetrieben zu werden“, so der Ortsgruppenvorsitzende.

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