Schwangau führt die Königscard ein

Es war eine eigenartige Situation: als Bürgermeister Reinhold Sontheimer verkündet, der Gemeinderat habe beschlossen, die Königscard auch in Schwangau einzuführen, kommt Gelächter auf. Auch dem Geschäftsführer des Vitalen Landes, Martin Kumbrink konnte man ansehen, dass ihm die Umstände nicht behagten, beteiligt sich doch aktuell kein weiterer „Leistungsträger“ in Schwangau. Und die Vermieter wollten wissen, warum man den Gast nicht einfach selber wählen lasen kann.

Man möchte dem Gast auch in Schwangau die Möglichkeit geben, an der Königscard teilzuhaben, so Sontheimer in der Begründung des Gemeinderates, die allerdings nicht ganz einstimmig gefallen war. Dabei interessierte die Vermieter eigentlich viel mehr, wer denn die Kosten übernehmen soll. Denn: die Karte garantiert dem Gast keine Zusatzkosten wie Bergbahn- oder Hallenbadeintritt, wie Kumbrink in einem Rechenbeispiel, zeigte. Aber: die Kosten für Eintritt oder Bergfahrt fallen dennoch an, müssen dem Leistungsträger im Umlageverfahren letztlich doch gezahlt werden. Da kommt es passend, dass die Bundesregierung die Mehrwertsteuer für Nächtigungen auf sieben Prozent gesenkt hat. Diese Ersparnis könne man nutzen, um, ohne die Übernachtungspreise erhöhen zu müssen, die Kosten über den Kunden, sprich Gast, wieder hereinzuholen , wie ein Pfrontener Hotelier im Auftrag Kumbrinks, den Schwangauern erzählte. Die hatten nämlich kalkuliert, dass selbst kleinste Vermieter mehrere 1000 Euro pro Jahr für diese Umlagekarte zahlen müssen und sich gefragt, warum man den Gast nicht selber entscheiden lassen könne. Das gehe nicht, so Kumbrink, denn dann würde die Karte wahrscheinlich bis zu zwölf Euro pro Tag kosten anstatt der subventionierten 3,90 Euro. Außerdem, so Kumbrink, spekuliert man im Vitalen Land darauf, dass nicht alle Gäste das Angebot nutzen. Denn: der Gast zahlt nie drauf, die Leistungsträger auch nicht, Landkreis und die Vermieter aber schon, wenn, geschätzt, mehr als 20 Prozent der Gäste das Angebot der Königscard tatsächlich nutzen. Zwar gebe es schon Zahlen über Nutzung und Kosten der Karte in der Wintersaison, so Kumbrink, diese wolle er aber aktuell noch nicht nennen. Weitere Kritikpunkte sind unter anderem auch, dass keine weiteren Leistungsträger aus Schwangau wie Therme oder Königsschlösser mitmachen. Der Gast führe nach Oberammergau ins Wellenbad oder zur Schifffahrt nach Murnau und würde dann auch dort sein Geld lassen, nicht beim Essen in Schwangau. Und es gibt keine Angebote für die Wintersaison, die traditionell schwächer ausgeprägt ist als die Sommerzeit, so Martin Helmer, Vorstand des Kur- und Verkehrsvereins Schwangau. Im August könne man sein Haus nicht mehr wie voll haben, so ein Vermieter. Aber ein Quotenbringer im Winter wie die Skilifte am Tegelberg fehle. Da nützte es auch wenig, wenn Bürgermeister Sontheimer den Vermietern versicherte, dass die nächste Erhöhung des Kurbeitrages nicht vor 2012 ansteht.

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